Die wirtschaftlichen Gründe hinter Frankreichs Rechtsruck

Die wirtschaftlichen Gründe hinter Frankreichs Rechtsruck

Der Siegeszug von Marine LePens Front National hat auch wirtschaftliche Gründe: Die Arbeitslosigkeit ist hoch, das Wachstum ist schwach und in globalen Rankings rutscht Frankreich ab. Ein Überblick.

Der Erfolg des rechtsextremen Front National (FN) bei den Regionalwahlen in Frankreich hat auch ökonomische Ursachen. Denn die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone dümpelt seit Jahren vor sich hin - und dürfte dies auch im Jahr der Präsidentschaftswahl 2017 tun. Ein Überblick:

1. ARBEITSLOSIGKEIT AUF REKORDNIVEAU

Vom Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 hat sich der Arbeitsmarkt bis heute nicht erholt. Im dritten Quartal lag die Erwerbslosenquote mit 10,6 Prozent auf dem höchsten Stand seit 1997. "In Frankreich ist weiterhin keine Erholung zu beobachten", befürchten die Wirtschaftsweisen in ihrem Gutachten für die Bundesregierung. Ihren Prognosen zufolge wird die Quote im kommenden Jahr auf 10,7 Prozent steigen. Die EU-Kommission geht davon aus, dass sie in Frankreich auch 2017 über der Zehn-Prozent-Marke liegen wird.

2. DE-INDUSTRIALISIERUNG

Ein Grund für die Probleme am Arbeitsmarkt ist die De-Industrialisierung. Die Industrie trägt in Frankreich inzwischen nur noch 11,2 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, nachdem es im Jahr 2000 noch knapp 16 Prozent waren. In Deutschland liegt der Anteil derzeit mit 22,6 Prozent mehr als doppelt so hoch und ist in den vergangenen 15 Jahren nahezu konstant geblieben. Frankreich profitierte deshalb in den vergangenen Jahren weit weniger vom Aufstieg der Schwellenländer. Zwar kann es mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder dem Atomkonzern Areva aufwarten, doch fehlt ein breiter und exportstarker Mittelstand.

3. SINKENDE WETTBEWERBSFÄHIGKEIT

Im weltweiten Standortvergleich des World Economic Forum (WEF) findet sich Frankreich nur auf Rang 23 wieder - Deutschland dagegen auf Platz fünf, die Schweiz auf dem ersten Platz und Österreich immerhin auf Platz 21. Als Problem wird beispielsweise die steigende Staatsverschuldung genannt. Sie schränkt die Möglichkeiten des Staates ein, steuerliche Anreize für Investitionen zu setzen. Der Standort ist zudem teuer: Eine Arbeitsstunde kostet private Arbeitgeber durchschnittlich 35,00 Euro. In der besonders stark dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten Industrie sind es sogar 36,70 Euro. In der EU sind die Kosten nur in Schweden, Belgien und Dänemark höher.

4. SCHWACHES WACHSTUM

Zwischen 1996 und 2011 schaffte Frankreich ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent, während Deutschland nur auf 1,4 Prozent kam. Doch von diesem Tempo ist der Nachbar zuletzt weit entfernt gewesen: 2014 reichte es gerade zu einem Mini-Plus von 0,2 Prozent, in diesem Jahr sollen es 1,2 Prozent sein. Die französische Notenbank senkte gerade erst ihre Wachstumsprognosen für 2016 auf 1,4 und für das Präsidentschaftswahljahr 2017 auf 1,6 Prozent.

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