Karlheinz Kopf: "Trotz aller Funktionärs-
Widerstände: ÖVP muss zu regieren versuchen"

Die neue Nummer Zwei in der ÖVP über die 10 Fragen, die Beziehung zur SPÖ und die Alternativen der ÖVP.

FORMAT: Waren die zehn No-na-Fragen an die SPÖ aus Ihrer Sicht ein geschickter politischer Schachzug? Oder ein aufgelegter Elfmeter für die SPÖ?
Kopf: Das war nicht als Schachzug gedacht, sondern ein Ausdruck der Unzufriedenheit der ÖVP. In den letzten Tagen gab es mehrfach berechtigte Irritationen wegen SPÖ, und deshalb war es notwendig zu fragen: „Lieber Herr Faymann, bekennen Sie sich zu einigen grundsätzlichen Dingen?“

"Eruption hatte etwas Klärendes"
FORMAT: Und die Antworten Faymanns reichen der ÖVP?
Kopf: Diese Eruption der Befindlichkeiten der letzten Tage hatte etwas Klärendes. In diversen Gesprächen und Telefonaten mit SPÖ-Kollegen hatte ich den Eindruck, dass es wie ein reinigendes Gewitter gewirkt hat. Das Problem ist, dass beide Parteien noch viel Misstrauen aus der Vergangenheit mittragen. Die SPÖ war von 2000 bis 2006 in Opposition, danach folgten die unsäglichen letzten 18 Monate. Daher muss es nun heißen: Konzentrieren wir uns in den nächsten Tagen darauf, diese Koalition – an der wohl kein Weg vorbeiführt – auf die Beine zu stellen.
FORMAT: Wann wollen Sie die Verhandlungen abgeschlossen haben?
Kopf: Qualität geht vor Tempo. Ziel wäre es, bis zum Parteitag am 28. November die Verhandlungen abzuschließen. Dort könnte das Ergebnis der Verhandlungen präsentiert werden. Erzwingen können wir es nicht.

"Wir müssen es versuchen"
FORMAT: Sie werden gerade als Nummer zwei hinter Pröll positioniert. Will die Partei überhaupt regieren?
Kopf: Die Alternativen sind nicht rasend interessant. Minderheitsregierungen haben keine lange Lebensdauer. Und ob man sich in der Opposition in wenigen Monaten neu aufstellen und regenerieren kann, bezweifle ich. Hinzu kommt: Die letzte „Regenerationsphase“ der ÖVP in der Opposition hat fast 17 Jahre gedauert. Und wenn wir auch die schwierige wirtschaftliche Situation sehen, vor der die Welt steht, verlangt es die Staatsräson, sich konstruktiv zu verhalten.
FORMAT: Davon sind auch die Funktionäre überzeugt?
Kopf: Bei rational geführten Gesprächen mit den Funktionären gelangt man trotz aller Widerstände zu dem Punkt: Wir müssen es versuchen.
FORMAT: Angesichts turbulenter Zeiten: Kann man in der Regierung Wählerstimmen gewinnen?
Kopf: Ja, wenn um die Sache konstruktiv gestritten wird. Es ist ein Maß an Vertrauen notwendig, auch unangenehme Dinge anzusprechen. Harte Arbeit und das sichtbare ehrliche Bemühen um erfolgreiche Arbeit für Österreich ist die entscheidende Legitimationsbasis für eine Koalition. Hier muss das Vertrauen zwischen SPÖ und ÖVP wachsen.

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