Italien kämpft gegen den Mafia-Sumpf

Italien kämpft gegen den Mafia-Sumpf

Vincenzo Iaquinta bei einem Spiel der italienischen Nationalmannschaft 2009 gegen Ägypten. Iaquinta steht mit mehr als 140 Angeklagten im Visier der Justiz.

Im Kampf gegen die Mafia haben in Italien gleich zwei bedeutende Verfahren begonnen. Dem früheren Bürgermeister Roms, Gianni Alemanno, wird in Rom der Prozess gemacht. Im Norden müssen sich mehr als 140 Angeklagte, darunter der Fußballweltmeister Vincenzo Iaquinta, in einem Hochsicherheitssaal des Gerichts von Reggio Emilia wegen Verbindungen zur kalabrischen 'Ndrangheta verantworten.

Italien gilt als eines der korruptesten Länder Westeuropas. Im internationalen Vergleich führt die Nichtregierungsorganisation Transparency International das Land auf Platz 61 von 161 auf - zwischen Oman und Lesotho. "Die Korruption ist der Krebs, der Rom zerfrisst", sagt Mafia-Verfolger Alfonso Sabella.

In der Hauptstadt geht es um den neofaschistischen Ex-Bürgermeister Gianni Alemanno. Während seiner Amtszeit von 2008 bis 2013 soll das kriminelle Geschäft in Rom, die "Mafia Capitale", ihren Aufstieg erlebt, gar prosperiert haben. Er muss sich des Vorwurfs der Korruption und illegaler Finanzierung seiner Wahlkampagne stellen. "Bei diesem Prozess geht es um tiefgreifende Korruption", analysierte der Mafia-Experte Federico Varese. Um sie zu bekämpfen müsse eine Reform der Verwaltung her. Ein Whistleblower-System, Rotation der Positionen und Transparenz, schlägt Varese vor.

Alemanno soll zwischen 2012 und 2014 etwa 125.000 Euro durch seine Stiftung Nuova Italia erhalten haben. Bestechungsgelder, sagen die Staatsanwälte. Der 58-Jährige hatte die Anschuldigungen stets von sich gewiesen. Am Mittwoch erklärte er am Ende der ersten Anhörung: "Ich werde mich in diesem Verfahren verteidigen, weil ich meine Unschuld beweisen will, auch wenn mich viele schon vorverurteilt haben." Das Verfahren wurde bereits nach wenigen Minuten vertagt.

Der Prozess schließt sich einem im vergangenen November begonnenen Verfahren gegen 46 Angeklagte an - darunter Politiker, Unternehmer und Funktionäre - die mit der Mafia unter einer Decke gesteckt haben sollen. Unter anderem sollen die Beschuldigten profitable Aufträge aus öffentlichen Ausschreibungen erhalten haben. Besonders aktiv sei die "Malavita" in der Abfallentsorgung, der Stadtreinigung und dem Betreiben von Flüchtlingseinrichtungen gewesen, heißt es.

Die kalabrische 'Ndrangheta, die einst fast nur im Süden ihre illegalen Geschäfte tätigte, ist unterdessen längst auch in den nördlichen Regionen vertreten. Das zeigt der zweite Prozess, ein wahres Großverfahren in Reggio Emilia in der Nähe von Bologna. Er findet unter sehr großem Interesse der Öffentlichkeit in einem eigens gebauten riesigen Gerichtssaal der höchsten Sicherheitsstufe statt.

Unter den 147 Angeklagten sind Journalisten, Politiker und Unternehmer sowie Vincenzo Iaquinta, Fußballweltmeister von 2006. Ihm wird vorgeworfen, gegen das Waffengesetz verstoßen zu haben. Sein Vater Giuseppe soll sogar Mitglied der Verbrecherorganisation sein. "Ich weiß noch nicht mal, was das ist, diese 'Ndrangheta", sagte der Stürmer Anfang März in den Medien.

Besonders nach den zwei schweren Erdbeben 2012 soll die 'Ndrangheta, die sonst überwiegend mit Drogen- und Waffenhandel Milliardenprofite macht, am Wiederaufbau in Norditalien verdient haben. Das Baugewerbe sei sehr anfällig für die Infiltration durch die Mafia, erklärt Varese. "Gerade kleinere Unternehmer profitieren, wenn die Verbrecher sich einmischen und die Wettbewerber vom Markt halten." Nur stärkere Kontrollen durch Lokalregierungen könnten dies verhindern.

Zwar werden nun die Schuldigen vermutlich bestraft werden, doch vor Gericht werden nur die Symptome der Krankheit behandelt. "Die Strafverfolger sind sehr mutig. Aber es ändert sich nichts", sagt Varese. "Reformen und Regulierungen sind der einzige Weg, um die Mafia langfristig zu bekämpfen."

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