Geheimplan: So soll das komplizierte Pensionssystem vereinfacht werden

Im Sozialministerium wird berechnet, was ein beschleunigter Vollumstieg auf das neue Pensionskonto für das Budget kostet und welche Versicherten dabei gewinnen und verlieren.

Das österreichische Pensionssystem gehört zu den kompliziertesten der Welt. Für diejenigen Arbeitnehmer und Selbständigen, die ab 1955 geboren wurden, muss in einer mehrstufigen Parallelrechnung aus älteren und neueren Systemen eine Gesamtpension errechnet werden. Dafür wird in einem ersten Schritt unter anderem eine Teil-Pension gemäß dem bis 2003 geltenden Altrecht ermittelt. Hier werden nur die besten 18 Jahre zur Rentenberechnung herangezogen. Das führt in der Praxis dazu, dass Jahre mit einem schwachen Einkommen, etwa in den ersten Berufsjahren oder in Phasen der Kindererziehung, unter den Tisch fallen. Der so ermittelte Betrag wird als generelle Sparmaßnahme um bis zu zehn Prozent verringert.

In einem zweiten Schritt wird die „Pension neu“ kalkuliert, das sogenannte Pensionskonto, das 2004 rückwirkend für das gesamte Erwerbsleben jedes Versicherten eingerichtet wurde. Hier gilt eine lebenslange Durchrechnung, jeder Monat zählt also entsprechend dem erzielten Einkommen. Ein Jahr mit einem Verdienst an der Höchstbeitragsgrenze von heuer 4.200 Euro im Monat bringt derzeit rund 75 Euro. 40 solcher optimalen Jahre ergeben demgemäß 3.000 Euro Monatspension. Ein Jahr, bei dem nur die Geringfügigkeitsgrenze von 374 Euro erreicht wurde, sorgt nur für eine spätere Monatsrente von 6,65 Euro.

In einem dritten Verfahren werden die Pension alt und die Rente gemäß Pensionskonto zusammengeführt. Je mehr Jahre nach 2004 zusammenkommen, desto höher ist der Anteil des Pensionskontos. Dieser fast undurchschaubare Pensionsdschungel namens Parallelrechnung ist nur wenigen Experten verständlich und würde bis über das Jahr 2050 hinaus gelten.

Vorzeitige Abrechnung

Jetzt haben Sozialpartner und Sozialministerium einen neuen Anlauf unternommen, das Pensionssystem zu vereinfachen. Ansprüche aus dem System alt sollen in einem mehr oder weniger verkürzten Verfahren abgerechnet werden, anschließend soll nur noch das neue Pensionskonto gelten. Um die finanziellen Auswirkungen abzuschätzen, hat das Sozialministerium mehrere Varianten durchkalkuliert. So sieht das „Modell 5“ vor, dass alle Ansprüche aus den alten Rentensystemen mit Ende 2013 abgerechnet werden und als Erstgutschrift auf das neue Pensionskonto übertragen werden. Ab 2014 würde also nur noch das Pensionskonto übrigbleiben. Der Vorteil wäre eine größere Transparenz. Die Pension könnte, um einen Begriff aus der Steuerdiskussion heranzuziehen, auf einem Bierdeckel ausgerechnet werden.

Das Modell hat allerdings zwei Haken: Es gibt Gewinner und Verlierer. Schlechtergestellt werden vor allem diejenigen, die eine steile Karriere mit kräftigen Gehaltssprüngen hinter sich haben, was für viele männliche Angestellte gilt. Tendenziell draufzahlen würden auch Frauen mit sehr langen Phasen von Halbtagsarbeit. Um die Zahl der Verlierer zu verringern und die der Gewinner zu erhöhen, sieht das Modell 5 eine Aufwertung der Altrechts-Ansprüche um 30 Prozent vor. Konsequenz: Die Zahl der Verlierer sinkt auf 29 Prozent, wobei der weit überwiegende Teil auf weniger als fünf Prozent verzichten müsste. Umgekehrt gehören 71 Prozent der Versicherten in die Kategorie der Gewinner, vor allem Personen mit relativ konstantem Einkommensverlauf.

Diese Abfederung hat jedoch einen hohen Preis: Der Bundeszuschuss zu den staatlichen Pensionsversicherungen erhöht sich im Zeitraum bis 2060 im Schnitt um 815 Millionen Euro im Jahr. Besonders hohe Zusatzzahlungen von bis zu 1,32 Milliarden Euro jährlich fallen ausgerechnet zwischen 2040 bis 2050 an, also in den ohnehin schon kritischen Jahren. Laut der offiziellen Langfristprognose muss der Staat die Rentenversicherungen im Jahr 2045 mit 30,5 Milliarden Euro unterstützen, das entspricht 6,5 Prozent des dann erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zum Vergleich: Im Jahr 2014 muss der Staat „erst“ 9,7 Milliarden beziehungsweise 3,3 Prozent des BIP einschießen.

Kommentar
Peter Pelinka

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