Frank Stronach und der schwarze Plan B

Frank Stronach und der schwarze Plan B

Egal, ob die Gerüchte über eine jetzt schon vereinbarte Koalition zwischen Roten und Schwarzen nach der nächsten Wahl stimmen oder nicht – in der ÖVP denken einige bereits erstaunlich offen über eine Alternative nach: eine Allianz mit Frank Stronach.

Herbert Paierl, Doch-nicht-ÖIAG-Chef und sowohl im Magna-Reich als auch in der ÖVP gut vernetzter Unternehmensberater, hatte vergangenen Montag mit seinem nachhaltig klingelnden BlackBerry zu kämpfen. Tillmann Fuchs rief an, derzeit Frank Stronachs wichtigster Stratege bei der Erarbeitung eines politischen Masterplans. Er habe gehört, fragte Fuchs aufgeregt nach, dass Paierl beauftragt sei, im Namen der ÖVP vorzufühlen, ob und wie man eine künftige Zusammenarbeit zwischen den Schwarzen und dem neuen Team Stronach in die Wege leiten könnte.

Paierls indifferente Antwort: Er halte solche Überlegungen zwar für höchst sinnvoll, müsse aber passen. Von einem offiziellen Vermittlungsauftrag könne man – derzeit – nicht sprechen.

Aber FORMAT gegenüber erzählt Paierl (siehe Interview ) von einem Termin mit Erwin Pröll, den er jüngst hatte. Dabei habe er den Eindruck gewonnen, beim größten aller VP-Granden auf offene Ohren in Sachen Stronach-Allianz zu stoßen. So etwas sagt ein gestandener Schwarzer nicht, wenn es kein Plazet aus den Parteizentralen in Wien und St. Pölten gibt.

Also ist etwas im Busch. Tatsächlich gibt es in der ÖVP eine Gruppe, die ein Zusammengehen mit Stronach ernsthaft ventiliert. Das Hauptquartier liegt im Parlamentsklub. Stronachs Neo-Klubchef Robert Lugar gibt auch offen zu, mit seinem VP-Pendant Karlheinz Kopf „wirklich gut“ zu können. Schon in den nächsten Tagen werde es, bestätigt Lugar, einen Termin geben, bei dem man Möglichkeiten einer Zusammenarbeit erörtern will.

Auch in der VP-Parteizentrale gibt man sich wenig Mühe, das Interesse an einer künftigen Allianz mit dem Milliardär zu verbergen. Ein ranghoher Parteifunktionär sagt: „Ich hoffe, bei uns denken viele sehr ernsthaft darüber nach.“

Der Hintergrund scheint klar: Eine rotschwarze Koalition wird sich nach der nächsten Nationalratswahl wohl nicht mehr ausgehen. Und in jeder Dreiervariante, in der die SPÖ mit von der Partie ist, droht den Schwarzen in der Position des Zweiten der endgültige Untergang. Sie würden zwischen einer dominanten Regierungspartei und einem Juniorpartner möglicherweise aufgerieben.

Planspiele

Also lautet der schwarze Plan B für die nächste Legislaturperiode: eine Koalition mit der FPÖ als rechtem Flügelspieler und dem Team Stronach als Manndecker zur Mitte hin – und als Mehrheitsbeschaffer. Führungsspieler wäre nach VP-Vorstellung Michael Spindelegger. Dieser käme so zur wohl einzigen Chance auf den Job des Bundeskanzlers, die ihm angesichts aller Umfragewerte noch geblieben ist. Einen Mann, der das einfädeln soll, hat man schon gefunden: Paierl als Frank-Verbinder sei gut vorstellbar, hört man aus der ÖVP.

Problem, sollte das Wahlergebnis diese Variante 2013 tatsächlich zulassen: die Integration der FPÖ in die Partnerschaft. Immerhin wird das blaue Lager von Stronach am stärksten kannibalisiert. Rechtsausleger und FPÖ-Chef Strache wettert folgerichtig gegen Frank. Wird zu viel Porzellan zerschlagen, könnte eine Allianz Schwarz-Blau-Stronach scheitern. Interne VP-Umfragen weisen allerdings auch zunehmende Abwanderungstendenzen klassischer SPÖ- Wähler zum Team Stronach aus. Am wenigsten verlieren Grüne und ÖVP an Frank.

Politologe Peter Filzmaier kann den VP-Plänen viel abgewinnen: „Aus strategischer Sicht muss die Volkspartei ja geradezu versuchen, eine Mehrheit rechts der Mitte zu realisieren, wenn sie die Chance dazu hat.“ Die SPÖ könne dem nicht viel mehr als einen Lagerwahlkampf entgegensetzen, bei dem die Aussichten auf eine Mehrheit links der Mitte gering wären.

Bei den Schwarzen bestätigt man Stronach- Gedankenspiele offiziell nicht – dementiert aber auch nicht. „Das ist alles nach der Wahl zu klären“, sagt VP-Generalsekretär Johannes Rauch. Man findet in der Volkspartei jedoch erstaunlich viele, die abseits von Mikrofonen und Notizblöcken sehr gerne über inhaltliche Gemeinsamkeiten mit Stronach plaudern. Stichworte: Wirtschaftskompetenz, Sozialschmarotzer.

Seit Stronach auf der Polit-Bühne steht, nehmen die Optionen der ÖVP jedenfalls zu, ihren Kanzlertraum doch noch zu realisieren. Plötzlich taucht wieder ein erreichbares Ziel am Horizont auf. „Das könnte auch Motivation für die vielen Funktionäre sein, im Wahlkampf mehr für die Partei zu laufen“, vermutet Filzmaier.

Michael Spindeleggers seltsame Sommeridee, die ÖBB an Frank zu verscherbeln, erscheint da gleich in neuem Licht – wie auch der Gleichmut der Schwarzen angesichts der vielen Gerüchte, VP-Abgeordnete könnten ins Frank- Team wechseln. Oder die Abwesenheit von Klubchef Kopf beim Runden Tisch des ORF letztens, als die vier anderen Klubchefs über ihren neuen Kollegen Robert Lugar herfielen.

Eine Chance zum Pläneschmieden gab es gerade eben erst: Auf Einladung Hermann Schützenhöfers traf sich Mitte der Woche in Graz die VP-Parteispitze „im kleinsten Kreis“ zur Feier des 70ers von Wirtschaftskapitän Claus Raidl. Mit von der Partie: der eigens aus Wien angereiste Magna-Verbinder Herbert Paierl.

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