Interview zu Kind und Job: „Wir haben ein antiquiertes Bild vom Kindergarten“

Infineon-Chefin Monika Kircher-Kohl und Valentina Schmolik, 16-jährige Alleinerzieherin, über Frauenbilder.

FORMAT: Frau Schmolik, Sie sind 16 Jahre, haben einen 1 1/2 Jahre alten Sohn. Wie koordinieren Sie Ausbildung und Familie?
Schmolik: Ich stehe täglich um 5.45 Uhr auf. Um halb sieben wecke ich meinen Sohn, bringe ihn in den Kindergarten und fahre dann in die Schule. Nach der Schule hole ich ihn ab. Wenn es länger wird, muss jemand meiner Angehörigen einspringen. Hausübungen mache ich dann meist nebenbei oder am Abend.
FORMAT: Frau Kircher-Kohl, wie haben Sie Ihr Leben zwischen Kindererziehung und Beruf organisiert?
Kircher-Kohl: Ich war bis auf wenige Monate immer berufstätig und hatte immer Jobs, die mir Spaß gemacht haben. Dazu kommt, dass die Jobs sehr gut zum Alter der Kinder gepasst haben. Anfangs konnte ich die Kinder mit in die Arbeit nehmen, später hatte ich die Möglichkeit, bestimmte Zeiten für die Kinder zu blocken.
FORMAT: Wie haben sich die Zukunftspläne durch Ihr Kind verändert?
Schmolik: Ich würde gerne die Schule mit Maturaabschluss beenden. Wenn es sich aber finanziell und zeitlich nicht ausgehen sollte, ziehe in eine Lehre als Gold- und Silberschmied in Betracht.
FORMAT: Die Wirtschaft ist männerdominiert, die Kinderbetreuung ist noch immer Frauensache. Wie erleben Sie diese klassischen Rollenbilder?
Kircher-Kohl: Frauen müssen ihre Ansprüche stärker formulieren. Auf der anderen Seite müssen Frauen aber auch stärker die Kinder loslassen können und den Männern mehr zutrauen. Umgekehrt müssen aber auch die Männer lernen, im Beruf loszulassen. Es gibt aber noch einen zweiten Punkt, warum Frauen nicht Führungspositionen erreichen: Sie entscheiden sich sehr oft für die typischen Frauenberufe, wo es wenig Aufstiegsmöglichkeiten gibt. In den technischen Berufen fehlen in Österreich die meisten Fachkräfte, gleichzeitig sind es jene Berufe, wo die Frauenquote am geringsten ist.
FORMAT: Sie sind aber die Ausnahme. Bekannte Managerinnen und Politikerinnen sind meistens kinderlos.
Kircher-Kohl: Natürlich sind die Frauen nicht alleine verantwortlich,
sondern es ist wirklich sehr hart, als Frau an die Spitze zu kommen. Es macht einen Unterschied, ob Politiker oder Manager Frauen an ihrer Seite haben, die für ihren Mann das Privatleben organisieren. Umgekehrt gibt es das so gut wie nicht, dass ein Mann in der Partnerschaft in der zweiten Reihe steht und seine Frau im öffentlichen Leben unterstützt.
Schmolik: Es liegt nicht nur an den Männern. In Frankreich geben Mütter Kinder mit zwei Monaten in die Kinderkrippe und gehen wieder arbeiten. Wenn man das in Österreich macht, ist man als Rabenmutter abgestempelt.
FORMAT: Zu Recht?
Kircher-Kohl: Wir haben ein antiquiertes Bild von Kinderbetreuung, diszipliniert in einer Gruppe von 25 bis 30 Kindern. In vielen Ländern sehen die Konzepte anders aus. Dort gibt es Kleinstgruppen, die Kinder sind individueller betreut, mit Freiphasen und spielerischem Lernen. Frühkindpädagogik hat bei uns einen zu niedrigen Stellenwert.

Interview: Markus Pühringer

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