Griechenland: Alexis Tsipras zurückgetreten, Neuwahl im September

Griechenland: Alexis Tsipras zurückgetreten, Neuwahl im September
Griechenland: Alexis Tsipras zurückgetreten, Neuwahl im September

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras ist zurückgetreten. Bei der Neuwahl im September hofft er auf ein starkes Mandat.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras ist am Tag nach der Einigung mit der Eurogruppe auf ein drittes Griechenland-Hilfspaket zurückgetreten. Die Neuwahlen könnten am 20. September stattfinden. Tsipras will sich wieder der Wahl stellen und hofft auf ein "starkes Mandat".

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras ist zurückgetreten und will damit den Weg für zügige Neuwahlen ebnen. Dies sagte der Chef des Linksbündnisses Syriza am Donnerstag in einer Fernsehansprache. Wahrscheinlicher Wahltermin ist der 20. September, wie Regierungskreise mitteilten. Tsipras hat seit Jänner in einer Koalition mit der rechtspopulistischen Anel-Partei die Regierung geführt.

Staatspräsidenten Prokopis Pavlopoulos nahm das Rücktrittsgesuch am Abend an. Gemäß der Verfassung übernimmt nun eine Interimsregierung unter Leitung eines der höchsten Richter die Amtsgeschäfte bis zu den Wahlen. Pavlopoulos erteilte zudem dem Chef der zweitstärksten Fraktion im Parlament, der konservativen Nea Dimokratia (ND), ein Sondierungsmandat zur Bildung einer neuen Regierung - was als wenig aussichtsreich gilt.

Tsipras strebt bei den Neuwahlen nach eigenen Worten ein neues, "starkes" Regierungsmandat an: Jetzt, wo das neue milliardenschwere Hilfspaket unter Dach und Fach sei, wolle er gestärkt mit den internationalen Geldgebern über eine Umstrukturierung des Schuldenbergs verhandeln. Zudem verfolgt er aus Sicht von Beobachtern auch das Ziel, mit den rund 40 Abweichlern in seiner Syriza-Fraktion abzurechnen, die sich bei Parlamentsabstimmungen über Spar- und Reformauflagen mehrfach gegen seinen Kurs gestellt hatten.

An die Bürger gewandt sagte der Linkspolitiker: "Sie mit Ihrer Stimme werden entscheiden, ob wir das Land mit der notwendigen Entschlossenheit vertreten haben." Er fügte an: "Ich fühle die tiefe moralische und politische Verantwortung, Sie nun politisch bewerten zu lassen, was ich gemacht habe - das Richtige und die Fehler, die Erfolge und die Versäumnisse."

Alte Rechnungen beglichen

Zuvor hatte Griechenland die ersten 13 Milliarden Euro aus dem dritten Hilfsprogramm der Euro-Partner erhalten und damit Schulden in Höhe von 3,4 Milliarden Euro bei der Europäischen Zentralbank (EZB) beglichen. Das Gesamtvolumen des Paktes beträgt bis 86 Milliarden Euro.

Der Chef der Nea Dimokratia, Evangelos Meimarakis, erklärte, er nehme das auf drei Tage befristete Mandat zur Regierungsbildung an und versuche zu sondieren, ob es eine alternative Möglichkeit gibt, eine Regierung zu bilden.

Tsipras sieht dazu keine Möglichkeit. "Es gibt keine Voraussetzungen für die Bildung einer anderen Regierung - auch nicht durch die Bildung einer breiteren Regierung mit anderen Parteien", sagte er. Weder er noch der Staatspräsident nannten ein Datum für den Urnengang. Als wahrscheinlich gilt aber der 20. September, wie es aus Regierungskreisen hieß.

Derartige "Blitzwahlen" - wie sie ein Teil der griechischen Presse mittlerweile nennt - würden wohl keine Konsequenzen für das Sparprogramm haben. In Athen hieß es aus gut informierten Kreisen der Regierungspartei, Tsipras habe dafür bereits das grüne Licht der Gläubiger erhalten.

Syriza könnte sich aufspalten

Der linke Flügel der griechischen Syriza-Partei entscheidet an diesem Freitag, wie er auf den Rücktritt ihres Regierungschefs Alexis Tsipras und dessen Streben nach Neuwahlen reagiert. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus Kreisen des linken Syriza-Flügels erfuhr, gibt es ernsthafte Überlegungen, eine eigene Partei als "Front gegen die Sparpolitik" zu gründen.

Diese Bewegung werde sich als politischer Arm der fast 62 Prozent der Griechen verstehen, die beim Referendum über das Sparprogramm am 5. Juli mit "Nein" gestimmt hatten. Dieses Projekt werde aber absehbar große Schwierigkeiten haben, weil es an Geld fehle, hieß es aus Kreisen des Linksflügels weiter.

Aus Sicht der konservativen Zeitung "Kathimerini" lässt Tsipras wegen der Streitigkeiten in seiner Partei Syriza wählen. Er versuche, mit dem linken Parteiflügel abzurechnen. Gleichzeitig wolle er Wahlen, bevor die schmerzhaften Maßnahmen des neuen Sparprogramms griffen. Der griechischen Wirtschaft werde ein Schlag versetzt, heißt es weiter in der" Kathimerini".

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet von Griechenland unabhängig vom Ausgang der geplanten Neuwahlen die Einhaltung der versprochenen Reformen. "Getroffene Vereinbarungen gelten, auch über Wahltage hinaus", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

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