Jetzt kommt die Quote! Heinisch-Hosek fordert 25% Frauenanteil in Vorständen

SP-Frauenministerin Heinisch-Hosek macht jetzt Ernst mit der Quote: Sie will 25 Prozent Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten staatsnaher Unternehmen gesetzlich festschreiben.

Die Präsentation eines Geschäftsberichts steht an, das Podium füllt sich mit den Tonangebenden des Unternehmens. Aber selbst wenn das interessierte Publikum ganz genau schaut: Unter den Führungskräften ist keine einzige Frau zu entdecken. Das ist 2010 immer noch nicht ungewöhnlich, sondern in der Hälfte der ATX-Unternehmen Realität. Viele österreichische Unternehmen verzichten auf Aufsichtsrätinnen und Vorstandsfrauen: Nur sieben Prozent der Posten sind laut EU-Kommission mit Frauen besetzt.

Von 50 Prozent Frauen in den Chefetagen kann allerdings auch in anderen europäischen Ländern noch längst nicht die Rede sein. EU-Justizkommissarin Viviane Reding forderte deshalb kürzlich: Bis 2015 sollen zumindest 20 Prozent der Topjobs in den Unternehmen mit Frauen besetzt werden. Für den Fall, dass die Forderung kein Gehör findet, stellt die Kommissarin den Firmen die Rute ins Fenster: Für Reding ist auch eine gesetzlich verpflichtende Frauenquote als letztes Mittel möglich. Das freut Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Die verpflichtende 40-Prozent-Frauenquote für Aufsichtsräte ist ihr Ziel. Noch im August steht ein Termin mit Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner auf dem Programm. Es geht um den ersten Schritt, das „aktuell Machbare“: die Quote für die Spitze von Unternehmen mit Bundesbeteiligung auszuverhandeln. 25 Prozent Frauenanteil sollen es werden. Die Quotendiskussion ist wieder voll in Gang.

Frauen bringen es

Nicht nur zahlreiche Studien zeigen es, auch die wenigen Frauen, die es auch ohne Quote ganz an die Spitze schafften, wissen es: Gemischte Führungsteams verbessern den Unternehmenserfolg. Eine Studie des Unternehmensberaters McKinsey zum Frauenanteil in 89 börsennotierten Unternehmen zeigt: Überdurchschnittlich viele Frauen bedeuten um 48 Prozent mehr Gewinn vor Steuern. Firmen, die auf weibliche Präsenz weitgehend verzichten, hatten das Nachsehen. Für Ulrike Baumgartner-Gabitzer, Mitglied des Vorstandes beim Verbund, ist es deshalb „einfach eine Frage der wirtschaftlichen Vernunft“, Frauen in Führungspositionen zu holen.

Klar, die Rahmenbedingungen müssen passen: Deshalb sind Trainings für den weiblichen Führungskräftenachwuchs für Regina Prehofer, im Herbst ausscheidende Bawag-PSK-Vorständin, von enormer Bedeutung: „Damit wäre die Auswahl an potenziellen Frauen für die Spitze noch größer.“ Und das Argument, es gebe keine passende Frau, verliert noch mehr an Bedeutung. Und für Mütter „braucht es Flexibilität“, sagt Christine Dornaus, Beteiligungs-Vorständin bei der Wiener Städtischen Österreich, „nicht nur bei den Mitarbeiterinnen, sondern auch vom Unternehmen“. Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen auch für Hochqualifizierte und Betriebskindergärten wird es Müttern – genauso wie modernen Vätern – deutlich erleichtert, Karriere zu machen.

Trotz alledem funktioniert es in vielen Unternehmen noch nicht: Bei Intercell legt man zwar großen Wert auf das Potenzial hervorragend qualifizierter Frauen. Man kenne aber auch das eigene Defizit – keine einzige Frau im Vorstand oder im Aufsichtsrat. Ähnlich bei der RHI: Man setze auf Ausbildung für Mädchen, um Frauen eine Karriere „ganz oben“ zu ermöglichen. „Ob es nun 10, 20 oder 30 Prozent Frauenanteil sind“, ist für Personalleiterin Ines Rodax „vordergründig aber nicht das Thema“. Und Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine, vermutet überhaupt, dass es noch dauert, bis Frauen in Industrie-Spitzenpositionen gelangen: „Mit der nachfolgenden Managergeneration ist es auch in der Stahlproduktion so.“

Die Quote bringt’s

Das geht manchen Frauen, wie Tina Reisenbichler, Geschäftsführerin der Monopolverwaltung, viel zu langsam: „Die Netzwerke der Männer wurden in der Wirtschaftskrise wieder undurchlässiger. Ich bin deshalb klar für die Frauenquote.“ Ein Statement ganz im Sinne von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Aber auch ihr Gegenüber, Wirtschaftsminister Mitterlehner, ist nicht abgeneigt: „Wenn über Jahre die Gleichbehandlung und die leichtere Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht zum Ziel führen, bleibt die Quote offensichtlich als letzter Ausweg.“ Es scheint also: Die Quote kommt – auch nach Österreich.

– Martina Madner

Interview
Heinz-Christian Strache

Wirtschaft

Herr Strache, sprechen Sie Wirtschaft?

London verkündete Einigung mit EU für Brexit-Abkommen

Politik

London verkündete Einigung mit EU für Brexit-Abkommen

Kaiserin Maria Theresia (1717 - 1780)

100 Jahre Republik - die neuen Habsburger

Kaiser, Kronprinz, Erzherzog - der Stammbaum der Habsburger