Katar - finanzkräftiges Mini-Emirat in der Isolation

Der 37-jähriger Emir Al-Thani baute den Einfluss des kleinen Golfstaates in den vergangenen zehn Jahren sukzessive aus. Die Nähe zu Islamisten führten nun zum Bruch mit den Nachbarn - vor allem mit Saudi-Arabien sowie mit Ägypten. Die Qatar Investment Authority zählt zu den 15 größten Staatsfonds der Welt und investiert unter anderem in vielen Ländern Europas.

Katar - finanzkräftiges Mini-Emirat in der Isolation

Katar - das reiche Mini-Emirat am persischen Golf in der Isolation.

Berlin/Doha Mit der Terror-Anklage gegen Katar haben die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain einen Verkehrs- und Handelsboykott gegen das Emirat verhängt. Seit Dienstag sind zudem die Flugverbindungen von und nach Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und in die Vereinigten Arabischen Emirate gekappt und die Lufträume für Qatar-Jets gesperrt. Sie können die Region nach Europa nur über den Iran und die Türkei verlassen. Westliche Airlines wie Lufthansa oder British Airways fliegen Katars Hauptstadt Doha weiter an.

Bürger aus dem Land haben zwei Wochen Zeit, die drei anderen Golfstaaten zu verlassen. Das Bündnis wirft Katar vor, Islamisten und den Erzfeind Iran zu unterstützen, was die Regierung in Doha umgehend zurückwies. Jemen, die Regierung in Ost-Libyen und die Malediven schlossen sich der Staatengruppe um Saudi-Arabien an.

Mit dem Entzug der Flugrechte durch die Saudis und seiner Partner wird mit erheblichen Störungen im Flugplan gerechnet. Am Hamad-Flughafen in Katar wurden allein im ersten Quartal 2017 knapp zehn Millionen Passagiere abgefertigt. Qatar Airways ist an der Iberia- und British-Airways-Mutter IAG beteiligt.

Das kleine Golf-Emirat Katar hat gerade einmal gerade einmal 2,6 Millionen Einwohner. Es ist mit 11.627 Quadratkilometern flächenmäßig etwas kleiner als das Bundesland Oberösterreich (11,982 km²/insgesamt 1,4 Mio. Einwohner). Katar gilt wegen seines Öl- und Gasreichtums als eines der reichsten Länder der Welt. Nach Schätzungen des IWF bringt es Katar bei der Wertschöpfung mit 156,7 Mrd. Dollar auf der Weltrangliste auf Rang 56. Österreich ist mit 386,7 Mrd. Dollar auf Platz 28.

Die österreichische Exporte nach Katar beliefen sich im Jahr 2016 bei 138 Mio. Euro, die Importe aus Katar auf 13 Mio. Euro.

Katar ist ein gefragter Investor mit Beteiligungen an renommierten deutschen, aber auch an etlichen anderen internationalen Großkonzernen. Die Qatar Investment Authority zählt zu den 15 größten Staatsfonds der Welt. Der Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani hat am Dienstag angekündigt, sein Land sei bereit zur Beilegung der Krise mit Hilfe der Vermittlung Kuwaits.

Die Experten des Instituts SWFI zählen die katarische Dachgesellschaft für diese Beteiligungen, die "Qatar Investment Authority" (QIA), zu den 15 größten Staatsfonds. Die QIA sieht sich selbst als globalen Investor, der seine Gelder in einer breiten Palette von Vermögensklassen und Branchen in allen Teilen der Welt anlegt. Fachleute sprechen davon, dass der Fonds auf dem gesamten Globus über 330 Mrd. Dollar (293 Mrd. Euro) angelegt hat.

Die Strategie

Seine Investitionsstrategie beschreibt der katarische Fonds mit den Worten: "QIA bemüht sich um langfristig orientierte Rückflüsse aus Investitionen, ohne sich ungebührlichen Risiken auszusetzen". Vorrangiges Ziel sei es, Gelder aus dem Öl- und Gasgeschäft so anzulegen, dass der Staat und künftige Generationen auf lange Sicht profitieren. Es gehe um nachhaltige Renditen ohne übermäßigen Risikogehalt. Kurzfristige oder taktische Engagements seien nicht Sache des Fonds. Er setzt nach eigenen Angaben auf Flexibilität und langlaufende Entwicklungen.

Die Beteiligungen

QIA selbst hält sich mit detaillierten Angaben über seine weltweiten Beteiligungen zurück. Selbst spricht der Fonds lediglich allgemein von Anteilen an Volkswagen, Barclays, Canary Wharf, der Harrods-Gruppe, Credit Suisse, Heathrow, Glencore, Tiffany & Co und Total. Bei Volkswagen ist die Qatar Holding mit 14,6 Prozent einer der ganz großen Aktionäre.

Bei der Deutschen Bank hielten Katars Ex-Premier Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani und sein Cousin Hamad Bin Khalifa Al-Thani Ende vergangenen Jahres zusammen rund acht Prozent sowie Kaufoptionen im Volumen von rund zwei Prozent. Aktuellere Daten liegen nicht vor.

Das von mehreren arabischen Nachbarn ausgesprochenen Flugverbot untergräbt das rasante Wachstum von Qatar Airways. Die Folgen für die staatliche Fluggesellschaft dürften weitreichend seien.

Bei Hapag Lloyd wird die QIA mit 14,4 Prozent Kapitalanteil geführt. Auch Konzerne wie Hochtief, Porsche und Solarworld haben Erfahrungen mit katarischen Aktionären. Dabei haben gerade die deutschen Engagements den Großanlegern aus dem Emirat in den letzten Jahren erhebliche Verluste gebracht.

Katar ist aber in seiner Anlagestrategie noch viel breiter engagiert. Das Emirat legt seine Gelder nach eigenen Angaben in allen möglichen Vermögensarten und Regionen an. So beteiligt sich das Emirat auf den Immobilienmärkten, kauft Ländereien, Wälder, Anleihen und andere Finanzinstrumente. Und das Land ist weiter aktiv. Erst jüngst hat sich Katar wieder in der Türkei engagiert. Daneben wurden Anteile an der russischen Ölgesellschft Rosneft erworben. Beim französischen Mischkonzern Lagardere hat Katar gerade seinen Anteil erhöht und prüft offenbar weitere Aufstockungen.

Die deutschen Unternehmen in Katar

Die deutsche Handelskammer führt nach Angaben der katarischen Botschaft in Berlin 64 Firmen aus Deutschland an, die in Katars Hauptstadt Doha einen Sitz haben. Dazu zählten Allianz, Deutsche Bank, BMW, Siemens, Thyssen Krupp, Solarworld und Wintershall. Das Land hat wiederholt sein Interesse bekundet, noch stärker mit Deutschland zu kooperieren.

Die Wirtschaftsbeziehungen

Die katarische Wirtschaft hat in den letzten Jahren, auch bedingt durch den Ölpreis-Rückgang, beständig an Fahrt verloren und wuchs 2016 nur noch um 2,6 Prozent. Der Außenhandel mit Deutschland erreichte zuletzt ein Volumen von gerade drei Milliarden - das ist etwa Rang 60 unter den Handelspartnern Deutschlands. Die Wachstumsaussichten werden von Experten für das Land derzeit als eingetrübt bewertet. Die österreichischen Warenausfuhren nach Katar beliefen sich laut Wirtschaftskammer im Jahr 2016 auf 138 Mio. Euro, die Wareneinfuhren aus Katar nach Österreich auf 13 Mio. Euro.

Der Emir und Herrscher

Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani war erst 33, als er im Juni 2013 die Führung des Golfstaates Katar antrat. Unter seiner Führung baute die kleine Halbinsel ihren Einfluss in der Welt aus. Am Samstag wurde der Emir 37 - zwei Tage, bevor eine Reihe von Nachbarstaaten unter Führung Saudi-Arabiens die Verbindungen zu seinem Land abbrachen und es diplomatisch weitgehend isolierten.

Scheich Tamim wurde in Großbritannien erzogen und besuchte unter anderem die berühmte Militärakademie Sandhurst. Danach hatte er verschiedene Aufgaben im Emirat: Unter anderem war er Präsident des Nationalen Olympischen Komitees und stellvertretender Armeechef. Der sich fromm gebende Emir führte den Kurs seines Vaters und Vorgängers, Scheich Hamad, weiter und hob den noch vor einigen Jahrzehnten unbedeutenden Golfstaat auf das internationale Tableau. Dabei halfen die üppigen Einnahmen aus den Erdöl- und Gasvorkommen des Landes.

So holte der Sportfan Tamim für 2022 die Fußball-WM ins Land. In den Nachwehen des "Arabischen Frühlings" wurde Katar zudem zum politischen Akteur über seine Ländergrenzen hinaus. Vor allem die Verbindungen des Scheichs zu den islamistischen Muslimbrüdern brachten ihm scharfe Kritik aus Saudi-Arabien und Ägypten ein.

Auch international wird der Scheich trotz seiner Rolle als enger US-Verbündeter mit Argwohn betrachtet. Kritiker werfen ihm die Unterstützung der Terrormiliz IS und des Terrornetzwerkes Al-Kaida vor.

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