Ibiza-Affäre: Spenden an FPÖ-nahen Verein

Ibiza-Affäre: Spenden an FPÖ-nahen Verein

Johann Gudenus (li.) soll über den Vereins-Umweg um Parteispenden gebeten haben.

Ein erster Geschäftsmann gibt zu, an den Verein "Wirtschaft für Österreich" gespendet zu haben. Was dafür spricht, dass der Verein den Freiheitlichen nahe steht.

Die Ibiza-Affäre um den zurückgetretenen Vizekanzler FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, ist um ein Kapitel reicher. Strache prahlt in dem Video, dass es einen gemeinnützigen Verein gäbe, über den Spenden auch in Millionenhöhe am Rechnungshof vorbei an die FPÖ geschleust würden.

Das Nachrichtenmagazin profil ist im Zuge seiner Recherchen nun auf den den im Jahr 2015 gegründeten, offenbar den Freiheitlichen nahestehenden Verein "Wirtschaft für Österreich" gestoßen, an den zum Beispiel ein Wiener Geschäftsmann mehrere tausend Euro gespendet hat.

Der Unternehmer erhielt profil zufolge auf Vermittlung des mittlerweile aus allen politischen Funktionen zurückgetreten Wiener FPÖ-Obmanns Johann Gudenus vor der Spende ein Schreiben mit folgendem Inhalt :

"Sehr geehrte Damen und Herren! Der gemeinnützige Verein ,Wirtschaft für Österreich‘ schützt die Interessen der österreichischen Industrie und Wirtschaft. Zur Durchführung von Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Förderung des Wirtschaftsstandortes Wien und Österreich ersucht der Verein ,Wirtschaft für Österreich‘ um eine Spende auf folgendes Vereinskonto IBAN AT 33 12000 … Mit dem besten Dank im Vorhinein für Ihr Entgegenkommen verbleibe ich Hochachtungsvoll, Wirtschaft für Österreich, Dr. Markus Tschank."

Gemein und nützig?

Besonders Interessant daran ist der Name, in dem das vermutlich in vielfacher Ausführung Schreiben gezeichnet ist: Rechtsanwalt Dr. Markus Tschank. Der war bis Mitte 2017 auch Kassier bei dem in den Recherchen zur Ibiza-Affäre bereits genannten Verein "Austria in Motion". Dieser Verein mit dem Ziel der "Reform der politischen Kultur Österreichs", könnte zu Straches Ausführungen zur Parteienfinanzierung im Ibiza-Video passen.

"Austria in Motion" wird derzeit vom FPÖ-nahen Investmentberater und ORF-Stiftungsrat Markus Braun (Obmann) und dem früheren Vorsitzenden der FPÖ-Vorfeldorganisation Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) in Niederösterreich, Alexander Landbauer (Kassier) geführt. Landbauer ist der Bruder des geschäftsführenden FPÖ-NÖ-Landesparteiobmanns Udo Landbauer.

Tschank und Braun haben in ersten Reaktionen ausgeschlossen, dass der Verein "Austria in Motion" je Parteispenden erhalten und weitergeleitet hat.

Geld für mehr Wirtschaftskompetenz in der FPÖ

Für den betreffenden Unternehmer ist die Spende an Vereine laut seinen Aussagen nichts Ungewöhnliches. Im Gespräch mit Profil erklärt er: "Johann Gudenus hat mir den Verein vorgestellt. Dieser fokussiere sich auf Wirtschaftsthemen, weil die FPÖ in diesem Bereich nicht so stark vernetzt ist. Man wolle Kompetenz und Strukturen aufbauen, die Parteilinie stärken und auch neue Wähler aus der Wirtschaft gewinnen, die traditionell ja der ÖVP verbunden sind. Im Sommer 2017 erhielt ich ein Schreiben von Markus Tschank, den ich persönlich nicht kannte. Ich habe mehrere tausend Euro gespendet, es wurde allerdings nie nach einem konkreten Betrag gefragt."

Versprochen wurde dem Unternehmer für die Spende nichts. "Man unterstützt das, um einen guten Kontakt und eine Gesprächsbasis zu haben. Eine Gegenleistung wurde mir dafür nicht angeboten." Dafür sei vielleicht auch der Betrag zu gering gewesen, mutmaßt dieser.

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