"Mir platzt ja schon fast der Kragen“

"Mir platzt ja schon fast der Kragen“

FORMAT: Unter welchen Bedingungen würden sich Österreichs Banken an einer Bad-Bank-Lösung der Hypo Alpe-Adria beteiligen?

Willibald Cernko: Eine direkte Beteiligung schließe ich für unser Haus dezidiert aus. Zwingende Voraussetzung wäre, wie auch immer die Konstruktion aussieht, dass sie wirtschaftlich Sinn macht. Zudem muss eine Vereinbarkeit mit dem Straf-, dem Aufsichts- und dem Gesellschaftsrecht gegeben sein. Und es müsste zuerst eine Due Diligence gemacht werden.

Es gibt ja verschiedene Modelle für die Hypo-Abwicklung . Wie weit ist man denn da in der Diskussion?

Cernko: Es gibt noch keine offiziellen Gespräche. Wir haben nur die Rahmenbedingungen für uns festgelegt.

Das klingt aber nicht danach, dass man bald eine Konstruktion finden wird?

Cernko: Eine Lösung heuer noch schließe ich aus. Wir kennen ja noch nicht einmal unser Vis-à-Vis und wissen nicht, wer in der Zukunft zuständig ist.

Sie haben selbst einmal einen Abwicklungsfonds ins Gespräch gebracht. Wäre das eine ideale Variante?

Cernko: Bei allem gilt: Es muss sich für die Banken wirtschaftlich rechnen und darf nicht zu Lasten des Unternehmens gehen. Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum, es geht um die Gesamtbelastung der Banken. Diese muss für die Banken geringer werden.

Das heißt, die Beteiligung an einer Hypo-Abbaueinheit kann es nur im Abtausch mit der Bankenabgabe geben?

Cernko: Wenn die Bankenabgabe so bleibt, würde ich nicht einmal eine Sekunde über eine neue Konstruktion nachdenken. Warum? Weil ich sonst zum Nachteil meiner Bank agieren würde, was aktien- und strafrechtliche Folgen haben könnte.

Was sind denn die Erwartungen Ihrer Branche an eine neue Regierung?

Cernko: Dass wir wieder in einen konstruktiven Dialog kommen, wo man sich bereit erklärt, sich mit unserer Situation auseinanderzusetzen, sich für uns interessiert.

Wie beurteilen Sie denn die bisherigen Koalitionsverhandlungen?

Cernko: Mir platzt ja schon fast der Kragen, wenn bei der Vermessung des Budgetlochs von 18 Milliarden plus sechs Milliarden für DIE Banken gesprochen wird. Das sind nicht DIE Banken, sondern von den rund 800 Kreditinstituten in Österreich brauchen genau drei Institute Geld - und die sind bekannt. Da erwarte ich mir auch im Interesse unserer Kunden und Mitarbeiter eine klare Differenzierung!

Die Bank Austria hat in den ersten drei Quartalen mehr als eine Milliarde verdient. Warum jubeln da die Banker nicht, sondern kritisieren die hohen Steuern?

Cernko: Freilich sind wir stolz auf das Ergebnis. Aber es gibt genug Bereiche, wo es deutlichen Verbesserungsbedarf gibt. Und es gibt auch ein Umfeld, das alles andere als einfach ist. Die Unternehmen investieren weniger, und das liegt nicht an uns, denn wir würden uns freuen, wenn wir mehr Kredite vergeben könnten. Wir registrieren im privaten Bereich erstmals seit 1997, dass der Konsum rückläufig ist. Daher sehen wir in der Zukunft weniger Ertragsmöglichkeiten in Österreich, aber auch ein schwächeres Wachstum in Mittel- und Osteuropa als in der Vergangenheit. Daher müssen wir an jeder Ecke schauen, wo wir uns verbessern können.

Wie wird die Bank Austria 2020 aussehen?

Cernko: Ich vergleiche die vor uns liegende Zeit gerne mit der Phase nach 1989, als der Eiserne Vorhang gefallen ist und ein gewaltiger unternehmerischer Geist freigesetzt wurde. Jetzt wird wieder sehr viel unternehmerisches Geschick notwendig sein, um auf das geänderte Kundenverhalten zu reagieren. Ich sehe uns 2020 ganz klar als Universalbank positioniert, aber mit einer sehr starken Ausprägung von zwei Kompetenzen: Wenn es um Kontoführung, Zahlungsverkehr, das Einlagengeschäft und Ähnliches geht, werden wir extrem kosteneffizient sein müssen, top in der Ausführung und vernetzt mit den virtuellen Marktplätzen im Internet. Daneben wird es die "Beraterbank“ geben, wo absolute Spezialisten unseren Kunden wirklichen Mehrwert bieten, zugeschnitten auf die ganz speziellen Lebenssituationen und Umstände. Und das wird auch dem Kunden etwas wert sein.

Was muss in der Bank Austria noch vor dem EU-Stresstest passieren?

Cernko: Wir fühlen uns gut aufgestellt und haben eine exzellente Kernkapitalbasis, auch weil wir fünf Jahre lang keine Dividende ausgeschüttet und zwei Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital von der UniCredit bekommen haben.

Ein neuer Stresstest macht nur Sinn, wenn diesmal wirklich alle Problembanken herausgefiltert und dann ohne Systemrisiko aus dem Markt gebracht werden können ...

Cernko: Das ist das große Problem. Martialisch gesagt, es kommt mir derzeit so vor: Man will jemanden an die Wand stellen, legt die Pistole an und kommt drauf, dass die Munition fehlt. Wir adressieren eine Problembank, aber haben keine Antwort, wie wir damit umgehen. Es braucht einen Plan, damit Bankteile, die als nicht sanierbar eingestuft sind, geordnet aus dem Wirtschaftssystem genommen werden können.

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