Fünf Fragen zu Frank Stronach

Fünf Fragen zu Frank Stronach

Wie macht Frank Stronach nach den ersten Erfolgen weiter? Und ist er dafür fit genug?

Hochrangige Politiker, Blasmusiker in Landestracht, übermüdete Strategen, gemeines Wahlvolk: Eine bunte Mischung an Menschen hatte sich vergangenen Sonntag im schmucklosen Fassadenklotz der niederösterreichischen Landesregierung eingefunden, um die Einschläge der Landtagswahlen am Ground Zero der Macht zu erleben. Mittendrin: hoch beschuhte junge Damen und anzuggraue Herren vom Team Stronach mit verdatterten Gesichtern. Denn der Namensgeber und Dynamo der jungen Bewegung hatte sich spontan entschlossen, der Wahlparty fernzubleiben, ohne sein Team zu informieren. Die stundenlange Ungewissheit verdrängte selbst beachtliche Erfolge des Teams in Niederösterreich und Kärnten und ließ Zweifel an Frank Stronachs bislang guter Gesundheit aufkommen. "Er ist auch nicht mehr der Jüngste“, meinte ein Parteigänger lakonisch.

Tags darauf ließ der erschöpft wirkende Spitzenkandidat vor der künstlichen Kulisse seines Golfclubs in Oberwaltersdorf die Öffentlichkeit wissen, dass er sich mehr erwartet hätte, trotz mehr als zehn Prozent und einem Regierungssitz in beiden Bundesländern. "Ich will Erster werden“, sagte Stronach in die Phalanx der Journalisten-Hundertschaft im Hinblick auf die Nationalratswahl. Sprach’s und entschwand nach Kanada. Zurück bleibt sein Team, das bis zu Stronachs Rückkehr Anfang April den Boden für künftige Erfolge besser aufbereiten soll. Ziel sind die Wahlen im Herbst. Auf dem Weg dorthin liegen Tirol und Salzburg.

1. Gesundheits-Check: Wie fit ist der 80-jährige Frank Stronach wirklich?

Der Industrie-Veteran absolvierte in den vergangenen Wahlkampf-Wochen in Niederösterreich und Kärnten eine wahre Ochsentour. Stundenlanges Reden und Buch-Signieren auf Hauptplätzen in Völkermarkt oder St. Veit an der Glan ermüdet selbst passive Zuschauer. Lange Autofahrten in der Provinz, Händeschütteln im Akkord und bemühtes Verbreiten positiver Stimmung - politischer Alltag ist ein Knochenjob. Nicht wenige fragen sich: Steht Stronach einen langen Nationalratswahlkampf wirklich durch?

Ferndiagnosen sind schwierig, doch laut dem Leistungsdiagnostiker Hans Holdhaus wirkt Stronach überdurchschnittlich fit für einen Mann seines Alters. Holdhaus gibt zu bedenken, dass erst jüngst ein 101-jähriger Inder einen Marathon gelaufen ist. Er sieht keine großen Belastungsunterschiede zwischen einem Job, wie ihn Stronach für sein Unternehmen machte, und einem Wahlkampf. Der Sportmediziner empfiehlt Stronach eine Kombination aus Kraft- und Beweglichkeitstraining, um die Lebensqualität zu halten. Holdhaus: "Das Alter von 80 irritiert nicht - es kommt auch auf die genetische Veranlagung an.“ Positiv für Stronach ist sein Verzicht auf Zigaretten und übermäßigen Alkoholkonsum zu werten. Universitäts-Sportarztkoryphäe Paul Haber sieht Stronach ebenfalls fit - rät allerdings zu regelmäßigen Ruhepausen, die in den Tagesablauf eingeplant werden sollten.

Die Belastung einer Polit-Auseinandersetzung relativiert Haber: "Stress kann auch stimulierend sein. Offenbar braucht Frank Stronach für sein Wohlbefinden eine gewisse Herausforderung.“ Haber verweist auf den japanischen Kulturkreis, wo zahlreiche Männer in den hohen 70ern Unternehmen leiten oder in der Politik aktiv sind.

Intimere Stronach-Kenner berichten, dass der Milliardär in seinen kanadischen Refugien seine Batterien bei Tennis und Zeit mit seinen Pferden gut auflädt. Und Stronach zehrt noch immer von seiner sportlichen Jugend, wo er als Kicker eine durchaus beachtliche Kondition aufbaute.

Am meisten Angst hat Stronach vor ansteckenden Krankheiten, gegen die er sich durch hoch dosierte Vitaminpräparate schützt. Aber: Im spätsommerlichen Intensivwahlkampf kann es heiß hergehen, und Stronach wird bei Festzeltauftritten seine nordamerikanischen Klimaanlagen-Tiefkühltemperaturen vermissen. Manko: Schwächelt Frank, gibt es kein personelles Backup-Szenario.

2. Wie geht es nach den Wahlgängen in Kärnten und Niederösterreich weiter?

Will Stronach auf Bundesebene erfolgreich sein, braucht er ein starkes Fundament in den Ländern. Niederösterreichs Listenzweiter Ernest Gabmann ist im Pröll-Land für den Funktionärsaufbau zuständig, was das Rückgrat für die Nationalratswahl bilden soll. Das Regierungsmandat war ihm in letzter Minute von Elisabeth Kaufmann-Bruckberger weggeschnappt worden.

"In meiner jetzigen Position kann ich meine Erfahrungen als Organisationsentwickler auch besser einbringen“, sagt Gabmann tapfer. "Wir brauchen eine schlagkräftige Truppe für den Bundeswahlkampf.“ Er und seine acht Landesparteiobmann-Kollegen koordinieren Anwerbetouren für künftige Funktionäre aus den Gemeinden, loten Mobilisierungschancen aus und verwalten Unterschriftenlisten für die Urnengänge in Tirol (28. April) und Salzburg (5. Mai).

Fest steht, dass das Team in Tirol mitmischen will - trotz schwieriger Bedingungen. Denn dort gibt es direkte Konkurrenz, etwa durch die neue Bewegung "Vorwärts Tirol“ um Ex-Landesrätin Anna Hosp. In Salzburg ist das "Demobilisierungspotenzial“ bei Wählern von Altparteien leichter, analysiert man in der Stronach-Zentrale.

Ex-Goalie Otto Konrad hat laut "Salzburger Nachrichten“ jüngst Ambitionen auf die Spitzenkandidatur durchklingen lassen. 500 Unterstützungserklärungen aus fünf Salzburger Wahlbezirken müssen bis 28. März gesammelt werden. In den nächsten Tagen werden die Kandidatenlisten an Stronach gefaxt. Erfüllen Anwärter "die Werte“, gibt er grünes Licht.

3. Wie groß ist das Mobilisierungspotenzial auf Bundesebene?

In Niederösterreich, das bei offenbar allgemeiner Zufriedenheit flächendeckend von der ÖVP bedient wird, hat Stronach das größte Potenzial bei den Nichtwählern ausgeschöpft. Auf Bundesebene lässt sich in diesem Bereich noch viel mehr herausschlagen. Der Politologe Peter Filzmaier traut Stronach "ein deutlich zweistelliges Ergebnis“ zu. Denn das Hauptmotiv für Wahlverweigerung ist die generelle Enttäuschung über etablierte Parteien. Hier setzt Stronach den Nimbus des Neuen entgegen. Filzmaier: "Stronach kann Wähler gewinnen, die sowohl von klassischen Protestparteien wie der FPÖ als auch von den Regierungsparteien enttäuscht sind.“ Gefährlich könnte ihm nur eine weitere neue Bewegung werden. Die aber ist auf Bundesebene nicht vorhanden.

Ein weiterer Mobilisierungsfaktor ist Geld. "Money talks“ lautet Stronachs Devise. Allein in Niederösterreich soll der Milliardär inklusive Vorlaufzeit zum Stichtag (ab dem der Wahlkampfdeckel von sieben Millionen Euro greift) mindestens zehn Millionen Euro in Plakate und Inserate investiert haben. "Blödsinn“, meint Robert Lugar. "Wir haben noch nicht abgerechnet, aber es waren maximal drei Millionen.“ Insgesamt will Stronach im Superwahljahr bekanntlich 25 Millionen Euro in die Hand nehmen. "Am Ende wird’s vielleicht ein bisserl mehr oder weniger sein“, meint er.

4. Wird sich das Team Stronach auch inhaltlich breiter aufstellen?

"Bekämpfung von Korruption“, "Arbeitsplätze“ und "Wirtschaft“ waren in Niederösterreich die drei stärksten Motive für das Wahlkreuzerl auf der Stronach-Liste. Die wichtigsten Themen für die generelle Wahlentscheidung lauteten "Arbeitsplätze, "Gesundheit und Pflege“, "Bildung“ und "Sicherheit“. In den letztgenannten Punkten will sich das Team Stronach - dessen Programm bislang nur aus Schlagworten besteht - künftig breiter aufstellen.

Im Bildungsbereich sollen die Länder entmachtet und Schulen im Gegenzug autonom werden. Für alle Schultypen sollen Benchmarks und Lehrzielmodelle eingezogen und bei Bedarf gezielt Sonderfördergelder ausgeschüttet werden.

Der bewaffneten Exekutive will das Team einen unbewaffneten und schlechter bezahlten Ordnungsdienst zur Seite stellen, der Verwaltungsstrafen einhebt und die Administration übernimmt.

Die Pensionshöhe soll sich künftig nach der statistischen Lebenserwartung richten und damit in Summe niedriger ausfallen ("schwedisches Modell“).

Das Parteiprogramm wird Frank Stronach höchstselbst nach seiner Rückkehr aus Kanada Anfang April präsentieren. Am Ausländerthema, mit dem vor allem die FPÖ punktet, will das Team übrigens nicht weiter anstreifen. Dieses Feld will man den Blauen überlassen und im Bereich der Integration mit "pragmatischen und unemotionalen“ Lösungsansätzen punkten.

In der heißen Phase des Wahlkampfes treten Inhalte ohnehin wieder in den Hintergrund. Dann zählt die Marke Frank.

5. Wie stark hat sich die Marke "Frank Stronach“ etabliert?

Stronach versteuert den Großteil seiner Einnahmen im Ausland, setzt private Projekte in den Sand, hat seinen Hauptwohnsitz in Aurora/Kanada und glänzt mit skurrilen TV-Auftritten. Geschadet hat ihm das bislang nicht. Man hat den Eindruck: Der Mann hat Narrenfreiheit. "Der Einfluss einer Marke bemisst sich nach Kenngrößen wie Differenzierung, Relevanz und Vertrautheit“, meint Luigi Schober, Chef der Werbeagentur Young & Rubicam. "Die Marke Stronach ist hoch differenziert, hat extrem hohe Vertrautheitswerte.“ Dazu kommt das Asset einer Erfolgsstory. Die vom Tellerwäscher zum Milliardär kann Stronach niemand mehr streitig machen.

Fazit: In den kommenden Wahlkämpfen hat Stronach nur einen echten Gegner zu fürchten: sich selbst.

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