Obama öffnet sich für Kuba: ein Blick ins Geschichtsbuch

Obama öffnet sich für Kuba: ein Blick ins Geschichtsbuch

Raul Castro und Barack Obama: Ein Handshake, der Geschichte schreibt.

Der Friedensnobelpreisträger Barack Obama versucht seit Beginn seiner Amtszeit, die Beziehungen zu Kuba zu verbessern - trotz Gegenwind von Seiten der Republikaner. Nun merken Kritiker an, dass eine Öffnung des Handels nicht zwingend mehr Freiheit für die Bevölkerung bedeutet.

Barack Obama wurde 1961 geboren. Im selben Jahr kappten die USA auf einem Höhepunkt des Kalten Krieges die diplomatischen Beziehungen zur sozialistischen Karibik-Insel Kuba. Mehr als ein halbes Jahrhundert später hat Obama als US-Präsident der Ära der Feindschaft und Funkstille zwischen Nachbarn zumindest politisch ein Ende gesetzt: Seit Montag gibt es in Washington und Havanna wieder Botschaften.

Die Kubaner durften erstmals seit 54 Jahren an ihrer Vertretung in der 16. Straße Nordwest, die in Richtung Weißes Haus führt, die rot-weiß-blaue Flagge hissen. Trotz dieses Signals verrät anderes an diesem Tag, dass es noch Knackpunkte gibt: So ist ein US-Handelsembargo in wesentlichen Teilen weiter in Kraft. Und für die US-Botschaft in Havanna wurde noch kein Botschafter bestimmt. Oppositionelle Republikaner im Kongress haben gedroht, die Ernennung zu blockieren.

Gegenwind der Republikaner

Für Obama stand die Neuausrichtung der Kuba-Politik schon mit Beginn seiner ersten Amtszeit 2009 auf der Agenda. So hob er Reisebeschränkungen für Exil-Kubaner auf. Rund zwei Millionen von ihnen leben in den USA. Viele haben die arme Zuckerrohr-Insel, die lange von Revolutionsführer Fidel Castro (88) dominiert wurde, wegen der Einparteienherrschaft, wegen Unfreiheit und Verletzung der Menschenrechte verlassen - oft Richtung Florida.

Dann stockte der Prozess. Politikexperten nennen als Gründe unter anderem Wahlkampferwägungen und die Gegenwehr der Republikaner. Bei der Auseinandersetzung ging - und geht - es auch um die Frage, ob Washington Kuba durch die wirtschaftliche Blockade und die politische Isolation zum Wandel zwingen kann. Oder ob kritische Gespräche, die Förderung von Privatbetrieben, mehr Handel, der Aufbau des Internets und Reisefreiheit die richtigen Mittel sind.

Politik der Isolation ist gescheitert

Obama und seine demokratische Regierung argumentieren, dass fünf Jahrzehnte Isolationspolitik gescheitert seien. "Kuba wird heute weiter von den Castros und der Kommunistischen Partei regiert, die vor einem halben Jahrhundert an die Macht kam", sagte der Präsident Ende 2014. Damals kündigten er und Kubas Staatschef Raul Castro (84), der Bruder Fidels, ihre Absicht zum Neustart an.

Auch der deutsche Kuba-Experte Bert Hoffmann vom GIGA Institut für Lateinamerika-Studien urteilt: Die Sanktionspolitik habe die Interessen von US-Firmen geschädigt und die Reisefreiheit eingeschränkt. Außerdem freuen sich auch in Kuba viele auf mehr Geschäfte mit US-Touristen, die etwa wegen der "Buena Vista Social Club"-Musik und der Oldtimer anreisen.

Mehr Handel = mehr Freiheit?

"Der Druck der US-amerikanischen Wirtschaft auf eine weitere Aushöhlung oder die völlige Aufhebung der Sanktionen gegen Kuba wächst spürbar", schrieb Hoffmann.

Doch dafür, für Gesetze zum Ende des Embargos, braucht Obama den Kongress. Dieser wird von der Opposition beherrscht. Vor der Präsidentenwahl 2016 könnte das deshalb schwierig werden. Marco Rubio, Anwärter der Republikaner für die Präsidentschafts-Kandidatur, macht unvermindert Druck.

Er stammt aus einer kubanischen Familie und schrieb kürzlich in der "New York Times": "Kein kommunistischer Polizeistaat hat je seine Faust geöffnet, nur weil McDonald's aufmacht oder eine Botschaft eingerichtet worden ist." Rubio, der für den nur rund 100 Kilometer von Kuba entfernten US-Staat Florida im US-Senat sitzt, verweist wie andere Obama-Gegner auf China, wo mehr Handel auch nicht mehr Freiheit bedeute. Gerade älteren Exil-Kubanern fällt es zudem schwer, ihre oft harte Geschichte bei Seite zu schieben.

Gerechtfertigter Nobelpreis oder lahme Ente?

Zumal auch unabhängige Kuba-Kenner Zweifel hegen, ob Obamas neue Politik das Nachbarland wirklich nachhaltig verändern wird. Die Obama-Regierung ficht das offenbar wenig an: Außenminister John Kerry wollte am Montag mit seinem kubanischen Amtskollegen Bruno Rodriguez über offene Punkte auf dem Weg zur Normalisierung reden. "Wir wollen versuchen, was wir können, damit die Menschen in Kuba Anschluss ans Internet bekommen", beschrieb das State Department ein politisches Ziel.

Einem anderen Ziel scheint Obama durch den Kuba-Coup - auch in Verbindung mit dem jüngsten Iran-Deal - nach Einschätzung des Magazins "Politico" ein Stück näher gekommen zu sein: In seiner Restzeit im Weißen Haus nicht als amtsmüde "Lame Duck" (Lahme Ente) zu gelten, sondern in die Geschichtsbücher einzugehen mit "einer ganzen Seite - oder zumindest einem dicken, fetten Abschnitt".

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