Gerhard Tötschinger als neuer als VP-Wien-Chef?

Im Kellertheater Tribüne unter dem Café Landtmann spielt er gerade das Stück „Die Lokomotive“. In der Wiener ÖVP wird eine solche dringend gesucht – der Chefposten ist seit dem Abgang von Christine Marek vakant. Und der Schauspieler und schwarze ORF-Publikumsrat Gerhard Tötschinger macht aus seinem Herzen keine Mördergrube.

„Unter begründeten Umständen würde ich das machen. Aber ich warne gleich: Ich wäre ein ungemütlicher Chef. Ein Despot, der nicht still ist und zögert, sondern auf den Tisch haut.“

Tötschinger, Lebensgefährte von Grande Dame Christiane Hörbiger, begründet sein Engagement für das Gemeinwesen mit dem Vorbild des antiken Philosophen und Demokratie-Vorreiters Perikles: „Ich bin bereit, alles zu tun, um diesem Land zu helfen. Österreich versinkt in einem Mangel an Qualität. Es regieren die Verblödung und das Mittelmaß.“

Der 65-Jährige, der in seiner Jugend schon den Schulsprecher machte, ist offensichtlich Favorit eines alten Granden in der Wiener Volkspartei: Die Döblinger Bezirksvorsteher-Legende Adi Tiller ist, so besagen die Gerüchte, auf die neue, doch einigermaßen originelle Obmann-Variante gekommen. Schon im Wiener Gemeinderatswahlkampf trat Tötschinger Seite an Seite mit Tiller auf. Die Stadtschwarzen dankten Tötschinger sein Wahlkampfengagement allerdings wenig und setzten ihn auf den allerletzten Listenplatz.

Dieser Frust sitzt tief in Tötschinger, doch jetzt könnte seine Zeit kommen. Der einzige Kandidat, der der interimistischen VP-Chefin, Gabriele Tamandl, bislang Konkurrenz machte, sagte diese Woche ab – der EU-Parlamentarier Othmar Karas. Tötschinger verdiente sich seine Polit-Sporen bereits mit dem Engagement in rund 50 Denkmalschutz-Aktionen sowie im Kulturbereich.

Tötschinger zu FORMAT: „Ich habe dieses Land gern, und mich reizt die Politik schon seit 40 Jahren, aber ich bin halt Schauspieler geworden.“ Der Mime glaubt, nicht nur traditionelle Stammwähler aus konservativen Kernschichten ansprechen zu können, sondern auch menschrechts- und umweltorientierte Bürger. Als Signal an die Jungen taugt der Bühnen-Oldie allerdings nicht. Zudem ist die zu bewältigende Aufgabe nicht ganz leicht: Die zerstrittene Wiener Volkspartei liegt völlig am Boden, ist von Personalrochaden zermürbt und in Umfragen nur noch einstellig.

Einmal hat der vollbärtige Sturkopf allerdings schon unter Beweis gestellt, dass er Zugkraft besitzt: Bei der letzten Wahl zum ORF-Publikumsrat erhielt er 110.000 Faxstimmen. Ob das für eine ernsthafte Konkurrenz für Häupl reicht, ist allerdings fraglich.

– HOR

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trend Chefredakteur Andreas Lampl

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