Brexit - Großbritannien stimmt für EU-Austritt

Großbritannien hat sich entschieden: Der Austritt aus der EU ist fix. Die Börsen in Asien und Australien rutschten kräftig ins Minus. Das Pfund notiert so tief wie seit 31 Jahren nicht mehr. Der britische Premierminister David Cameron hat am Freitagvormittag kurz nach 9 Uhr seinen Rücktritt angekündigt.

Brexit - Großbritannien stimmt für EU-Austritt
Brexit - Großbritannien stimmt für EU-Austritt

Kurz nach 8:30 Uhr war es am Freitag fix: Das Brexit-Lager hat bei der Abstimmung am Donnerstag gesiegt. Die Briten wollen endgültig die Europäische Union verlassen.

In den 382 Wahlkreise stimmten 51,9 Prozent der Briten (17,4 Millionen Stimmen) für den Austritt aus der EU - 48,1 Prozent (16,1 Millionen Menschen) haben für den Verbleib in der EU gestimmt.

Insgesamt 46,5 Millionen Bürger hatten sich für das Referendum registriert - 72,2 Prozent von ihnen gaben schließlich ihre Stimme ab.

An den Börsen hat der Brexit am Freitag massive Kursverluste gebracht wie seit dem Höhepunkt im Jahr 2008 nicht mehr: Die Trennung der zweitgrößten europäischen Wirtschaft hat an den Börsen zunächst in Asien und Australien und später mit der Öffnung der Börsen in Europa zum teil drastische Kursverluste ausgelöst. Die London Stock Exchange hat mit einem Abschlag von acht Prozent gestartet und bis Mittag das Minus immerhin auf minus vier Prozent verringert. Der DAX in Frankfurt notierte zu Börsebeginn mit minus zehn Prozent. Im Verlauf des Handels gingen die Verluste auf minus sechs Prozent zurück. Das britische Pfund stürzte auf ein 30-Jahres Tief ab. Am frühen Freitagmorgen fiel die britische Währung erstmals seit 1985 unter die Marke von 1,35 US-Dollar.

Die Ölpreise haben am Freitag im frühen Handel angesichts des drohenden Austritts der Briten aus der Europäischen Union deutlich verloren. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete in der Früh 47,92 US-Dollar (42,1 Euro). Das waren gut 5,87 Prozent weniger als am Vortag.

Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im August fiel zuletzt 6,03 Prozent auf 47,09 US-Dollar.

Ein Austritt der Briten könne zu weltweiten Konjunktursorgen führen, was sehr schlecht für den Ölmarkt ist, sagte ein Analyst in Melbourne.

Vor allem die Themen Souveränität und Zuwanderung sollen die Wähler zuletzt überzeugt haben zur Wahl zu gehen.

Bei der Wahl kam es zu einem Nord-Süd-Gefälle. In Schottland und Nordirland hatten die Wähler mehrheitlich für einen Verbleib in der EU votiert. In England hatte einzig London für die EU gestimmt.

Nach der Abstimmung für einen Austritt der Briten aus der EU überschlugen sich Freitag am frühen Vormittag die Ereignisse. Der britische Premier David Cameron kündigte seinen Rücktritt an. Cameron hatte zwar das Referendum initiiert, doch trat er für einen Verbleib ein. Cameron plant seinen Rückzug für Oktober.

In der EU herrscht Nervosität. EU-Ratspräsident Donald Tusk warnt vor Hysterie und beschwor die Einheit der restlichen 27. Der Moment sei "ernst, aber nicht dramatisch". Allerdings müsse es ein "weiteres Nachdenken über die Zukunft unserer Union geben". Die EU sei auf dieses Negativszenario vorbereitet.

" Sieg für anständige Menschen"

Jubel hat es bei den britischen EU-Austrittsgegnern nach dem sich abzeichnenden Ergebnis des Brexit-Referendums gegeben. Der EU-Parlamentarier und Chef der Unabhängigkeitspartei UKIP, Nigel Farrage, sprach in einer ersten Reaktion von einem "Sieg für wirkliche Menschen, für normale Menschen, für anständige Menschen".

Man könne nun davon träumen, dass "die Morgendämmerung für ein unabhängiges Großbritannien angebrochen ist. Wenn die Voraussagen richtig sind, ist das ein Sieg für das Volk. Wir haben gegen die Multi-Nationalen gekämpft. Wir haben gegen Lügen und Täuschungen gekämpft".

Entsetzt zeigten sich dagegen laut Politico die britischen Sozialdemokraten. "Es ist ein schrecklicher Tag für Großbritannien und ein schrecklicher Tag für Europa", so Keith Vaz von der Labour-Partei.

Der Chef der britischen Labour Party, Jeremy Corbyn, hat sich nach dem Brexit-Votum der Briten für einen raschen Beginn von Austrittsverhandlungen mit der EU ausgesprochen. Der Artikel 50 des Lissabon-Vertrags, der den Austritt eines Landes aus der EU regelt, müsse "jetzt angewendet werden", sage Corbyn in einem BBC-Interview am Freitag.

Die Verhandlungen müssten darauf ausgerichtet sein, das bestmögliche Abkommen abzuschließen, um die britische Wirtschaft zu schützen. An die britische Regierung gerichtet sagte er, sie müsse jetzt schnell entscheiden, wie es weitergehe.

Wichtig sei, Stabilität zu gewährleisten. Alle Bemühungen müssten nun darauf ausgerichtet werden, Jobs und Arbeitsbedingungen in Großbritannien zu erhalten. Zum Ausgang des Referendums sagte Corbyn, die Botschaft sei, dass "viele Gemeinschaften von den Sparmaßnahmen genug haben".

Die Vorbereitung für das Danach

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz rechnet mit einem schnellen Start der Austrittsverhandlungen mit Großbritannien. "Wir haben uns auf einen Brexit vorbereitet", sagte Schulz im ZDF. Er rechne allerdings nicht damit, dass es nun zu einer Kettenreaktion komme.

Schulz befürchtet keine weiteren Austritte aus der Europäischen Union. "Die Kettenreaktion wird es nicht geben", sagte Schulz im "Morgenmagazin" des ZDF. Zur Begründung verwies er unter anderem auf die negativen Reaktionen von Wirtschaft und Börse auf die Entscheidung der Briten. Das Pfund rutschte gegenüber dem Dollar deutlich ab.

Schulz rechnet nun mit dem raschen Beginn der Austrittsverhandlungen zwischen London und Brüssel. "Ich gehe davon aus, dass die Verhandlungen schnell über den Austritt beginnen werden." Großbritannien muss nach Artikel 50 des EU-Vertrages die EU über den Austritt offiziell informieren. Dann beginnt eine zweijährige Frist, in der beide Seiten die Entflechtung ihrer Beziehungen aushandeln.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlament, Elmar Brok (CDU), wertete den Ausgang des Brexit-Referendums als "Warnschuss" für die 27 anderen EU-Mitgliedsländer. "Wir müssen endlich ein Europa bauen, das liefert, was die Bürger von Europa erwarten", sagte Brok am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin". "Das muss ein Warnschuss sein an die nationalen Regierungen."

Brok sprach sich für ein hartes Vorgehen bei den wahrscheinlich bevorstehenden Trennungsgesprächen mit Großbritannien aus. "Draußen ist draußen", sagte der CDU-Politiker. Jetzt müssten "Nachahmer-Effekte" verhindert werden. "Das war eine Fehlentscheidung, für die bitter bezahlt werden muss."

Zugleich machte er den britischen Premierminister David Cameron für die mutmaßliche Niederlage der EU-Befürworter persönlich verantwortlich. "Man muss sich auch nicht wundern, wenn David Cameron zehn Jahre lang erklärt, wie schlecht Europa ist."

(Fortsetzung folgt)

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