Gesundheitsminister Rudolf Anschober ist zurückgetreten

Gesundheits- und Sozialminister Rudolf Anschober ist nach 15 Monaten im Amt zurückgetreten. Für den Minister und Manager der Corona-Pandemie gaben gesundheitliche Gründe den Ausschlag. Der Mediziner und Ärztekammer-Funktionär Wolfgang Mückstein wird neuer Gesundheitsminister.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober ist zurückgetreten

Als Gesundheitsminister zurückgetreten: Rudolf Anschober

Nach 15 Monaten als Gesundheitsminister tritt Rudolf Anschober aus gesundheitlichen Gründen zurück. Seine Agenden übernimmt interimistisch Vizekanzler Werner Kogler. Am Montag (19.4.) wird Anschober von Bundespräsident Alexander Van der Bellen demissioniert. Gleichzeitig wird der Mediziner und Ärztekammer-Funktionär Wolfgang Mückstein als neuer Gesundheitsminister angelobt.

Der 47-jährige Mückstein hat unter anderm im Jahr 2015 in Wien-Mariahilf mit den Partnern Franz Mayrhofer und Fabienne Lamel das Modellprojekt MedizinMariahilf ins Leben gerufen, Österreichs erstes Primary Health Care Center (PHC).


Zum Artikel: "Wolfgang Mückstein wird neuer Gesundheitsminister"

Wolfgang Mückstein, designierter Gesundheitsminister

Wolfgang Mückstein, designierter Gesundheitsminister


Anschober blickte in seiner öffentlichen Erklärung zurück auf die vergangenen 15 Monate, die - kaum im Amt - von der Corona-Krise geprägt waren. Mit der Corona-Krise habe sich die Regierungsarbeit von einem Tag auf den anderen massiv geändert. Die erste Welle habe man noch gemeinsam erfolgreich genommen, ab der zweiten Welle sei es jedoch immer wider zu Zerwürfnissen gekommen.

Großen Dank richtete er an Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, der ihn zuletzt tatkräftig bei den Maßnahmen zum Lockdown über Ostern und nun in weiterer Folge maßgebend unterstützt habe. Den Koalitionspartner ÖVP, von dessen Seite zuletzt immer wieder Giftpfeile in Richtung Anschober abgeschossen wurden, erwähnte Anschober in seinen zum Teil sehr persönlichen und emotionalen Worten mit keiner Silbe.

Kein Burnout

Das Jahr in der Pandemie habe ihn sehr viel Kraft gekostet, erklärte Anschober. Nach einem zweiten Kreislaufzusammenbruch binnen weniger Wochen, steigenden Werten Blutdruck- und Zuckerwerten sowie einem beginnenden Tinnitus als "logische Folge der Überlastungssituation" zog er den Schluss: "Ich bin überarbeitet, ich bin ausgepowert. Das ist die Folge davon, dass ich seit Monaten praktisch durchgearbeitet habe."

Nach seinem zweiten Zusammenbruch habe er gemerkt die Notbremse ziehen zu müssen: "Wenn ich nur 50, 60 oder 70 Prozent fit bin, dann geht das nicht. In der schwersten Gesundheitskrise des Landes brauche die Republik einen Gesundheitsminister, der zu 100 Prozent fit ist." Sein Nachsatz: "Ich will mich auch nicht kaputt machen."

Anschober betonte, kein Burnout zu haben, denn "dann würde ich nicht hier stehen." Vor neun Jahren hatte er, damals als Landesrat in Oberösterreich, eine Auszeit wegen eines Burnouts nehmen müssen.


Risiko Burn-Out

Das Burnout-Risiko sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Der Rücktritt von Gesundheitsminister Rudolf Anschober zeigt auf, dass Menschen nicht unbegrenzt belastbar sind. Die Bewältigung der Corona-Krise hat Menschen in unternehmerischer Verantwortung im vergangenen Jahr extrem gefordert. Das gesundheitliche Risiko und das Burnout-Risiko sind dadurch stark gestiegen. Unser kurzer Selbsttest hilft Ihnen bei der Einschätzung, ob Sie Burnout-gefährdet sind.

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Besonders bedankte sich Anschober Zeit bei seinem Team, aber auch bei der Polizei und der Spezialeinheit Cobra, die ihm zuletzt Personenschutz gab - aufgrund der Zunahme der Aggressivität unter anderem von Corona-Leugnern sowie der massiven verbalen Attacken und auch Morddrohungen.

Bis Montag, 19. April will der scheidende Gesundheitsminister dafür sorgen, dass er zusammen mit seinem derzeitigen Vertreter und Vize-Kanzler Werner Kogler das Ressort an seinen Nachfolger geordnet übergeben kann.

"Auf Wiedersehen"

Am Ende seines emotionalen Statements bedankte sich Anschober mit den Tränen kämpfend bei seiner Partnerin, seinen Mitarbeitern, dem grünen Regierungsteam und dem grünen Klub sowie Werner Kogler, "meinem Freund".

Dank sprach Anschober auch all jenen Menschen aus, die ihm Mails, Briefe, Blumen und Mehlspeisen geschickt haben. "Und Ihnen sag' ich 'Auf Wiedersehen'", verabschiedete sich Anschober. Fragen waren nicht zugelassen.

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