Gaza: Sieben Tage Krieg - 110 Tote - 200 verletzte Kinder

Gaza: Sieben Tage Krieg - 110 Tote - 200 verletzte Kinder

Auch am siebenten Tag in Folge gehen die israelischen Angriffe auf Ziele im Gazastreifen weiter, während aus dem Palästinensergebiet immer wieder Raketen auf Israel abgefeuert werden.

Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan meldete in der Nacht zum Dienstag schwere Explosionen aus dem gesamten Gazastreifen. Israelische Medien berichteten von anhaltendem Raketenbeschuss. Die diplomatischen Bemühungen um eine Waffenruhe und die Beendigung des Blutvergießen laufen unterdessen weiter auf Hochtouren.

Die USA verlegten drei Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer, um notfalls US-Bürger aus dem Krisengebiet in Sicherheit bringen zu können. Es handle sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, berichtete der US-Sender CNN.

Nach palästinensischen Angaben griffen israelische Kampfflugzeuge in der Nacht zum Dienstag unter anderem das Gebäude einer Bank in Gaza-Stadt an, über die die in dem Palästinensergebiet herrschende radikalislamische Hamas ihre Gehaltszahlungen abwickelt. Mehrere Verletzte seien anschließend in Krankenhäuser gebracht worden. Auch ein Regierungsgebäude und das Haus eines Milizenführers seien angegriffen worden, hieß es. Angriffe wurden auch aus Khan Younis im Süden des Gazastreifens gemeldet. Hier sei ein Wohngebiet beschossen worden. Die israelische Armee habe die Bewohner Gazas davor gewarnt, ihre Häuser zu verlassen.

Die Kassam-Brigaden, der militärische Arm der Hamas, gaben Maan zufolge an, allein am Montag mehr als 100 Raketen und Granaten auf israelisches Gebiet abgefeuert zu haben. Nach Berichten der israelischen Nachrichtenwebsite Ynet wurden insgesamt 135 Geschoße abgefeuert, von denen 67 auf israelischem Gebiet eingeschlagen seien. 42 weitere seien abgefangen und in der Luft zerstört worden. In der Nacht zum Dienstag schlug Ynet zufolge ein Geschoß in der Ortschaft Ofakim ein. In mehreren israelischen Ortschaften wurde Luftalarm gegeben. Berichte über Opfer oder Schäden gab es zunächst nicht.

Seit Beginn des blutigen Schlagabtauschs am vergangenen Mittwoch wurden nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums mindestens 107 Palästinenser getötet. Mehr als 800 weitere seien verletzt worden. Etwa die Hälfte der Getöten seien Zivilisten, unter den Verletzten 200 Kinder. Auch drei Israelis starben.

US-Präsident Barack Obama sprach am Montag am Telefon erneut mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi sowie mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu über die Eskalation der Gewalt. Dabei habe er betont, dass der Raketenbeschuss Israels beendet werden müsse, teilte das Weiße Haus mit.

Zuvor war UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kairo eingetroffen, wo die Konfliktparteien unter ägyptischer Vermittlung über die Bedingungen für eine Einstellung der gegenseitigen Angriffe verhandeln. Nach einem Treffen mit Ban zeigte sich der ägyptische Außenminister Mohamed Amr zuversichtlich, in den "kommenden Tagen" Resultate vorweisen zu können.

Netanyahu versammelte am Montagabend seine engsten Minister um sich, um über den Fortgang der Militäroperation im Gazastreifen und eine mögliche Bodenoffensive zu beraten. Nach Angaben des israelischen Rundfunks sind bereits etwa 40.000 Reservisten einberufen worden.

In New York kam der UNO-Sicherheitsrat erneut zu kurzfristig einberufenen Beratungen über die Lage im Nahen Osten zusammen. Dabei sei das Gremium von der politischen Abteilung der Vereinten Nationen über die aktuelle Entwicklung informiert worden, sagte der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig im Anschluss. "Die Mitglieder haben sich dafür ausgesprochen, dass die gefährliche Situation so schnell wie möglich deeskaliert werden muss." Das Gremium arbeite derzeit an einer gemeinsamen Erklärung.

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