"Ich hätte, um meinen Job zu behalten, damals auch mit Georg unterschrieben"

Marilyn Carlson Nelson wurde auch als Tochter eines Bosses diskriminiert. Heute ist die Kämpferin für Frauenrechte Chefin von 160.000 Mitarbeitern.

Marilyn Carlson Nelson war gerade schwanger mit ihrem zweiten Kind. Für ihren Arbeitgeber, den US-Broker Pain Webber, ein Fiasko. Frauen in einer Führungsposition waren ohnehin ein Makel, und dann noch das. Nicht nur, dass Nelson nur mit ihren Initialen zeichnen durfte, um ihre weibliche Identität zu verleugnen, wurde sie nun samt Sekretärin in ein Kammerl verbannt, damit man den Bauch nicht sieht. Das war Ende der 60er. Heute steht die Unternehmerin Marilyn Carlson Nelson, 69, als Chairwoman an der Spitze des US-Tourismus-Konzerns Carlson Company (über 1.000 Hotels weltweit, darunter die Radisson Hotels & Resorts, siehe Kasten). Am Donnerstag bekam die Lady, laut dem US-Magazin „Forbes“ eine der „100 most powerful women“, den Preis für außergewöhnliche Leistungen von Frauen in der globalen Wirtschaft.

Hätte mit Georg unterschrieben
Nelson hatte in den Zeiten der startenden modernen Frauenbewegung Wirtschaft und Politik studiert. Als frischgebackene Ökonomin heuerte sie beim Broker Pain Webber an. „Ich war fähig, Bilanzen zu lesen, sprach Englisch und Französisch.“ Als Volontärin wurde sie bald in die Führungsetage aufgenommen. Dass sie als Frau diskriminiert wurde, störte sie nicht. „Ich hätte auch mit George unterschrieben, um den Job zu behalten.“ Nebstbei arbeitete sie auch im familieneigenen Unternehmen Carlson mit. Freilich ohne spezielle Privilegien, im Gegenteil.

Zweite Diskriminierung als Tochter
Als ältere von zwei Töchtern nahm der Vater sie besonders in die Pflicht, quasi als Sohn-Ersatz. Gerade gut eingearbeitet, erlebte sie die zweite Diskriminierung als Frau: „Ich dachte, ich werde befördert, dabei feuerte mich mein Vater mit den Worten: ‚Geh heim zu deinen Kindern, die brauchen dich mehr.‘ Das war ein Schock für mich.“ Als gehorsame Tochter folgte sie. Erst viel später, nach Erwachsenwerden der Kinder, 1990, wurde sie bei Exxon-Mobil Vorstandsmitglied. Acht Jahre darauf, nur ein Jahr vor dem Tod ihres Vaters, wurde sie 1998 zum CEO des Familienunternehmens Carlson.

Kampf für Frauenrechte
All ihre bisherigen Erfahrungen trugen dazu bei, dass sich Nelson besonders für Frauen engagiert. 2002 holte sie der damalige US-Präsident Bush als Vorsitzende einer Gruppe, die sich besonders für Frauenrechte einsetzt. Zart besaitet dürfen Frauen ihrer Ansicht nach dennoch nicht sein: „Wer an die Spitze kommen möchte, muss ebenso wie Männer 24 Stunden und sieben Tage die Woche für den Job leben. Frauen sollten mehr in ihre Wirtschaftsausbildung investieren, aber darauf achten, dass sie authentisch bleiben und ihre Werte leben. Das globale Business ist wie eine Olympiade. Da fragt auch niemand nach der Work-Life-Balance der Frauen.“

Von Carolina Burger, Gabriela Schnabel

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