EX-ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner: "Natürlich gibt es Rachegefühle"

Wissenschaftsminister Vizekanzler Reinhold Mitterlehner

Ex-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner sprach mit trend Chefredakteur Andreas Weber offen wie selten.

... aber die nehmen mit der Zeit ab: Reinhold Mitterlehner im sehr persönlichen trend-Gespräch über seinen Rücktritt, seine Zukunft, das Verhältnis zu Nachfolger Sebastian Kurz und warum die neue Regierung keine Wunder vollbringen kann.

Herr Mitterlehner, Sie haben sich bei Ihrem Rücktritt im Mai von den Österreichern mit dem Satz "Ich wünsche allen einen schönen Sommer" verabschiedet. Jetzt haben wir bald Weihnachten: Hatten Sie eine schöne Zeit?

MITTERLEHNER: Es war ein wunderbarer Sommer. Zum ersten Mal seit meiner Studentenzeit konnte ich frei disponieren. Ich war viel auf Reisen, in Österreich und im Ausland, habe mich intensiv meiner Familie gewidmet. Das war für die Aufarbeitung des Geschehenen gut. Aber nach einer gewissen Zeit kommt man in eine Phase, wo es auch um die Zukunft geht. Nur Tarockieren und Radfahren ist zu wenig.

Sie haben nach Ihrem Rücktritt auch gesagt: "Man muss sich schon resozialisieren". Was genau haben Sie damit gemeint?

Als Politiker ist man von morgens früh bis spätabends durchgeplant. Die Alltäglichkeiten werden einem von anderen abgenommen. Nach der Politik geht es darum, dass man alltägliche Aktivitäten wieder selbst in die Hand nimmt. Das ist teilweise ganz lustig, aber eben ungewohnt.

Sie mussten wieder lernen, sich einen Fahrschein zu kaufen?

Ich bin nach 15 Jahren zum ersten Mal wieder mit dem Zug und der Straßenbahn gefahren. Eine durchaus einfache Tätigkeit, mit der man sich aber auch wieder vertraut machen muss.

Bösartig gesagt: Politiker leben wirklich abgehoben.

Aber unfreiwillig, es ergibt sich einfach aus dem Tagesablauf. Man fährt von einem Termin zum anderen mit dem Auto. Das ist organisatorisch nicht anders möglich, es geht einfach schneller, auch wenn die öffentlichen Verkehrsmittel noch so gut aufgeschlossen sind. Wenn ich heute in der Straßenbahn fahre, schauen mich die Leute immer noch an, obwohl ich schon einige Monate weg bin.

Ist das unangenehm für Sie?

Überhaupt nicht. Ich war ja immer einigermaßen authentisch und normal.

Was mussten Sie nach Ihrem Rücktritt aufarbeiten?

Viele glauben, wenn man loslässt, tritt sofort der paradiesische Zustand von Freiheit ein. Das ist nicht der Fall. Es gibt eine Phase der Euphorie, das war bei mir unmittelbar nach dem Rücktritt so.

Lesen Sie im aktuellen Heft unter anderem, warum sich Mitterlehner trotzdem einen Coach genommen hat, was ihm jetzt wichtig ist, ob seine menschlichen Wunden geheilt sind, woran der neue Parteichef während seiner letzter Amtszeit keine Interesse hatte, was er von der Ankündigung großer Würfe hält und was sich in der Politik seit den 80er Jahren geändert hat.

Das komplette Interview lesen Sie im trend 50-52 vom 15. Dezember 2018

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