Griechenland: Eurogruppe findet keine Lösung, warten auf Samstag

Griechenland: Eurogruppe findet keine Lösung, warten auf Samstag
Griechenland: Eurogruppe findet keine Lösung, warten auf Samstag

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem und der griechische Finanzminister Janis Varoufakis: Noch ist nicht aller Tage Abend

Die Sitzung der Euro-Finanzminister wurde am Donnerstag in Brüssel ohne Einigung beendet. Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling verließ das Treffen wortlos. Die Eurogruppe soll nach dem neuerlichen Scheitern auf der Suche nach einer Lösung für Griechenland am Samstag neuerlich zusammentreten.

Nach etwa zweieinhalbstündiger Sondersitzung der Eurogruppe zu Griechenland verließ Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling Donnerstag Nachmittag wortlos das Tagungsgebäude in Brüssel. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem erklärte lediglich, Athen könne ja noch weitere Vorschläge bringen. Eine Einigung steht damit weiterhin nicht vor der Tür. Die Eurogruppe wird nach dem neuerlichen Scheitern auf der Suche nach einer Lösung für Griechenland offenbar am Samstag neuerlich zusammentreten.

Die Griechen haben damit noch fast zwei Tage Zeit, neue Vorschläge vorzulegen, die die Institutionen auch akzeptieren. Wenn dies der Fall ist, könnte die Samstag-Sitzung der Eurogruppe doch noch von Erfolg gekrönt sein und eine Einigung erzielt werden. Das Rettungsprogramm für Griechenland, das bereits zweimal verlängert wurde und Ende Juni ausläuft, könnte dann verlängert werden.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras rechnet noch mit einer Einigung im Schuldenstreit: "Die europäische Geschichte ist voller Meinungsverschiedenheiten, Verhandlungen und dann Kompromissen. Nach den umfassenden griechischen Vorschlägen bin ich zuversichtlich, dass wir einen Kompromiss finden, der der Eurozone und Griechenland bei der Überwindung der Krise hilft."

Grexit hat den Schrecken verloren

Mittlerweile sieht Europas Finanzwelt ein allfälliges Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone auch gar nicht mehr so kritisch. Den Bankern bereitet etwa ein möglicher EU-Austritt Großbritanniens deutlich mehr Sorgen. "Die Frage, ob Großbritannien in Europa bleiben wird, ist viel wichtiger als die Frage, ob Griechenland im Euro bleibt", sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing am Donnerstag auf dem Europatreffen des Internationalen Bankenverbandes IIF in Frankfurt.

Der britische Premierminister David Cameron hat versprochen, das Volk bis Ende 2017 über einen Verbleib des Landes in der Europäischen Union (EU) abstimmen zu lassen, und will vorher das Verhältnis mit Brüssel neu aushandeln. Die britische Hauptstadt London ist der mit Abstand größte Finanzplatz in Europa und eines der globalen Zentren des Devisenhandels.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker will dennoch "bis zur letzten Minute, Sekunde, Millisekunde arbeiten, damit das Euro-Projekt nicht abstirbt." Angesichts einiger pessimistischer Stimmen, die nach Vorbereitungen für den Fall eines Scheiterns rufen, sagte Juncker: "Ich bin nicht in dem Szenario, in dem andere schon sein mögen, ich tue zuerst meine Aufgabe."

Differenzen bestehen weiter

"Es gibt eher eine größere Differenz als eine Annäherung", sagte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. Fortschritte seien in den separat geführten Verhandlungen zwischen den Geldgebern und dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras kaum erreicht worden. Schäuble mahnte: "Die Entscheidung liegt ausschließlich bei den Verantwortlichen in Griechenland."

Ein Reform- und Sparpaket galt als Voraussetzung für die Auszahlung von 7,2 Mrd. Euro blockierten Hilfen. Das von der Pleite bedrohte Griechenland braucht dringend frische Milliarden. Am 30. Juni läuft das bereits zweimal verlängerte Hilfsprogramm der Europäer für Athen aus.

Der EZB-Rat gab indessen am Donnerstag grünes Licht für die weitere Vergabe von Notkrediten an die Banken Griechenlands.

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