Schelling ortet Gefahr des "Grexidents"

Schelling ortet Gefahr des "Grexidents"

Schelling warnt vor einem "Unfall" mit Griechenland.

Für Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling ist das ungewollte Hinauspurzeln Athens aus der Eurozone als "Unfall schlimmer, als alles was wir regeln können". Das Gefahr eines "Grexidents" sei groß. Auch Deutschlands Ex-Außenminister Fischer warnt vor einem Grexit und dessen Folgen.

Wien/Athen. Finanzminister Hans Jörg Schelling ortet die Gefahr eines "Grexidents" - also das versehentliche Hinausstolpern Griechenlands aus der Eurozone. Das sagte der ÖVP-Politiker bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in der Hofburg in Wien. Eine Vertrauenskrise zwischen den Europartnern gegenüber Griechenland baue sich auf, so Schelling.

"Ein Unfall wäre schlimmer, als alles was wir regeln können", sagte Schelling. Griechenland wolle in der Eurozone bleiben, "wir wollen das auch". Trotzdem: "Es ist nicht berechenbar, ob dieser Unfall passiert." Man bemühe sich in gemeinsamen Erklärungen um jedes Satzzeichen und dann sei am nächsten Tag oft alles anders wegen Athen, meinte Schelling. Es brauche endlich konkrete Zahlen, niemand kenne Unterlagen über den Realzustand des Euro-Krisenstaates. Also, so Schelling, müsste auf Ebene der Institutionen wieder ein Dialog entstehen und ein Kassasturz erfolgen - "dann sind richtige Entscheidungen möglich".

Schelling äußerte auch den persönlichen Eindruck, dass man es mit der Regierung in Athen zwar mit hochgebildeten Kollegen zu tun habe, die allerdings womöglich das Manko der politischen Unerfahrenheit hätten, "das ist dieser Regierung eigen", so Schelling. "Das erhöht das Risiko eines möglichen Unfalls, den wir versuchen, zu vermeiden." Die Folgen eines solchen "Grexidents" seien schwer abschätzbar.

Warnung vor Grexit aus Eurozone

Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer hat vehement vor einem Ausschluss oder Austritt Griechenlands aus der Eurozone gewarnt. Niemand, weder Wirtschaftsexperten noch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) oder sonst jemand, könne im Entferntesten voraussehen, was dann passieren würde, sagte der frühere Grünen-Politiker am Donnerstag in Köln.

Die Risiken wären "unkalkulierbar". Vielleicht würde ein solcher Schritt sogar den Anfang vom Ende der Europäischen Union bedeuten. "Das könnte sich als der fatale Schritt herausstellen, der die Abwicklung einleitet", sagte Fischer. Zudem werde häufig vergessen, dass Griechenland nach einem Ausschluss aus der Eurozone immer noch Mitglied der EU und der NATO wäre. "Der Glaube, die treten aus und "gut is'", den halte ich schlicht für an der Realität vorbeigedacht."

Unsägliche Nazi-Vergleiche

Die griechischen Nazi-Vergleiche seien natürlich "unsäglich", kritisierte Fischer. Sie rührten aber auch daher, dass Deutschland jetzt die klare Führungsmacht in Europa sei und deswegen von anderen Ländern für alle möglichen Probleme verantwortlich gemacht werde. Dies habe er neulich auch bei einer Diskussion in Mailand festgestellt, wo er Merkel noch ausdrücklich in Schutz genommen habe.

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