Iran feiert nach dem Atom-Deal ein Comeback

Iran feiert nach dem Atom-Deal ein Comeback

Nach Abschluss des Atom-Deals reisen nun Staatsoberhäupter und Unternehmen in den Iran, wo sie das große Geschäft wittern. Doch wo gehobelt wird, da fallen Späne: Gegen manche Kooperationen wird in Teheran lautstark protestiert.

EU-Spitzendiplomaten geben sich derzeit im Iran die Türklinke in die Hand. Nach dem deutschen Vizekanzler Sigmar Gabriel, der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini und dem französischen Außenminister Laurent Fabius ist derzeit Londons Chefdiplomat Philip Hammond vor Ort. Der Iran ist nach dem Atom-Deal vom 14. Juli dabei, ein Comeback auf dem internationalen Parkett zu feiern.

Neue Geschäftschancen ergeben sich

Nach Jahren der politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Isolation des schiitischen Golfstaates wollen die Europäer wieder am iranischen Markt investieren. Hammond, der am Sonntag die britische Vertretung in der Islamischen Republik wiedereröffnet hatte, traf am heutigen Montag mit Präsident Hassan Rohani zusammen.

Im Mittelpunkt des Besuchs steht aber natürlich auch eine Wiederaufnahme der zuletzt auf Eis stehenden britisch-iranischen Handelsbeziehungen. Großbritannien will hierbei Italien und Frankreich um nichts nachstehen. In wenigen Tagen reist eine große französische Wirtschaftsdelegation nach Teheran, eine italienische Delegation unter dem Vorsitz von Außenminister Paolo Gentiloni war bereits im Iran, um die Wirtschaftsachse zwischen Rom und Teheran zu forcieren.

Skepsis und Misstrauen

Die britisch-iranischen Beziehungen standen in den letzten Jahrzehnten unter keinem guten Stern. Skepsis und Misstrauen beherrschten die Atmosphäre. Auch die Wiedereröffnung war daher begleitet von Protesten der Hardliner, die "Tod England" schrien. Einige Demonstranten wurden am Sonntag von der Polizei inhaftiert.

Die britische Botschaft in Teheran war im November 2011 geschlossen worden, nachdem sie von regierungstreuen Demonstranten aus Protest gegen die Verschärfung der Sanktionen gestürmt worden war. Zuvor hatte das Majles (Parlament) für die Ausweisung des britischen Botschafters gestimmt. London warf der Regierung vor, die Stürmung der Botschaft toleriert zu haben. Danach schlossen London und Teheran ihre jeweiligen Botschaften.

Auch Fischer reist mit Unternehmen nach Teheran

Auch für österreichische Unternehmen sollten sich in den kommenden Jahren Geschäftschancen ergeben. Bundespräsident Heinz Fischer wird von 7. bis 9. September gemeinsam mit einer großen Wirtschaftsdelegation und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner sowie Außenminister Sebastian Kurz (beide ÖVP) zu einem Arbeitsbesuch erwartet. Er ist übrigens das erste EU-Staatsoberhaupt seit 2004, das Teheran besucht. 2004 war mit Thomas Klestil ebenfalls ein österreichisches Staatsoberhaupt im Golfstaat.

Für den iranischen Präsidenten Rohani bedeuten diese vielen hochrangigen Besuche nach dem Atom-Deal nicht nur eine außenpolitische Stärkung des Iran, sondern in Hinblick auf die Parlaments- und Expertenratswahlen 2016 auch einen innenpolitischen Auftrieb für die moderaten Kräfte.

Die Hardliner sehen ihre Mehrheit im Parlament und im gesamten System gefährdet und werden alles versuchen, um die Erfolgswelle Rohanis zu bremsen.

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