Gesundheitssystem: sauteuer und suboptimal

Gesundheitssystem: sauteuer und suboptimal

GUTE BESSERUNG! Nicht jeder Patient gehört ins Spital - dieser wohl schon.

Das österreichische Gesundheitssystem ist teuer, die Gesundheit der Bevölkerung könnte aber besser sein. Die Diagnose: Es gibt zu viele Spitalsbetten und zu wenig Prävention.

  • 3.806 EURO PRO KOPF: So viel wird in Österreich jährlich für Gesundheit ausgegeben. Das ist Rang sechs unter 28 EU-Mitgliedsstaaten, der EU-Durchschnitt liegt bei 2.797 Euro. Österreich hat damit eines der teuersten Gesundheitssysteme Europas und der Welt. Der Zugang zu den Gesundheitsleistungen ist bekanntlich gut, Probleme mit "Gangbetten" sind (noch?) nicht der Regelfall. Aber: Der "Health Outcome" in der Schnitzelrepublik ist nicht berauschend. Die Lebenserwartung liegt mit 81,3 Jahren nur knapp über dem EU-Durchschnitt von 80,6 Jahren. Bei der Anzahl der in Gesundheit verbrachten Lebensjahre liegt Österreich sogar leicht unter EU-Schnitt. Andere Länder erreichen bessere Resultate - mit geringeren finanziellen Mitteln.
  • TADEL DER EU. Wie die EU-Kommission tadelnd festhält, wäre es wichtig, den Lebensstil der Bevölkerung gesünder zu gestalten - also z. B. den Tabakkonsum und den Genuss von Alkohol zu reduzieren. Doch hier wie im gesamten Bereich Prävention liegt die Schwäche der heimischen Gesundheitspolitik. Marc Fähndrich, wirtschaftspolitischer Berater der EU-Kommission, sieht als großen Kostentreiber der heimischen Gesundheitspolitik den Spitalsbereich. "In Österreich", so Fähndrich, "dominiert der Krankenhaussektor. Bei einem Spital werden jedoch vielfach gesundheitspolitische Argumente von arbeitsmarkt- und strukturpolitischen Erwägungen überlagert. Dies ist nicht immer effizient im Sinne des Patienten." Die Gesundheitsausgaben steigen aufgrund der Alterung der Gesellschaft laufend, wenn auch nicht mehr so stark wie früher. Einschließlich der Ausgaben für die Langzeitpflege wurden 2016 schon 10,4 Prozent des BIP für Gesundheit aufgewendet, das sind 36,9 Milliarden Euro. Bund, Länder und Gemeinden als Spitalserhalter sowie die Sozialversicherungen kamen 2016 für 74,1 Prozent der laufenden Gesundheitsausgaben auf, der Rest wurde durch private Haushalte, freiwillige Krankenversicherungen bzw. Unternehmen getragen.
  • ZU VIELE SPITÄLER. Ein Aspekt ist besonders bemerkenswert: 15,3 Milliarden Euro oder 41,5 Prozent der Gesundheitsausgaben werden in Österreich für stationäre Krankenanstalten, Rehabilitations-, Kur-und Pflegeheime aufgewendet. Nur ein Viertel aller eingesetzten Gelder, 9,3 Milliarden Euro, fließt dagegen in den ambulanten Bereich, vorwiegend zu niedergelassenen Ärzten. In diesem Missverhältnis liegt hohes Sparpotenzial -denn ambulante Leistungen sind deutlich kostengünstiger als stationäre Einrichtungen.
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