Europäische Drohnen für Europas Heere

Europäische Drohnen für Europas Heere

Vorerst ist das Projekt MALE2020 für Aufklärungsflüge gedacht, später wird man sie aber auch bewaffnen können. Noch herrscht keine Eile für die europäische Drohne - doch sie steht auf dem Fahrplan der deutschen Regierung.

Der Krieg der Zukunft wird mit dem Joystick ausgetragen – zumindest, wenn es nach der Vorstellung der Rüstungskonzerne geht: Drohnen, sogenannte „Unmanned Aerial Vehicle“ (UAV) sind Luftfahrzeuge, die für Militärschläge oder zur Aufklärung eingesetzt werden; gesteuert werden sie vom Boden aus, wodurch sich der Pilot keinem unnötigen Risiko an der Front aussetzt.

Gehörte das Geschäftsfeld bisher den USA, so wollen nun auch Europas Rüstungskonzerne mitspielen: Am Montag veröffentlichten die drei europäischen Konzerne Airbus, Dassault Aviation und Finmeccanica eine Presseaussendung, laut der sie an einem gemeinsamen europäischen Drohnenprojekt arbeiten. Bei dem MALE2020 genannten Vorhaben geht es nach Angaben der Firmen und des deutschen Verteidigungsministeriums um die Entwicklung einer Aufklärungsdrohne für eine mittlere Flughöhe mit langer Flugdauer, die ab dem Jahr 2020 einsatzbereit sein soll. In der weiteren Entwicklung soll es aber auch Optionen für eine Bewaffnung geben, heißt es aus dem deutschen Verteidigungsministerium. Pläne für das Drohnenprojekt wurden von den Konzernen bereits der französischen, der deutschen und der italienischen Regierung vorgelegt. „Etliche europäische Staaten haben den Bedarf an UAVs geäußert“, heißt es in der Presseaussendung. Auch der Europäische Verteidigungsgipfel im Dezember 2013 definiere dringenden Handlungsbedarf, schreiben die Unternehmen weiterhin: Die Entwicklung des MALE2020-Projekts sei Kernelement der europäischen Verteidigungspolitik.

Keine Eile in Afghanistan

Zumindest die Deutschen dürften mit dem Projekt aber keine Eile haben, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters: So könne etwa in Afghanistan noch bis 2015 die so genannte Heron-Drohne eingesetzt werden. Notfalls könne man den Vertrag zur Nutzung von Heron auch noch verlängern.

Die Aufklärungsdrohne Euro Hawk, die von Airbus und dem US-Konzern Northrop Grumman entwickelt wurde, war von dem damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maiziere vor einem Jahr wegen massiver Probleme gestoppt worden. Die große deutsche Koalition aus Union und SPD will sich aber laut Koalitionsvertrag für die Entwicklung einer europäischen Drohne einsetzen.

Sparen in Wien

In Österreich dürften die Finanzen bei der Anschaffung von Drohnen eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Das österreichische Sport- und Verteidigungsministerium muss im Jahr 2014 laut Verteidigungsminister Gerald Klug 45,4 Millionen Euro sparen – davon fallen 42,5 Millionen Euro auf den Bereich Landesverteidigung und 2,9 Millionen Euro auf den Sport. Am meisten wird beim Personal gekürzt: Hier werden insgesamt rund elf Millionen Euro eingespart, vorwiegend Kosten in der Verwaltung und Grundorganisation.

Rund 12,7 Millionen Euro spart das Heer aber auch bei Beschaffungen: Der Ersatz von Fahrzeugen (Pinzgauer und Puch G) wird auf zwei Tranchen aufgeteilt, was fünf Millionen Euro bringen soll. Rund sechs Millionen Euro bewältigt man, indem die Modernisierung - etwa im Sensorik-Bereich - der "Black Hawk"-Transporthubschrauber heuer nicht umgesetzt wird. Abgesagt wird außerdem der Ankauf von drei zusätzlichen "Black Hawks" und 36 Allschutztransportfahrzeugen "Dingo".

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