Saudi-Arabiens König Abdullah ist tot - Ölpreis schnellt in die Höhe

Saudi-Arabiens König Abdullah ist tot - Ölpreis schnellt in die Höhe
Saudi-Arabiens König Abdullah ist tot - Ölpreis schnellt in die Höhe

Der verstorbene Saudische König Abdullah

Abdullah, der einflussreiche König des mächtigen OPEC-Landes Saudi Arabien ist gestorben. International wird nun eine Periode der Instabilität auf der arabischen Halbinsel befürchtet. Der Ölpreis ist als Folge der Todesmeldung leicht gestiegen. Der neue König ist Abdullahs Bruder, der bisherige Kronprinz Salman.

Der saudiarabische König Abdullah ist tot. Er starb in der Nacht auf Freitag (Ortszeit), wie das Herrscherhaus über das staatliche Fernsehen mitteilte. Zwei Jahrzehnte lang bestimmte Abdullah Bin Abdulaziz die Geschicke Saudi-Arabiens. Während der zehn Jahre als Regent unter dem greisen König Fahd profilierte er sich als vorsichtiger Reformer. Nachdem er im August 2005 selbst den Thron bestiegen hatte, verwaltete er jedoch nur noch den stockkonservativen Stillstand im wahhabitischen Königreich.

Als Regent hatte der im Jahr 1923 geborene Abdullah zaghafte Reformansätze in der absoluten Monarchie vorangetrieben und setzte sich unter anderem für die Einführung von Teilwahlen von Gemeinderäten und eine allmähliche Vergrößerung des Nationalen Konsultativrates ein, dessen Mitglieder weiterhin vom König ernannt werden. Zudem bemühte er sich, die hauptsächlich vom Öl abhängige Wirtschaft für ausländische Investitionen, etwa im Gassektor, zu öffnen.

Außenpolitisch widmete sich Abdullah trotz seines Rufes, stärker als sein Halbbruder Fahd ein arabischer Nationalist zu sein, verstärkt dem Kampf gegen Extremisten und der Verbesserung der Beziehungen zu den USA, die seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA stark belastet waren. Das Erstarken des islamistischen Extremismus im eigenen Land, das in den Al-Kaida-Bombenanschlägen in der Hauptstadt Riad im Jahr 2003 seinen vorläufigen Höhepunkt fand, führte zu einem bis dahin beispiellosen Vorgehen gegen militante Gruppen. Abdullah unterstützte den Aufstand gegen Syriens Präsident Bashar al-Assad, der von der schiitischen Regionalmacht Iran gestützt wird. Saudi-Arabien schloss sich unter Abdullah der von den USA geführten internationalen Militärallianz gegen die radikale Miliz "Islamischer Staat" (IS) an. Zuvor hatte Abdullah allerdings die IS mit seiner Unterstützung des Aufstandes gegen den syrischen Machthaber Bashar al-Assad auch indirekt großgezogen.

Abdullah-Zentrum in Wien

2012 wurde auf Initiative des Königs Abdullah gemeinsam mit der Republik Österreich und Spanien das König-Abdullah-Zentrum (KAICIID) in Wien gegründet. Es soll sich für den interreligiösen Dialog einsetzen, steht jedoch wegen der schweren Verletzungen von Menschenrechten und Religionsfreiheit im wahhabitischen Königreich unter Beschuss.

Abdullah-Zentrum trauert um seinen Initiator. Dieser sei ein "Dialogvisionär" gewesen, hieß es in einer Aussendung des Zentrums. Der Text bezeichnete ihn als "Seine Majestät, der Wächter der zwei heiligen Moscheen von Mekka und Medina".

"König Abdullah Bin Abdulaziz war ein renommierter religiöser Führer, ein engagierter Friedensinitiator und ein standhafter Advokat für den Dialog zwischen Menschen von verschiedenen Religionen und Kulturen, um tiefes Verständnis und Respekt füreinander zu fördern", heißt es in der Aussendung weiter. "KAICIID wird die Vision des Königs von friedlichem Dialog zwischen Menschen aller Religionen weiter umsetzen."

Gemäßigter Reformer

Im Königreich galt Abdullah als beliebt, auch weil er vorsichtige Reformen anstieß, wie etwa eine gewisse Stärkung der Position von Frauen in dem ultrakonservativen Land. Allerdings sind die Frauenrechte in Saudi-Arabien immer noch extrem eingeschränkt. Frauen dürfen etwa bis heute in Saudi-Arabien nicht Auto fahren und auch ohne ausdrückliche Zustimmung ihrer Männer keine medizinischen Behandlungen erfahren. Grundsätzlich änderte sich unter Abdullah nichts am politischen System Saudi-Arabiens. Die Demokratiebewegungen in anderen Ländern der Region während des Arabischen Frühlings lehnte der Monarch strikt ab. Wer in Saudi-Arabien zu laut mehr Rechte forderte, musste fürchten, ins Gefängnis zu kommen.

Für internationale Empörung sorgte jüngst das drakonische Urteil gegen den Blogger Raif Badawi, der wegen liberaler Aussagen zu zehn Jahren Haft und 1.000 Peitschenhieben verurteilt wurde. Der Fall Badawi ließ in Österreich die Rufe nach einer Schließung des im Jahr 2011 gegründeten und nach dem verstorbenen König benannten Abdullah-Zentrums für interreligiösen Dialog lauter werden.

Ölmarkt reagiert

Abdullahs Tod hat auch Folgen auf dem hochsensiblen Ölmarkt. Die Ölpreise stiegen am Freitag: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März kostete im frühen Handel 49,44 Dollar (42,6 Euro) und damit 92 Cent oder fast zwei Prozent mehr als am Donnerstagabend, obwohl die Experten nicht mit einer Änderung der Ölpolitik rechnen. Gegen Freitagmittag notierte die Ölsorte Brent noch mit rund einem Prozent bei 49,36 Dollar im Plus.

Das größte Ölförderkartell hatte im November angeführt von Saudi-Arabien entschieden, die Förderung trotz des starken Ölpreis-Verfalls nicht zu kürzen. "Kurzfristig wird die Volatilität am Ölmarkt steigen", sagte Neil Beveridge, Experte bei der Investmentbank Sanford C. Bernstein. Er glaubt nicht an eine Änderung in der Politik Saudi-Arabiens, aber der Tod Abdullahs komme für das Land zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

"Ich erwarte keine bedeutende Änderung in der Ölpolitik Saudi-Arabiens", sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol heute, Freitag, am Rande des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos der Nachrichtenagentur AFP.

Er hoffe, dass das Königreich weiterhin zur Stabilität auf dem Ölmarkt beitrage, "gerade in diesen schwierigen Tagen".

Der neue König

Unmittelbarer Nachfolger Abdullahs wurde sein Bruder Salman Abdel Aziz bin Saud. Der 79-Jährige hat am Freitag in seiner ersten Rede an die Nation seit seiner Thronbesteigung ein Festhalten am Kurs seiner Vorgänger angekündigt. "Wir werden mit Gottes Hilfe den geradlinigen Weg fortsetzen, den dieses Land seit seiner Gründung durch König Abdulaziz beschritten hat", erklärte Salman in seiner vom staatlichen Fernsehen übertragenen Rede. Die arabischen und muslimischen Staaten bräuchten dringend Einheit und Solidarität. Saudi-Arabien werde weiterhin jeden Schritt unternehmen, um die Reihen zu schließen und das Land zu verteidigen.

Die Ansprache nährte Zweifel am Gesundheitszustand des neuen Regenten. Seit längerem gibt es Gerüchte, Salman sei an Demenz erkrankt. Bei seinem TV-Auftritt sprach er atemlos und mit schwacher Stimme. Er war nur schwer zu verstehen.

Salman ist kein Neuling auf dem politischen Parkett der Ölmacht. Seit mehr als 60 Jahren ist er gut vernetzt im komplizierten saudischen Machtgefüge. Der nun verstorbene Abdullah hatte ihn in den vergangenen Monaten krankheitsbedingt immer mehr in die Regierungsgeschäfte miteingebunden. Salman war fast 50 Jahre lang Gouverneur von Riad und hatte stets einen engen Draht zum jeweiligen Herrscher. Als er 1963 die Leitung Riads übernahm, hatte die Stadt knapp 200.000 Einwohner, 2015 sind es mehr als sieben Millionen.

Als eine seiner ersten Amtshandlungen ernannte Salman seinen Halbbruder Muqrin zum Kronprinzen und Erben. Formell muss dies noch genehmigt werden. Auf Salman kommen eine Reihe schwieriger Aufgaben zu. So ist die Wirtschaft nach Auffassung von Experten langfristig viel zu abhängig von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft.

Abdullah war einer der wichtigsten Verbündeten der USA in der Region, etwa im Kampf gegen die extremistische Al-Kaida. US-Präsident Barack Obama erklärte, ein Vermächtnis des verstorbenen Königs sei die enge Partnerschaft Saudi-Arabiens mit den USA. Abdullah sei überzeugt gewesen, dass die Beziehung zwischen den beiden Staaten wichtig für die Stabilität und Sicherheit im Nahen und Mittleren Osten und darüber hinaus sei, sagte Obama. Der französische Präsident Francois Hollande lobte Abdullahs "Vision eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten". Noch vor seiner Thronbesteigung hatte Abdullah im Jahr 2002 die Arabische Liga auf eine Friedensinitiative auf Basis der Zwei-Staaten-Lösung mit Israel eingeschworen.

Hintergrund: Saudi Arabien

Saudi-Arabien ist mit den für Muslime bedeutenden Städten Mekka und Medina die Geburtsstätte des Islam. Seit 1932 wird der Wüstenstaat auf der Arabischen Halbinsel von der Familie Al-Saud als absolute Monarchie geführt.

Die Scheichs haben mit dem Wahhabismus eine konservative Auslegung des Islams im Land etabliert und vor allem Frauen mit strengen Regeln belegt. So ist Saudi-Arabien das einzige Land der Welt, in dem Frauen nicht Auto fahren dürfen.

In dem Land leben nach Angaben der Vereinten Nationen rund 27 Millionen Menschen, ein Drittel von ihnen sind Gastarbeiter. Die Mehrheit der Saudis sind sunnitische Muslime. Im Osten des Landes lebt eine schiitische Minderheit, die jedoch immer wieder Repressalien ausgesetzt ist. Sunniten sprechen ihnen ab, wahre Muslime zu sein.

Als größter Produzent unter den Erdölstaaten (OPEC) kann das Königreich einen großen Reichtum vorweisen. Die Staatsreserven werden auf 750 Milliarden US-Dollar geschätzt.

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