Millionäre retten Flüchtlinge mit österreichischen Drohnen

Millionäre retten Flüchtlinge mit österreichischen Drohnen
Millionäre retten Flüchtlinge mit österreichischen Drohnen

Mit dem Projekt "MOAS" rettet das Millionärs-Ehepaar Catrambone Flüchtlinge, die in Seenot geraten. Unterstützt werden sie dabei durch österreichische Spitzentechnologie.

Der Einsatz ist erst vor wenigen Stunden zu Ende. Das 40-Meter-Schiff "Phoenix" hat soeben 188 Flüchtlinge aus libyschen Gewässern gerettet. Die erschöpften Migranten verdanken dem italienisch-amerikanischen Unternehmerehepaar Christopher und Regina Catrambone ihr Leben. Sie haben die erste private Flüchtlingsrettungsinitiative im Mittelmeer gegründet.

Der auf Malta lebende 37-jährige US-Millionär Christopher Catrambone hat es sich zur Aufgabe gemacht, Flüchtlinge vor dem Tod auf hoher See zu bewahren. Mit seiner italienischen Frau Regina kaufte der im Versicherungsbereich aktive Unternehmer einen alten Fischkutter und gründete die Stiftung "Migrant Offshore Aid Station (MOAS)". An Bord der "Phoenix" ist eine 20-köpfige Crew im Einsatz. Mediziner der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" kümmern sich um die Erstversorgung der Flüchtlinge.

Einer von 3000 Menschen, die bisher gerettet wurden.

Über 3.000 Menschenleben rettete die "Phoenix" im vergangenen Jahr. Seit Anfang Mai ist das Schiff wieder unterwegs. Die Mission soll bis Oktober dauern, doch dieses Mal sind die Umstände dramatischer, denn viel mehr Migranten als im Vorjahr unternehmen gefährliche Überfahrten an Bord von seeuntauglichen Booten.

"Wir sind keine Abenteurer"

Das MOAS-Hauptquartier im Ort Sliema auf Malta ist nicht weit von der Hauptstadt Valletta entfernt. MOAS-Einsatzdirektor Martin Xuereb hat alle Hände voll zu tun. Der 47-Jährige mit einer schnittigen Hornbrille war der Sicherheitschef der Insel, zuständig für das 1.500-köpfige Militär Maltas, unter anderem für die Küstenwache. Nach 26 Jahren Dienst ist Xuereb im Ruhestand. Jetzt widmet er sich ganz dem MOAS-Projekt. "Die 'Phoenix' ist in libyschen Gewässern im Dauereinsatz - dort, wo bis vor einigen Monaten noch die Schiffe der italienischen Seerettungsmission 'Mare Nostrum' verkehrten", berichtet Xuereb:. "Wir sind keine Abenteurer. Wir handeln in Abstimmung mit dem Koordinationszentrum zur Seenotrettung in Rom, das uns oft verständigt, um Migranten zu Hilfe zu eilen."

MOAS-Gründer Christopher und Regina Catrambone mit ihrer Tochter Maria Luisa: "Österreicher zeigen große Sensibilität für das Projekt".

"Auf hoher See genügen Herz und Motivation nicht", berichtet Xuereb, der sich auch in EU- und NATO-Gremien engagiert. "Ein Noteinsatz im Meer ist eine höchst komplizierte und riskante Angelegenheit und man muss bestens vorbereitet sein, um Notstandssituationen zu bewältigen und kein Menschenleben zu gefährden. Vor Kurzem haben wir ein Flüchtlingsboot mit circa 200 Personen an Deck gesichtet", erzählt er. "Später stellte sich heraus, dass sich weitere 200 Flüchtlinge im Inneren des Schiffes befanden. Wäre das Schiff bei der Rettungsaktion gekentert, wären sie alle gestorben."

Auf Kritik, die Flüchtlingsrettung im Mittelmeer könne nicht Privatinitiativen überlassen werden, reagiert Xuereb gelassen. "Wir wissen, dass unsere Arbeit keine Lösung für das Migrationsproblem ist. In erster Linie retten wir aber Personen, die in Seenot geraten sind. Wenn ein Mensch schwer gefährdet ist, ist das, was er vorher gemacht hat oder anschließend tun wird, für uns irrelevant. Unser privater Verein will andere ermutigen, das Problem der Migration und des Menschenhandels anzupacken. Sicherlich ist das die Aufgabe der Europäischen Union und der Regierungen. Doch die Zivilgesellschaft und humanitäre Organisationen müssen dabei helfen und unterstützen", meint Xuereb.

Hightech aus Österreich

Die MOAS-Initiative setzt auf hochinnovative Technologie aus Österreich: Zwei Drohnen des niederösterreichischen Hightech-Unternehmens Schiebel werden bei der Flüchtlingssuche eingesetzt. Bis zu zehn Stunden können die Drohnen in der Luft bleiben und ein Gebiet mit einem Durchmesser von 400 Kilometern überwachen. Entdeckt ein "Camcopter" ein Flüchtlingsboot, leitet die Phoenix die Information an Behörden weiter und bemüht sich selbst um Hilfe. "Drohnen sind eine riesige Hilfe für uns. Sie können einen großen Meeresabschnitt überwachen. Damit können wir Migranten in Not sehr rasch Hilfe leisten. Die Zeit, in der sie im Meer bleiben, reduziert sich damit stark", berichtet Xuereb.

Niederösterreich auf hoher See: Eine Drohne der Firma Schiebel im Einsatz für "MOAS".

Bis Oktober läuft die MOAS-Mission im Mittelmeer. Sie kostet 400.000 Euro im Monat. Zu viel, um das dauerhaft aus der Familienkasse des Ehepaares Catrambone zu finanzieren. Die Catrambones haben deshalb einen Spendenaufruf gestartet. Per Crowdfunding über das Internet möchten sie weitere Finanzierungsmittel eintreiben, um die Mission weiterzuführen. Bisher haben sie viel Unterstützung aus Österreich erhalten. "Österreicher zeigen große Sensibilität für unser Projekt. Sie haben ein offenes Herz für die Nöte der Migranten", meint Xuereb. Zu den Philanthropen, die die MOAS-Initiative unterstützen, zählt auch der deutsche Unternehmer Jürgen Wagentrotz. Seine "Oil & Gas Invest AG" aus Frankfurt unterstützt die MOAS-Initiative mit Spenden und Treibstofflieferungen.

Das Ehepaar Catrambone hofft auf weitere Hilfe, um die MOAS-Initiative fortsetzen zu können. "Während die Zivilgesellschaft nur danebensteht und über die Not und das Leid der Flüchtlinge klagt oder schreibt, hat das Ehepaar Catrambone sein Geld benützt und sich für die schiffbrüchigen Flüchtlinge engagiert, ein Beispiel für uns alle", meint Xuereb.

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