Ariel Sharon, Israels "kühner Führer" ist tot, die Hamas feiert

Ariel Sharon, Israels "kühner Führer" ist tot, die Hamas feiert

Ariel Sharon, der frühere Ministerpräsident Israels, ist tot. Sharon war maßgeblich für den Konflikt mit den Arabern verantwortlich. Nach einem Schlaganfall im Jahr 2006 lag der Politiker acht Jahre lang im Koma und wurde künstlich ernährt. Wegen eines schweren Nierenleidens ist er jetzt an multiplem Organversagen gestorben. Israel trauert, die Palästinenser feiern.

Es war ein angekündigter Tod. Die behandelnden Ärzte hatten dem 85 Jahre alten früheren israelischen Regierungschef Ariel Sharon zuletzt schon abgeschrieben. Acht Jahre lang, seit einem Schlaganfall im Jahr 2006, war der Politiker im Koma gelegen und wurde mit allen Mitteln der Medizin am Leben gehalten. Wegen eines schweren Nierenleidens und allgemeinem Organversagen war nun auch das nicht mehr möglich. Sein Zustand hatte sich in den vergangenen Tagen so verschlechtert, dass selbst der Einsatz modernster Medizin nichts mehr nutzte.

Sharon, der 85 Jahre alt wurde, war einer der prägendsten Militärs und Politiker Israels. Sein Leben stand im Zeichen des Kampfes gegen die Araber, er erlebte alle Kriege seines Landes seit der Staatsgründung 1948 aktiv mit.

Sharon kam am 27. Februar 1928 als Kind russischer Einwanderer in der Bauerngemeinde Kfar Malal 15 Kilometer nördlich von Tel Aviv zur Welt. Schon mit 14 Jahren kämpfte er für einen israelischen Staat. Seinen größten Ruhm gewann er sich durch einen kühnen Vorstoß über den Suez-Kanal im Jahr 1973. Die Operation trug erheblich dazu bei, dass sich das Blatt des Nahost-Krieges wendete.

Mitschuld an Massakern an Palästinensern

Eine offizielle Untersuchung gab ihm die "indirekte Verantwortung" für ein Massaker an mehreren hundert Palästinensern in den Flüchtlingslagern Sabra und Shatila Anfang der 1980er Jahre, über das noch heute viele Araber ihre Widerstandshaltung gegenüber Israel definieren. Sharon war damals Verteidigungsminister und musste dieses Amt in der Folge aufgeben.

Als die Palästinenser nach den gescheiterten Friedensverhandlungen von Camp David im September 2000 die zweite Intifada ausriefen, kam erneut die Stunde des Bulldozers. Erst in seiner zweiten Amtszeit ab 2003 schien sich der einstige "Hardliner" zu wandeln, und eine historische Mission erfüllen zu wollen: Er bekannte sich zu einem palästinensischen Staat und bezeichnete die israelische Kontrolle über das Westjordanland und den Gaza-Streifen als Besatzung - ein Wort, das er bis dahin nie gebraucht hatte.

Der in Israel als Kriegsheld verehrte Politiker setzte 2005 den einseitigen Rückzug aus dem Gazastreifen durch. Nach Streit mit den alten Weggefährten verließ Sharon den von ihm mitbegründeten rechtsorientierten Likud-Block und gründete 2005 die Partei der Mitte Kadima. Beim Bau des Sperrwalls im Westjordanland, der palästinensische Selbstmordattentäter abhalten sollte, ließ er sich auch durch starke internationale Kritik nicht vom Kurs abbringen.

Tapferer Soldat, kühner Führer

Israels Präsident Shimon Peres erklärte zum Tod des früheren israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon: "Mein lieber Freund Ariel Sharon hat heute seinen letzten Kampf verloren. Ariel war ein tapferer Soldat und kühner Führer, der seine Nation liebte und seine Nation liebte ihn."

Peres würdigte Sharon als einen der größten Beschützer und wichtigsten Architekten Israels, der keine Furcht gekannt habe. Er habe gewusst, wie schwierige Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen gewesen seien. "Wir alle liebten ihn, und er wird eine große Lücke reißen."

Lesen Sie hier den Nachruf "General bis zum Ende" von profil-Korrespondentin Tessa Szyszkowitz aus Jerusalem

Hamas feiert den "Tod eines Kriminellen"

Die radikal-islamische Hamas feierte im Gaza-Streifen dagegen den Tod des einstigen Feldherrn und Politikers. "Der Weggang dieses Tyrannen gibt uns mehr Vertrauen in den Sieg", sagte Hamas-Sprecher Salah al-Bardawil in Gaza. Die Anhänger der Palästinenserorganisation empfänden extreme Freude über den Tod dieses Kriminellen, dessen Hände mit Blut des palästinensischen Volkes beschmiert seien. Sharon zähle zu denen, "die Unglück über das palästinensische Volk gebracht hat". Mit Sharon werde für die Palästinenser immer die Erinnerung an Schmerz, Blut, Folter, Vertreibung und Verbrechen verbunden sein. "Wir beten zu Allah, dass Sharon und all die zionistischen Führer, die Massaker gegen unser Volk verübt haben, zur Hölle gehen", hieß es in der Erklärung, die Reportern in einer E-Mail übermittelt wurde.

Im kollektiven Gedächtnis der Araber wird Sharon wohl immer der "Schlächter von Beirut" bleiben. Während des Libanon-Krieges hatten mit Israel verbündete libanesische Milizen 1982 ein Massaker an Hunderten Palästinensern in den Flüchtlingslagern Sabra und Shatila begangen. Eine israelische Kommission attestierte dem damaligen Verteidigungsminister Sharon indirekt eine Mitschuld. Der Ex-General musste 1983 sein Amt räumen.

Sharon sei auch für die "Ermordung" des langjährigen palästinensischen Präsidenten Yassir Arafat verantwortlich gewesen, sagte ein Vertreter der palästinensischen Fatah, Jabril Rabub. Die Palästinenser hätten gehofft, dass sich Sharon "vor dem Internationalen Strafgerichtshof als Kriegsverbrecher hätte verantworten müssen".

Trauerfeier im Parlament und Militärbegräbnis

Sharons Sarg soll von Sonntagmittag an im Parlament in Jerusalem aufgebahrt werden, damit die Öffentlichkeit ihm die letzte Ehre erweisen kann. Am Montag ist dann eine offizielle Trauerfeier im Parlament vorgesehen. Dabei sind unter anderem Ansprachen von Staatspräsident Shimon Peres, Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Angehörigen Sharons geplant. Die USA sollen dabei von Vize-Präsident Joe Biden vertreten werden. Auch der Nahost-Gesandte Tony Blair und der russische Parlamentspräsident Sergej Naryschkin werden erwartet.

Nach der Zeremonie in der Knesset soll der Sarg zu Sharons Farm in der Negev-Wüste im Süden des Landes gefahren werden. Dort ist am Montagnachmittag eine Beisetzung mit militärischen Ehren geplant. Der frühere Regierungschef soll dort auf dem Anemonenhügel neben seiner zweiten Ehefrau Lily begraben werden.

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