Vietnam - Zwischen Hammer und Sichel und Burger King

Vietnam - Zwischen Hammer und Sichel und Burger King
Vietnam - Zwischen Hammer und Sichel und Burger King

Das Straßenbild in Vietnams Hauptstadt Hanoi ist von Hunderten roten Fahnen mit Hammer und Sichel geprägt, die auf Laternen, Strommasten und entlang der Ausfallstraßen aufgehängt sind. Ebenso fallen die großen Werbeplakate für westliche Produkte ins Auge. Die Sozialistische Republik hat dem Kapitalismus weit die Türen geöffnet, die politische Macht bleibt jedoch fest in Händen der Einheitspartei.

US-Fast-Food-Ketten wie KFC und Burger King findet man erst sehr vereinzelt in Hanoi. Hamburger können den traditionellen und billigen Garküchen, wo oft direkt am Gehsteig traditionelle vietnamesische Gerichte gekocht und verzehrt werden, noch lange keine Konkurrenz machen. Viel verbreiteter sind die Smartphones, in die zumindest in der Innenstadt nicht weniger oft gestarrt wird als in europäischen Metropolen. Sogar im dichten und für Außenstehende halsbrecherisch chaotisch wirkenden Mopedverkehr werden SMS und Mails geschrieben, und nicht nur von den Mitfahrern am Sozius.

Die High-Tech-Verkaufszahlen boomen: Vietnam ist für Apple der am stärksten wachsende Markt in der ganzen Welt, meldete das US-Magazin Fortune. IPhones und iPads gelten bei den technik-verliebten Vietnamesen als Statussymbol, für die dann auch zwei durchschnittliche Monatslöhne geopfert werden. Über Smartphones ist der Zugang zum Internet und damit in die Welt außerhalb der vietnamesischen Grenzen offen.

Die Informationspolitik innerhalb der Grenzen bleibt allerdings fest in staatlicher Hand. Der Staat wacht über alle Medien und entscheidet auch, welche ausländischen Bücher übersetzt werden dürfen. In der von der Organisation "Reporter ohne Grenzen" veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit nimmt Vietnam mit Platz 175 von 180 Staaten einen sehr schlechten Rang ein.

Ein-Parteien-Weltöffnung

Der Spagat zwischen wirtschaftlicher Weltöffnung und dem unantastbaren Einparteiensystem wird in Vietnam täglich geübt. Kommunistische Funktionäre präsentieren sich sogar auf eigenen Facebook-Seiten. Doch Kritik an der Regierung oder das Aufzeigen von Korruptionsfällen der Mächtigen ist nicht erlaubt, Blogger bzw. Bürger-Journalisten müssen bei Kritik am System mit Haftstrafen rechnen. Amnesty International betreut einige Gewissensgefangene, die in Vietnam hinter Gittern sitzen.

Die Todesstrafe ist im Strafgesetz verankert und wird auch verhängt - wobei die Zahl der Delikte, die mit dem Tod bestraft werden können, reduziert werden soll. Ein positives Zeichen im Menschenrechtsdialog ist auch die Unterzeichnung der Anti-Folter-Konvention durch Vietnam. Liberalisiert hat das System seinen Umgang mit der LGBT-Community. 2012 fand die erste Gay-Pride-Parade von Schwulen und Lesben in Hanoi statt. In diesem Bereich gilt Vietnam inzwischen als fortschrittlichstes Land in der Region. Sogar die Homo-Ehe ist inzwischen erlaubt, wird aber nicht vom Gesetz besonders geschützt.

Für Touristen gilt Vietnam als sicheres Land, wenn man sich gegen die in Südostasien typischen gesundheitlichen Risiken wappnet und sich zum Beispiel beim Essen entsprechend vorsichtig verhält. Dem Sex-Tourismus wird von Anfang an ein Riegel vorgeschoben: Prostitution ist verboten, auch wenn es in Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt) Rotlichtviertel geben soll. Hemmend für einen Massentourismus wirkt die Visumspflicht, die allerdings im Sommer für die stärksten Urlaubsländer wie Deutschland und Frankreich für Aufenthalte bis zu zwei Wochen aufgehoben wurde. Österreicher müssen - noch - ein Visum beantragen.

Revolution 2016?

Die so stabil wirkende kommunistische Politik ist jedoch stetig im Wandel. Alle fünf Jahre findet ein Parteikongress statt, der nächste steht vor der Tür. Anfang 2016 ist es so weit, dann werden die wichtigsten Führungspersonen - Staatspräsident, Premierminister, Parteichef - ausgetauscht oder bestätigt. Derzeit laufen hinter den Kulissen die Vorbereitungen, daran erinnert täglich die nicht zu übersehende Beflaggung der Stadt mit kommunistischen Parolen und Bildern, die die Einheit des 90-Millionen-Volkes beschwören sollen. Neben dem Erreichen der Altersgrenze von 60 bzw. 65 Jahren können auch ideologische Gründe oder eine schlechte Performance zum Abgang eines Spitzenpolitikers führen. Von außen gelten die Entscheidungsfindungsprozesse in der KP als schwer zu durchschauen, doch wird auch diesmal keine Revolution erwartet.

Der begrenzte Öffnungsprozess Vietnams dürfte also weitergehen. Dem von der Führung proklamierten Weg vom Agrarstaat zum modernen Industriestaat scheint nichts im Wege zu stehen. Ob der Erfolg allerdings, wie in der Planwirtschaft vorgesehen, schon bis zum Jahr 2020 realisiert werden kann, bleibt offen.

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