Iran und Österreich: Jahrhundertealte Beziehungen

Der kommende Besuch von Bundespräsident Heinz Fischer mit einer Delegation aus namhaften Wirtschaftsvertretern im Iran unterstreicht einmal mehr die jahrhundertealten Beziehungen zwischen beiden Ländern, die alle Regimewechsel auf beiden Seiten überdauert haben. Ein Überblick.

Iran und Österreich: Jahrhundertealte Beziehungen

Zu den ersten politischen Kontakten war es gekommen, als in Persien Schah Ismail I. (1488-1524) 1501 die schiitische Safawiden-Dynastie begründete (bis 1722). Sein Reich hatte im Westen einen Feind, der auch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und an dessen Ostflanke die österreichischen Erblande schwer bedrängte: das Osmanische Reich. So waren Ismail und sein Nachfolger Tahmasp (1524-76) an einem antitürkischen Bündnis mit den Habsburgern interessiert. Zu einem definitiven Bündnis mit Kaiser Karl V. und Ferdinand kam es aber nicht.

Aus den habsburgischen Gebieten stammende Gesandte und Reisende, darunter auch Jesuitenmissionare, lieferten kulturhistorisch interessante Reiseberichte aus Persien. Zu erwähnen ist hier der Linzer Jesuitenpater Johann Grueber (1623-80), der über Persien, wo er von Schah Abbas II. empfangen wurde, nach China reiste. Grueber kehrte 1661-63 über Tibet (wo er als erster Europäer Lhasa sah), Nepal, Indien und Persien nach Europa zurück.

Persische Seide für Europa

1667 wurde in Wien die erste Orientalische Handelskompanie gegründet, von ihrer Niederlassung in Konstantinopel aus wurden Handelsverbindungen nach Persien geknüpft. Vor allem persische Seide war in Europa begehrt. Das Türkenjahr 1683 brachte ein Ende dieser Handelskompanie, ihre 1719 gegründete und unter Maria Theresia liquidierte Nachfolgerin unterhielt keine intensiven Beziehungen zu Persien.

Die 1754 in Wien gegründete "Orientalische Akademie" (eine Vorläuferin der heutigen Diplomatischen Akademie) zur Heranbildung sprachkundiger Beamter für Posten im Orient wurde auch zu einem Forschungs- und Übersetzungszentrum für Orientalistik, sie veröffentlichte auch Werke über persische Dichtung und Kultur. Josef Frh. von Hammer-Purgstall (1774-1856), der "Vater der Orientalistik", selbst Zögling der Akademie, sprach auch Persisch, obwohl er nie in Persien war. Sein bekanntestes Werk, die Übersetzung der Dichtungen von Hafis, haben Goethe zu seinem "West-östlichen Diwan" inspiriert.

Österreicher als Lehrkräfte in Persien

Nach 1830 kam der gebürtige Friulaner Franz Columbari nach Persien, er war der erste Österreicher im Dienst der persischen Armee, er war auch Wirtschaftsberater. Auch die Forschungs- und Reisetätigkeit von Österreichern in Persien setzte um diese Zeit ein. Die bekannte Weltreisende Ida Pfeiffer (1797-1858) hielt sich 1848 kurz in Persien auf, als erste Europäerin hat sie das Zagros-Gebirge zu Pferd überquert. Der Botaniker Theodor Kotschy bestieg als erster Ausländer Persiens höchsten Berg, den 5670 Meter hohen Demavend.

Dem seit 1848 regierenden Naser-ed-Din Schah (ermordet 1896) stand in den ersten Jahren der reformfreudige Großwesir Mirza Amir Kabir zur Seite, er beschloss die Gründung eines Polytechnikums zur Ausbildung nach modernen wissenschaftlichen Methoden, Österreicher sollten die Lehrkräfte sein. Am erfolgreichsten war August Krziz, der die persische Artillerie reformierte, 1854 die Telegrafie im Land einführte, wichtige trigonometrische Vermessungen vornahm und auch den ersten Plan von Teheran und Umgebung zeichnete. Der Arzt Jacob Eduard Polak legte den Grundstein für die moderne medizinische Entwicklung in Persien, eine Zeit lang war er auch Leibarzt und Vertrauter des Schah.

1857 wurde ein "Freundschafts- Handels- und Schiffahrtsvertrag", der erste völkerrechtliche Vertrag zwischen Österreich und Persien, unterzeichnet. 1872 wurden diplomatische Beziehungen zwischen beiden Ländern aufgenommen worden, erster österreichischer Gesandter in Teheran war Viktor Graf Dubsky, ein Stiefbruder der Dichterin Marie Ebner von Eschenbach. Naser-ed-Din Schahs Europareise führte ihn auch nach Österreich-Ungarn, er besuchte auch die Wiener Weltausstellung. Er und sein Gefolge residierten in Schloss Laxenburg südlich von Wien, was sie dort trieben, steht an prominenter Stelle der damaligen Chronique Scandaleuse und wurde von der Wiener Boulevardpresse genüsslich ausgeschlachtet.

Ein Österreicher als erster europäischer "Khan"

Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts waren die große Zeit österreichischer Experten in Persien, der prominenteste war der Tiroler Albert Josef Gasteiger (1823-90),der 1860-74 und 1878-88 in persischen Diensten stand. Vor allem seine Straßenbauten begründeten seinen Ruhm, sie sollten für den innerpersischen Verkehr größte Bedeutung erlangen.

Als erstem Europäer wurde ihm der Titel "Khan" verliehen (später erhielt diesen Titel auch der österreichische Artillerieinstruktor Carl Wagner von Wetterstädt - "Wagner Khan").

Seit 1874 waren Österreicher mit der Reorganisation des Post- und Münzwesens im Lande beschäftigt. Der Linzer Gustav Riederer wurde 1876 erster Generalpostmeister Persiens, später hatte das Land in Maximilian von Wedel einen weiteren Österreicher in dieser Funktion. Auf Riederers Initiative wurden für lange Zeit persische Briefmarken in der Staatsdruckerei in Wien gedruckt, als Ergebnis seiner Bemühungen trat Persien 1877 auch dem Weltpostverein bei. Franz Pechan nahm sich der Münzreform an.

Feindbild Russland, Feindbild England

Das erste Viertel des 20. Jhdts. verlief für Persien turbulent, im Inneren wurden die Zustände immer anarchischer, nach außen die Abhängigkeit von Russland und England immer drückender, 1907 teilten diese Mächte Persien in Interessensgebiete auf. Dies hob die Sympathien der Perser für Deutschland und Österreich-Ungarn.

Die nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg 1918 entstandene Republik Österreich entsandte vorerst keinen Gesandten nach Persien, Norwegen nahm einige Jahre Österreichs Interessen dort wahr. Zur Organisation der neuen persischen Nationalbank (Bank-e-Melli-Iran) wurden u.a. auch österreichische Finanzexperten herangezogen, einer von ihnen, der Vater der bekannten Schauspielerin Käthe Gold, war sogar eine Zeit ihr Direktor, auch in den Provinzen gab es österreichische Filialleiter.

Fachkräfte für den Iran

Die 30-iger Jahre sahen ein Anwachsen der österreichischen Kolonie in Persien: Arbeitslosigkeit und die politische Entwicklung in Mitteleuropa hatte manche zur Emigration gezwungen, es lockte auch das Arbeitsangebot für qualifizierte Fachkräfte im Iran, wie das Land seit 1935 hieß. Dort war Reza Khan, der einst als Unteroffizier Wachsoldat vor der österreichischen Gesandtschaft war, 1921 durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen und war 1925 zum Herrscher proklamiert worden. In der Folge hatte er eine konsequente Reformpolitik eingeleitet. Österreichische Expeditionen im Iran, vor allem auf den Gebieten Geografie und Geologie kamen wieder in Gang, zu nennen wären hier die Experten Alfons Gabriel und Hans Bobek. Österreichische Arbeiter und Ingenieure beteiligten sich am Bau der transiranischen Eisenbahn (1927-39), vor allem bei den Bergstrecken kam österreichisches Know-how zum Zug. Vermehrt kamen persische Studenten nach Österreich, der gegenseitige Handel dagegen hielt sich in bescheidenen Rahmen.

Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurden die Konsulate in Wien bzw. Teheran geschlossen, aus den im Iran lebenden Österreichern wurden Angehörige der dortigen deutschen Kolonie. Trotz der iranischen Neutralitätserklärung lagen die Sympathien von Reza Schah aufseiten der Achsenmächte Nazi-Deutschland, Italien und Japan. 1941 marschierten deshalb die Alliierten im Iran ein und erzwangen die Abdankung Reza Schahs zugunsten seines Sohnes Mohammad Reza Pahlavi.

Österreich baut Industrie und Verkehr im Iran aus

Nach 1945 wurden die österreichisch-iranischen Kontakte relativ rasch wiederhergestellt, aber erst 1960 wurden die diplomatischen Vertretungen beider Länder in den Rang von Botschaften erhoben. Seit 1958 gibt es in Teheran eine Außenhandelsstelle und ein Österreichisches Kulturinstitut. Seit den 50-iger Jahren verzeichnete man einen starken Zustrom iranischer Studenten an österreichische Universitäten und Hochschulen, vor allem naturwissenschaftliche (besonders Medizin und Pharmazie) und technische Fächer wurden von ihnen belegt.

Österreichs Wirtschaft engagierte sich ab dem Ende der 50-er Jahre immer stärker beim industriellen Aufbau und der verkehrsmäßigen Erschließung im Iran, Wirtschaftsmissionen gaben sich zeitweise die Türklinke in die Hand. Als Folge des Ölschocks 1973 stiegen die Öleinnahmen des Iran gewaltig an, die Handelsbeziehungen zwischen Österreich und dem Iran erfuhren einen derartigen Aufschwung, dass der Iran (nach den USA) zum zweitwichtigsten Handelspartner Österreichs in Übersee und zum wichtigsten in Asien wurde.

Die engen Beziehungen wurden durch eine rege Besuchsdiplomatie unterstrichen. 1958 besuchte Außenminister Leopold Figl den Iran, 1960 kam Schah Mohammad Reza Pahlavi zu einem Staatsbesuch nach Österreich, der von Bundespräsident Franz Jonas 1968 erwidert wurde. Der Schah kam öfters auch zu privaten Aufenthalten nach Österreich, um sich ärztlich behandeln zu lassen. 1974 besuchte Bundeskanzler Bruno Kreisky Teheran, 1975 Außenminister Erich Bielka, 1976 Bundespräsident Rudolf Kirchschläger, daneben gab es zahlreiche gegenseitige Besuche von Fachministern.

Mord in Wien

Seit der Islamischen Revolution im Iran 1979 gingen die Kontakte zwischen Österreich und dem Iran zurück. Einen Tiefpunkt erreichten die Beziehungen 1989, als in einer Wiener Privatwohnung der Chef der Kurdischen Demokratischen Partei/Iran, Abdul Rahman Ghassemlou, sein Stellvertreter Abdullah Ghaderi-Azar und der in Österreich eingebürgerte Kurde Fadel Rasoul bei einem Geheimtreffen mutmaßlich von Emissären der Teheraner Führung ermordet wurden.

Die Wende kam 1991, als der damalige Bundespräsident Kurt Waldheim als erstes westliches Staatsoberhaupt seit 1979 die Islamische Republik besuchte. 1999 kam Thomas Klestil als erster Präsident eines EU-Landes nach Teheran, 2004 absolvierte er einen Staatsbesuch. Auch der als Reformer angetretene iranische Präsident Mohammad Khatami war öfters in Österreich. Unter dem Hardliner-Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad kühlte sich das Verhältnis wieder ab. Nachdem am 14. Juli der Iran das Atomabkommen mit den fünf UNO-Vetomächten und Deutschland abgeschlossen hatte, nahm Bundespräsident Heinz Fischer als erstes Staatsoberhaupt eines EU-Landes die Einladung des iranischen Präsidenten Hassan Rohani zu einem Besuch in Teheran an.

Weiterlesen: Der Fahrplan für den Abbau der Sanktionen und Österreichs Geschäftschancen im Iran - die Zukunft der jahrhundertealten Beziehungen.

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