Israel nimmt Abschied von Ariel Sharon

Israel nimmt Abschied von Ariel Sharon

Sharon, der wie kaum ein anderer israelischer Politiker polarisiert und zugleich die Geschicke des Landes bestimmt hatte, war am Samstag im Alter von 85 Jahren in Tel Aviv nach acht Jahren im Koma gestorben.

Am Montag ist eine Trauerfeuer in der Knesset vorgesehen, bevor Sharon am Nachmittag auf seiner Farm im Süden Israels mit militärischen Ehren beigesetzt wird. Zu den Trauerfeierlichkeiten werden Politiker aus aller Welt erwartet. Sie würdigten den ehemaligen Armeegeneral als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte Israels.

"Arik Sharon ist bereits vor acht Jahren von uns gegangen - jetzt nehmen wir wirklich Abschied von ihm", schrieb Justizministerin Zipi Livni in einem Nachruf am Sonntag. Sharon hatte auf dem Höhepunkt seiner Macht einen Schlaganfall erlitten und war ins Koma gefallen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte nach einer Schweigeminute des Kabinetts, Sharon habe "vor allem verstanden, dass unsere Existenz von unserer Fähigkeit abhängt, uns selbst zu schützen". Netanjahu, der derzeit unter Vermittlung der USA Friedensgespräche mit den Palästinensern führt, galt stets als Gegenspieler Sharons. So trat er als Finanzminister aus Protest gegen die Entscheidung des damaligen Ministerpräsidenten Sharon zum Rückzug Israels aus dem Gazastreifen zurück.

Der 1928 als Sohn weißrussischer Einwanderer geborene Sharon kämpfte in allen Kriegen seit der Staatsgründung Israels und ging daraus häufig als Sieger hervor. Nachdem er in verschiedenen Regierungsämtern den Bau jüdischer Siedlungen in den besetzten Gebieten massiv forciert hatte, vollzog er als Ministerpräsident eine Kehrtwende und forderte den einseitigen und bedingungslosen Rückzug aus dem Gazastreifen. Damit überwarf er sich mit seiner konservativen Likud-Partei, verließ sie und gründete 2005 die Kadima-Partei.

Präsident Schimon Peres würdigte seinen langjährigen Wegbegleiter als tapferen Soldaten und mutigen Staatsmann, der viel zur Sicherheit und zum Aufbau des israelischen Staates beigetragen habe. "Arik liebte sein Volk, und sein Volk liebte ihn."

Würdigung für Sharons Verdienste um Israel

Zu den Trauerfeiern werden unter anderem US-Vizepräsident Joe Biden, der internationale Nahost-Gesandte Tony Blair und der russische Außenminister Sergei Lawrow erwartet. Für die Bundesregierung nimmt Außenminister Frank-Walter Steinmeier teil. Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte vor allem Sharons Kehrtwende gegenüber den Palästinensern. Mit seiner mutigen Entscheidung, die israelischen Siedler aus dem Gazastreifen abzuziehen, habe Sharon einen "historischen Schritt auf dem Weg zu einem Ausgleich mit den Palästinensern und zu einer Zwei-Staaten-Lösung" getan.

Auch der britische Premierminister David Cameron und Frankreichs Präsident Francois Hollande hoben Sharons Verdienste auf dem Weg zu einer Aussöhnung mit den Palästinensern hervor. US-Präsident Barack Obama erklärte, die USA würden sich weiter intensiv für eine Zwei-Staaten-Lösung einsetzen. Zugleich bekräftigte er die Sicherheitsgarantie der USA für Israel.

Dagegen feierte die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen den Tod des einstigen Feldherrn. "Der Weggang dieses Tyrannen gibt uns mehr Vertrauen in den Sieg", sagte ein Hamas-Sprecher. Die Anhänger empfänden extreme Freude über den Tod dieses Kriminellen, dessen Hände mit Blut des palästinensischen Volkes beschmiert seien. Sharon wird von Arabern vor allem wegen eines Massakers verachtet, das christliche Milizen 1982 in libanesischen Flüchtlingslagern unter den Augen der israelischen Besatzer an Hunderten Zivilisten verübten. Sharon musste deswegen als Verteidigungsminister zurücktreten. Zudem gilt sein Besuch auf dem Tempelberg in Ost-Jerusalem im Jahr 2000 als Auslöser der zweiten Palästinenser-Intifada.

Die Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas erinnerte ebenfalls an Sharons gewaltsames Vorgehen gegen die Palästinenser. Ein führendes Mitglied würdigte jedoch zugleich das spätere Bestreben Sharons, dem palästinensischen Volk sein Land zu lassen.

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