Jazeniuk: Es gab Atomunfall im Südosten der Ukraine

Der Premier der Ukraine Arseni Jazeniuk meldet einen Atomunfall. Und dann heißt es auch, es gab nur "technische Probleme" in einem der größten Atomkraftwerke Europas. Erinnerungen an Tschernobyl werden wach.

Jazeniuk: Es gab Atomunfall im Südosten der Ukraine

Kiew. Im Südosten der Ukraine hat sich nach Angaben von Ministerpräsident Arseni Jazeniuk ein Atomunfall ereignet. Er habe den Energieminister angewiesen, dazu eine Pressekonferenz einzuberufen, sagte Jazeniuk am Mittwoch. Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt.

Von dem Störfall im Atomkraftwerk Saporoschje im Südosten der Ukraine geht nach Angaben der Regierung keine Gefahr aus. Es soll sich nur um technische Problem handeln. "Es gibt keine Probleme mit den Reaktoren", sagte Energieminister Wolodimir Demtschischin am Mittwoch. Der Vorfall stehe in keinerlei Zusammenhang mit der eigentlichen Stromerzeugung, sondern betreffe das Stromverteilungssystem des Kraftwerks. Bis Freitag würden die Probleme behoben werden.

Es soll sich um den Reaktorblock 3 handeln, der nach der Panne abgeschaltet worden ist. Der technische Defekt hat sich nach Angaben des Kraftwerksbetreibers bereits am 28. November ereignet. Die AKW-Leitung hatte über die Abschaltung des dritten Blocks am Samstag informiert. Erhöhte Radioaktivität sei nicht gemessen worden, hieß es. In der Ukraine war es im April 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl zu einem der schlimmsten Atomkatastrophen weltweit gekommen.

Saporischschja liegt rund 570 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kiew. Der Standort liegt in unmittelbarer Nähe der Bürgerkriegs-Region in der Ost-Ukraine, 200 Kilometer von den Kampfgebieten entfernt. Bei dem AKW Saporischschja handelt es sich laut Wikipedia um das leistungsstärkste Kernkraftwerk Europas. Es liegt direkt am Fluss Dnepr nahe der Stadt Enerhodar, etwa 50 Kilometer von der Großstadt Saporischschja entfernt. Direkt neben dem Kernkraftwerk steht das konventionelle Kraftwerk Saporischschja.

Mit dem Bau des Kraftwerks Saporischschja wurde im Jahr 1980 begonnen. Die Reaktortypen sind nicht baugleich mit dem Unglücksreaktor von Tschernobyl. Im Dezember 1984 wurde in Saporischschja der erste von insgesamt sechs Reaktoren der russischen Standard-Baureihe WWER-1000/320 in Betrieb genommen. Die Reaktoren haben eine Nettoleistung von 950 Megawatt. Global 2000 stuft den im Jahr 1984 in Betrieb genommene Block 1 als "Hochrisikoreaktor" ein. Reaktorblock 3, bei dem die Panne aufgetreten ist, wurde im Dezember 1986 in Betrieb genommen. Das Reaktorunglück im mittlerweile stillgelegten Atomkraftwerk Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986.

Das AKW Saporischschja (via Google Maps)

Atomkraft in Europa

Nach Angaben von laut Global 2000 sind In der Ukraine derzeit 15 Druckwasserreaktoren an vier Standorten in Betrieb. 2012 wurde mit den AKW 43,58 Prozent des Gesamtstroms des Landes produziert. Es soll Pläne geben bis zu neun weitere Reaktoren zu errichten.

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