Spaniens Wirtschaft boomt - aber nicht der Arbeitsmarkt

Spaniens Wirtschaft boomt - aber nicht der Arbeitsmarkt

Mariano Rajoy hat kein leichtes Spiel.

Von Jänner bis März legte Spaniens Wirtschaft so stark zu wie kaum ein anderes europäisches Land. Doch die Arbeitslosenquote liegt noch immer bei 23 Prozent, schlimmer ist die Situation EU-weit nur noch bei den Griechen.

Die spanische Wirtschaft wächst dank kauffreudiger Verbraucher so kräftig wie seit 2007 nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Jänner bis März um Prozent 0,9 zum Vorquartal zu, teilte das Statistikamt am Donnerstag in Madrid mit. Neben Irland dürfte Spanien in diesem Jahr so stark wachsen wie kein anderes Euro-Land. Trotz des Wiedererstarkens ist ein Sieg der konservativen Volkspartei von Ministerpräsident Mariano Rajoy bei der Parlamentswahl am Jahresende nicht sicher. Grund dafür ist die trotz des Aufschwungs hohe Arbeitslosigkeit: Sie liegt immer noch bei 23,0 Prozent. In der Europäischen Union ist sie nur in Griechenland noch höher.

"Die Konjunktur hat die Wende geschafft", sagte Ökonom Raj Badiani von IHS Global Insight. "Die nächste Herausforderung liegt darin, dass die Erholung auch stärker bei den Menschen ankommt." Die Regierung rechnet sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent, gut doppelt so viel wie 2014. Zum Vergleich: Die Bundesregierung erwartet für Deutschland ein Wachstum von jeweils 1,8 Prozent. Eine halbe Million neue Jobs sollen dabei entstehen.

"STEUERREFORM ENTLASTET VERBRAUCHER"

Hinter dem Aufschwung steckt vor allem die wiedererwachte Kauflaune der Spanier. Angekurbelt wird sie von fallenden Verbraucherpreisen: Diese gaben zuletzt um 0,7 Prozent nach. Vor allem billigeres Tanken und Heizen lassen mehr Geld für andere Ausgaben übrig. "Die im Januar umgesetzte Steuerreform entlastet zudem die Haushalte und auch die Unternehmen", sagte ING-Ökonom Geoffrey Minne. Zweiter Treiber des Aufschwungs ist der Export. Dieser profitiert von der Abwertung des Euro, der binnen eines Jahres rund ein Fünftel zum Dollar verloren hat. Das macht spanische Produkte in Übersee billiger.

Ein Risiko für den Aufschwung bleibt der ungewisse Ausgang der Parlamentswahlen. Investoren fürchten ein Zurückdrehen der Reformen, sollte die Volkspartei Rajoy die Mehrheit verlieren. Die Volkspartei, die oppositionellen Sozialisten sowie die beiden Neulinge Ciudadanos und Podemos kommen derzeit in Meinungsumfragen auf jeweils auf 18 bis 22 Prozent der Stimmen.

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