IMBA-Chef Penninger: Ohne Forschung keine Biotech-Industrie

IMBA-Chef Penninger: Ohne Forschung keine Biotech-Industrie

Josef Penninger fordert mehr Geld für die Forschung, was der Wirtschaft zugute kommen würde.

Wer in der Biotech-Industrie in der Champions League spielen will, muss mehr in Forschung investieren - behauptet Josef Penninger, Chef des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA). Er ortet in Österreich eine massive Stagnation in der Grundlagenforschung. Die Aufbruchstimmung vergangener Jahre sei passé - im Gegnsatz zu Deutschland, wo Forschungsbudgets aufgestockt werden.

Wien "Aufbruchstimmung" in der biomedizinischen Grundlagenforschung habe geherrscht, als er vor gut zwölf Jahren von Kanada nach Österreich gekommen ist, doch heute habe sich Stagnation breitgemacht, erklärte der Genetiker Josef Penninger am Freitag bei einer Podiumsdiskussion in Wien. In Deutschland sei genau das Gegenteil der Fall, so der Forscher, dem ein "fantastisches Angebot" aus Berlin vorliegt.

Penninger ist derzeit Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), verhandelt aber laut eigenen Angaben aktuell mit dem Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin über einen Wechsel nach Deutschland. Dort habe man in den vergangenen zehn bis zwölf Jahren "massiv in die Forschung investiert", sagte er bei der Generalversammlung des Verbands der pharmazeutischen Industrie (Pharmig). "Ich habe ein fantastisches Angebot, ich brauche es nur unterschreiben", erklärte er. Ob er dies aber tun wird, ließ er aber unklar.

Ein Zwergen-Paradoxon

Das Institut in Berlin habe ein grundlegendes Budget von 90 Millionen Euro jährlich mit eingebauter Steigerung, während dem IMBA 15 Millionen Euro zur Verfügung stünden, erklärte Penninger die unterschiedlichen finanziellen Bedingungen. Bei Anfragen auf Erweiterung der Finanzierung mit dem Argument, damit sei man "international immer noch ein Zwerg", würde er hierzulande stets zu hören bekommen: "15 Millionen sind eh schon genug, die anderen in Österreich brauchen auch etwas".

Österreichische Institutionen wie das IMBA könnten laut Penninger "punktuell in der Champions League der Forschung mitspielen", aber um große Biotech-Firmen als Investoren anzulocken, sei dies zu wenig. Die Pharmaindustrie habe mit 14,4 Prozent des Umsatzes die höchste Forschungsquote aller Branchen, so Pharmig-Präsident Robin Rumler. Man könne sich daher nicht leisten, im Forschungsbereich an Attraktivität zu verlieren. Als Alarmsignal wertet Rumler in einer Aussendung den Rückgang der Anzahl an klinischen Studien in Österreich um 15 Prozent von 2013 auf 2014.

Seit Jahren versuche Penninger "verzweifelt", den Verantwortlichen klarzumachen, dass Österreich ein Netzwerk aus Forschungsinstituten bräuchte (analog den deutschen Max Planck Instituten), das aus mindestens zehn Forschungsstätten in der Dimension des IMBA besteht. Damit könne man "die besten Köpfe" aus Asien, Europa und den USA nach Österreich holen. "Ich höre aber immer, das geht nicht, wir haben eh schon genug", sagte er. Um mehr Geld für die Forschung auch aus dem privaten Bereich zu lukrieren, sollte man auch "an der Steuerschraube für Spenden drehen".

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