EU am Weg zur Abschaffung der Roaming-Gebühren

EU am Weg zur Abschaffung der Roaming-Gebühren

Selfies aus dem Urlaub lassen sich künftig ohne Zusatzkosten verschicken - aber das ist nur die eine Seite der Medaille, warnen Österreichs Mobilfunkbetreiber.

Die Zusatzkosten für Telefonieren, SMS und Surfen im EU-Ausland wurden in den vergangenen Jahren schrittweise gesenkt - künftig sollen sie komplett entfallen. Den Betreibern gefällt das freilich nicht: Sie warnen vor Jobabbau und der Erhöhung der Inlandsgebühren.

Es tut sich wieder etwas in Sachen Roaming: Die lettische EU-Ratspräsidentschaft hat hierfür das Mandat für die Verhandlungen mit dem Europaparlamant erhalten. Die EU-Staaten gaben prinzipiell grünes Licht, einerseits neue Regelungen zur Abschaffung der Roaminggebühren als auch zu einem sicheren offenen Internet-Zugang zu erarbeiten.

Die Vertreter der 28 EU-Staaten haben sich nun allerdings in Brüssel darauf geeinigt, Roaming-Gebühren für mobiles Telefonieren und Surfen im Ausland mit Einschränkungen vorerst mit Einschränkungen weiter zu erlauben. Für das Agreement wird allerdings die Zustimmung des Europaparlaments benötigt, das so wie die EU-Kommission die Abschaffung der Roaming-Gebühren bis Jahresende gefordert hatte.

Die europäischen Institutionen wollen EU-weit Roaminggebühren für Handytelefonate, -SMS und –Surfen abschaffen. Dem neuen Plan zufolge soll es möglich sein, bis zu einer noch zu definierenden Obergrenze im EU-Ausland telefonieren, SMS senden und im Internet surfen, ohne extra zu bezahlen. Nach einem Zeitraum von etwa drei Jahren solle die Kommission dann prüfen, ob eine völlige Abschaffung der Gebühren dann noch notwendig wäre. Ein entsprechendes Meeting des Rates für Transport, Telekommunikation und Energie ist für Donnerstag, den 5.3. angesetzt.

Obwohl es noch keine offizielle Bestätigung von EU-Seite für die kolportierten 2016-Pläne gibt, steigen Österreichs Mobilfunker prophylaktisch auf die Barrikaden – denn während sich Urlauber und Geschäftsreisende darauf freuen, in Zukunft EU-weit nicht mehr für Telefonate und Internetsurfen zu bezahlen als zuhause, beklagen die Unternehmen die „ständige Kursänderung“ der Politik. Brüssel nehme der Wirtschaft die Planungssicherheit weg, heißt es von der Industrie – Infrastrukturinvestitionen seien dadurch ebenso gefährdet wie Arbeitsplätze. Gefordert wird in einer Aussendung, die Abschaffung der Roaming-Gebühren auf frühestens 2018 zu verschieben; dadurch bekäme man ausreichend Vorbereitungszeit.

Budget für Breitband

Die Vorverlegung des Roaming-Aus würde jene Budgets dramatisch belasten, die es brauche, um den Breitbandausbau auf internationalem Niveau zu halten, heißt es etwa von Hannes Ametsreiter, CEO der Telekom Austria Group. Andreas Bierwirth, CEO von T-Mobile Österreich, pflichtet dem bei: Bestehende Geschäftsmodelle würden „ausgehöhlt“ – und das stehe im Gegensatz zur Digitalen Agenda der EU-Kommission, die den Ausbau der Netze fordere, um Europa wettbewerbsfähiger zu machen.

Jan Trionow, CEO von Hutchison Drei Austria, betont, dass die Pläne der EU einer direkten Festlegung der Endkundenpreise gleichkomme – und das sei ein „regulatorischer Sündenfall“. Die „populistischen Maßnahmen“ der EU-Institutionen seien zu kurzfristig; denn sie könnten am Ende die Konsumenten durch – im Gegenzug – erhöhte Inlandstarife belasten. Das bedeutet: Den entgangenen Umsätze durch Roaming werden die Betreiber schlichtweg durch Erhöhung der Gebühren im Inland kompensieren.

Apple – Die Nemesis der Betreiber

Einen anderen Blick auf die Thematik brachte übrigens Georg Serentschy, der frühere Chef der Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde RTR, Anfang des Jahres im Gespräch mit format.at: Apple arbeitet am Konzept der so genannten „Soft-SIM“, bei dem die physische SIM-Karte der Mobilfunkbetreiber durch eine Software ersetzt wird. Der Kunde wählt dann am Bildschirm jenes Netz aus, das er gerade verwenden möchte – im Inland ebenso wie im Ausland. Damit würde nicht nur das Konzept des Roamings eliminiert – es würde gar die Bindung zwischen Kunden und Mobilfunkbetreiber obsolet werden.

Details zu den aktuellen Roaming-Gebühren (seit 1.7.2014) unter diesem Link.

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