Herzdame sticht: Trotz aller Kritik bleibt Gabi Burgstaller immer freundlich und nett

Für ihre wenigen Kritiker ist sie gnadenlos nett, aber der Großteil der Salzburger liebt die „Gabi“, die das Land weitere fünf Jahre regieren wird. Ein Porträt der Salzburger „Königin der Herzen“.

Mit einem Energiebündel ist manchmal schwer Schritt zu halten. Und die „Gabi“, wie die Salzburger Landeshauptfrau im ganzen Land genannt wird, ist der Prototyp eines energetischen Kraftpakets. „Ich bin heute um fünf Uhr aufgestanden“, flötet Burgstaller nach zwei Stunden Verteilaktion im Salzburger Frühverkehr ins Telefon und fügt noch beiläufig hinzu, dass sie am Vorabend bis 22 Uhr Verhandlungen mit Unternehmern wegen Wirtschaftskrise, Kreditklemme und Arbeitsplatzabbau hatte. Wie fast jeden Tag in den letzten Wochen. Sogar ihren engsten Mitarbeitern wird diese Energie manchmal unheimlich. Einer gesteht „im Vertrauen“, dass man ganz froh sei, wenn am Sonntag der Wahlkampfstress vorbei ist und man wieder zum Politikalltag übergehen kann.

Endlich Schluss
In Salzburg geht dann ein besonders langweiliger Wahlkampf zu Ende, und 390.000 Stimmberechtigte sorgen für ein neues Farbenspiel im Landtag. Die Sozialdemokraten werden das Rennen machen, so viel ist schon im Vorfeld klar, und der Hauptgrund für die Wahlkampf-Fadesse und Überlegenheit der SPÖ hat einen ­Namen: Gabi Burgstaller. Die 45-jährige Oberösterreicherin hat das Land Salzburg seit fünf Jahren fest im Griff, und nichts deutet darauf hin, dass sich das in den kommenden Jahren ändern wird. Zu überwältigend ist der Charme Burgstallers, der selbst ÖVP-Parteigänger von „der Gabi“ und vom schwarzen Kandidaten als „dem Doktor Haslauer“ sprechen lässt. Doch wer ist diese Frau, der die Herzen der Menschen zufliegen und die als einzige Frau einem Bundesland als Landesmutter vorsteht?

Aus schwarzem Milieu
Burgstaller ist ein Bauernkind aus Penetzdorf, einem winzigen Ort im Bezirk Vöcklabruck, der auf kaum einer Landkarte zu finden ist. Die Familie wählte ausnahmslos schwarz, der Groß­vater war Funktionär beim Bauernbund. Die vier Geschwister, sagt Burgstaller heute, haben früh soziale Kompetenzen ent­wickeln lassen. Das Bauernkind machte als Erste im Ort die Matura und ging an die Universität nach Salzburg zum Jusstudium. Ursprünglich hätte es Philosophie und Germanistik werden sollen. Nach einem Jahr Auslandsaufenthalt in Wales zog Burgstaller es allerdings vor, etwas Seriöseres zu studieren. In der Region, wo sie als Au-pair gearbeitet hatte, herrschte eine Jugendarbeitslosigkeit von 25 Prozent. Dieses Jahr hat die junge Aufsteigerin nachhaltig geprägt und die Überzeugung reifen lassen, dass nur über harte und ­seriöse Arbeit der Weg nach oben zu ­schaffen sei.

Auf Umwegen ans Ziel
Über den Umweg der Arbeiterkammer, wo sie von 1989 bis 1993 als Konsumentenberaterin werkte, den WEB-Bautreuhand-Skandal aufdeckte und 25.000 Geschädigte erfolgreich vertrat, kam Burgstaller 1994 als Abgeordnete in den Salzburger Landtag. Ihr damaliger Mentor, der langjährige SPÖ-Landesrat Othmar Raus, erinnert sich: „Wir wollten eine junge, moderne SPÖ. Burgstaller war dafür perfekt geeignet. Sie hatte von ­Anfang an die richtige soziale Einstellung und ist für mich ein Jahrhunderttalent.“ Der Rest war ein Durchmarsch: Klub­obfrau, Landesrätin, SPÖ-Landeschefin, schließlich 2004 die erfolgreiche Kür zur Landeshauptfrau. Die nun anstehende erfolgreiche Verteidigung ihres Amtes wundert die wenigsten Parteifreunde.

Mit Wasser kochen
Ihr Erfolgsrezept ist simpel. Laut eigener Aus­sage ist Burgstaller schlicht „ein normaler Mensch“ geblieben. In Salzburger Klassenzimmern ziert kein Foto der Landeschefin die Wände, und es gibt in den 119 Gemeinden wohl keine Hand, die von Burgstaller noch nicht geschüttelt worden wäre. Und das, so wie „profil“ 2004 schrieb, mit dem „untrüglichen Instinkt ausgestattet, der den einen in Ruhe lässt und den anderen umarmt“. Mehrfach überliefert sind auch Gelegenheiten, wo sich Burgstaller noch Tage später nach einer Unterredung mit Bürgern persönlich telefonisch erkundigte, wie es um die persönliche Angelegenheit des Betroffenen steht. So darf es nicht verwundern, dass die SPÖ im Wahlkampf unter dem Konterfei Burg­stallers mit dem Slogan wirbt: „Ihre Art macht den Unterschied“.

Kritik am Politikstil
Diese Art der hemdsärmeligen Landesmutter, die Persönliches gerne über Inhaltliches stellt, stößt in Salzburg seit Jahren auf Kritik der politischen Konkurrenten. So meint etwa der Chef der Salzburger Grünen, Cyriak Schwaighofer, Burgstallers Methode, es allen recht machen zu wollen, führe dazu, dass viele unangenehme Entscheidungen nicht oder nur halbherzig getroffen würden. „Ihr ist die Verteilung von Frühstückskipferln wichtiger, als echte Reformen anzugehen“, beschreibt der Grüne die Landeschefin. Dies sei etwa am Beispiel der Schulverwaltungsreform erkennbar. Dort habe sich Burgstaller – weil mit Widerständen verbunden – zu keiner Strukturreform durchringen können. Dafür helfe sie im Gegenzug einzelnen Schulen, wenn diese zu ihr vor­sprechen kämen. „Dann gibt es ein freundliches Foto in der ‚Kronen Zeitung‘, aber das Problem wurde nur im Einzelfall gelöst und nicht das System verändert“, beklagt sich Schwaighofer. Das bestätigt auch ÖVP-Klubobfrau Gerlinde Rogatsch. ­Salzburg sei das einzige Bundesland, in dem die Senkung der Klassenschülerhöchst­zahl auf 25 eine Kann- und keine Muss-Bestimmung sei. Und selbst aus den Reihen der SPÖ ist erstmals Kritik an Burgstallers Stil zu vernehmen: „In den vergangenen fünf Jahren hat das Lächeln gereicht. Aber jetzt, in ­Zeiten der Wirtschaftskrise, müssen wir zu arbeiten anfangen.“ Ein Weckruf an das Energiebündel Burgstaller, ihre Stärken nicht mehr nur ins Marketing zu stecken.

Von Silke Pixner und Markus Pühringer

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