3 mögliche Szenarien: So reagieren die Märkte auf die Griechenland-Wahl

3 mögliche Szenarien: So reagieren die Märkte auf die Griechenland-Wahl

In jüngsten Umfragen liegt die reformkritische Oppositionspartei Syriza 3,5 Prozentpunkte vor den Konservativen von Ministerpräsident Antonis Samaras. Was passiert, wenn sie die Wahl am 25.1. gewinnt?

Durch die vorgezogenen Neuwahlen in Griechenland ist das Wort Euro-Krise wieder in aller Munde. Anleger fürchten, dass ein Wahlsieg der reformkritischen Oppositionspartei Syriza am 25. Januar die Märkte ordentlich durchschütteln könnte. In jüngsten Umfragen liegt sie 3,5 Prozentpunkte vor den Konservativen von Ministerpräsident Antonis Samaras. Syriza-Chef Alexis Tsipras hat mehrfach angekündigt, den bisherigen Sparkurs zu lockern und mit den internationalen Geldgebern über einen weitreichenden Schuldenerlass verhandeln zu wollen. Mit einer Rekordverschuldung von über 170 Prozent der Wirtschaftsleistung läuft Griechenland daher Gefahr, wieder ins Taumeln zu geraten. Auch ein Ausscheiden aus der Währungsunion ("Grexit") wurde zuletzt wieder verstärkt diskutiert. Es folgt ein Überblick über die wahrscheinlichen Markt-Reaktionen auf verschiedene Szenarien zum Ausgang der Wahl:

SYRIZA GEWINNT DIE GRIECHENLAND-WAHL

Sollte die Syriza bei der Wahl tatsächlich stärkste Kraft werden, dürfte das an den Märkten zunächst einmal für deutliche Abschläge sorgen. In diesem Fall wäre es unklar, wie es mit Griechenland weitergehe, erläutern Börsianer. Einen Kurssturz beim Dax oder Euro erwarten die meisten Experten aber nicht, weil sie davon ausgehen, dass die Syriza-Partei nicht dauerhaft auf Konfrontationskurs mit den internationalen Geldgebern gehen wird. "Syriza bräuchte vermutlich einen Koalitionspartner, der dann mäßigend eingreifen dürfte", sagt Kapitalmarkt-Experte Fidel Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser.

Die Analysten der Commerzbank gehen davon aus, dass Athen kein Interesse daran hat, die Unterstützung der EU zu verlieren und daher auch ein Ausscheiden aus der Euro-Zone eher unwahrscheinlich sei. Auch die Geberländer sollten sich den Experten zufolge kompromissbereit zeigen, "weil sie ihren Wählern nicht erklären wollen, dass die Hilfskredite an Griechenland im Fall eines Austritts aus der Währungsunion verloren sind". Athen wird seit 2010 mit Rettungsprogrammen in Höhe von 240 Milliarden Euro von den EU-Staaten und dem Internationalen Währungsfonds über Wasser gehalten.

SAMARAS GEWINNT DIE GRIECHENLAND-WAHL

Im Falle eines Wahlsiegs von Ministerpräsident Antonis Samaras dürfte es nach Einschätzung von FXCM-Analyst Jens Klatt zumindest kurzfristig zu einer Erleichterungsrally im Dax kommen, weil die Gefahr eines Ausscheidens Griechenlands aus der Euro-Zone erst einmal gebannt schiene. Finanzmarkt-Experte Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co hält ein Kursplus der europäischen Börsen von bis zu drei Prozent für wahrscheinlich. Seit Jahresbeginn kommen Dax und EuroStoxx50 bislang auf ein Plus von 2,3 beziehungsweise 0,3 Prozent. Auch der Euro, der unter der ultralockeren Geldpolitik der EZB leidet, könnte zu einer leichten Erholung ansetzen. Die Gemeinschaftswährung fiel mit 1,1567 Dollar zuletzt auf den tiefsten Stand seit elf Jahren. Anleger rechnen damit, dass die EZB auf der geldpolitischen Ratssitzung nächsten Donnerstag den Ankauf von Staatsanleihen ankündigen wird, um gegen die Wirtschaftsflaute und den Preisverfall im Euroraum anzugehen.

PATT UND BALDIGE NEUWAHLEN

Ein Patt und die Aussicht auf baldige Neuwahlen dürfte unter Anlegern laut Händlern nicht gerade für Freudensprünge sorgen - insofern dürfte auch ein solches Ergebnis den Dax- und Eurokurs eher drücken. "Börsen hassen nichts mehr als Unsicherheit", sagt Helmer von Hauck & Aufhäuser. Einige Beobachter befürchten zudem, dass dem griechischen Staat bei einer langwierigen Regierungsbildung mit erneuten Wahlen das Geld ausgeht. Denn solange keine handlungsfähige Regierung im Amt ist, wird es wohl keine frischen Hilfsgelder geben, prognostizieren die Analysten der Commerzbank. Kurzfristig pleitegehen dürfte der griechische Staat ihrer Einschätzung nach aber dennoch nicht. In den ersten drei Monaten des Jahres seien die Ausgaben in etwa durch die laufenden Einnahmen gedeckt. Die Mittel für die im ersten Quartal zu leistenden Zinszahlungen und Tilgungen dürfte der griechische Finanzminister ebenfalls zusammenkratzen können. "Die dann noch fehlenden Mittel kann er sich sicherlich am Geldmarkt und bei den griechischen Banken leihen. Im Notfall wird er die Begleichung von laufenden Rechnungen hinauszögern."

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