IV-Präsident Veit Sorger will Androsch-Volksbegehren unterstützen

Die Industriellenvereinigung hatte selbst eine Plattform für ein Bildungsvolksbegehren gezimmert. Doch Hannes Androsch war schneller. Nun will der IV-Chef unter bestimmten Bedingungen Androsch unterstützen.

Die Regierung hat 2011 zum Jahr der Bildung in Österreich ausgerufen, und der Startschuss dazu fällt am 10. Jänner um 14 Uhr in der Ovalhalle im Wiener MuseumsQuartier. Gastgeber an diesem Tag ist aber kein aktiver Politiker, sondern der Industrielle Hannes Androsch. Er hat alle interessierten Gruppen der Gesellschaft zum Mitmachen für sein vor Weihnachten angekündigtes Bildungsvolksbegehren eingeladen. Und viele folgen dem Aufruf: Bis zum FORMAT-Redaktionsschluss hatten sich mehr als 100 Personen aus Partei-Vorfeldorganisationen, NGOs, Interessenverbänden und Unternehmen bei Androsch angemeldet.

Vorarbeit dafür haben unfreiwillig andere geleistet. Denn schon vor Androsch hatten unter Federführung der IV mehrere Gruppen ein Konzept für eine Bildungsinitiative fast fertig in der Schublade. Diese Plattform wollte Anfang des neuen Jahres an die Öffentlichkeit gehen, wurde aber vom Androsch-Vorstoß überrascht. Nach einer Schrecksekunde kann sich der einflussreiche IV-Präsident Veit Sorger jetzt vorstellen, das Volksbegehren des früheren Finanzministers der SPÖ zu unterstützen. Unter gewissen Bedingungen.

Sorger, der eine bunte Mischung von Wirtschaftskammer über Caritas und Hochschülerschaft bis zu Teilen der Grünen an Bord hatte, ist mit Androsch bereits in engem Kontakt – die beiden Herren treffen sich gerne in ihren Feriendomizilen in Altaussee. Gegenüber FORMAT nennt Sorger auch erstmals seine zentralen Forderungen für einen Schulterschluss mit Androsch.

Die Eckpunkte: absolute Parteiunabhängigkeit, Leistungsdifferenzierung in der Schule, keine Nivellierung nach unten, externe Leistungsüberprüfungen, mehr Schulautonomie. „Wenn das sichergestellt ist, unterstütze ich ihn als Präsident der IV. Für die gesamte Organisation muss ich zuerst die Rückendeckung der Mitglieder einholen. Auch die anderen Teilnehmer der Plattform muss Androsch versuchen alle einzeln zu gewinnen, was leichter wird, wenn er unsere Vorschläge berücksichtigt“, erklärt Sorger. Aber schon die Kooperation der schwarzen IV mit der SPÖ-Legende wäre eine neue Form des Klassenkampfes in Österreich.

Tabuthema Gesamtschule

Sorger muss in den eigenen Reihen noch Überzeugungsarbeit leisten. Viele IV-Mitglieder fürchten, sich am Ende auf einer SPÖ-Parteiveranstaltung wiederzufinden. „Da sich auch Ministerin Schmied und SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Rudas auf das Androsch-Volksbegehren draufgesetzt haben, wird eine unabhängige Bewegung schwierig“, sagt einer. Tabuthemen sind eine flächendeckende Gesamtschule oder eine Abschaffung des Gymnasiums. „Bei einer Gesamtschul-Show machen wir sicher nicht mit“, betont auch Sorger. Mit Androsch bereits akkordiert sei aber, das Leistungsprinzip in der Schule stärker zu verankern. Gleiches gelte bei der Schulautonomie. Sorger: „Direktoren sollen sich ihre Lehrer aussuchen. Lehrer sollen mehr Macht bekommen, müssen sich dafür aber regelmäßigen Bewertungen stellen.“

Wie breit der Konsens noch werden kann, liegt nun vor allem am Verhandlungsgeschick von Hannes Androsch. Lothar Lockl, ehemaliger grüner Bundesparteisekretär, koordinierte im vergangenen Jahr im Hintergrund jene von der IV unterstützte Plattform, von der viele Vertreter nun am 10. Jänner bei Androsch mit am Tisch sitzen werden. Lockl: „Die Kampagne muss ein Signal an die Zivilgesellschaft beinhalten und eine gesellschaftliche Breite signalisieren. Denn ansonsten besteht die Gefahr einer parteipolitischen Schlagseite.“

Androsch braucht einflussreiche Mitstreiter. Mit dem ehemaligen steirischen ÖVP-Landesschulratspräsidenten Bernd Schilcher hat er bereits einen von der Sache Überzeugten an Bord. Schilcher schwärmt über den Ansatz: „Ich habe die Beiträge der Gäste gelesen und muss festhalten: Es herrscht ein bemerkenswert großer Konsens von gewerkschaftlichen Gruppen bis zu kirchlichen Kreisen und der Wirtschaft. Da könnte etwas Großes gelingen.“

Wenn nicht die Politik wieder dazwischenfunkt und die Kampagne im Parteiengezänk untergeht. Die Industrie zum Beispiel fürchtet, dass die SPÖ ein klares Bekenntnis zur Leistungsdifferenzierung verhindern könnte. Andererseits haben die Sozialdemokraten im Gegensatz zur ÖVP ein einheitliches Bildungskonzept. Je länger Stillstand herrscht, umso eher trifft der Zorn der Bürger die Schwarzen.

Hannes Androsch hat mit seinen 72 Jahren schon viel erlebt und lässt sich auch von möglichem Polit-Zoff nicht aus der Ruhe bringen: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

– Andreas Lampl, Markus Pühringer

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