Eurofighter-Mängel: Verteidigungsminister war angeblich nicht informiert

Die Eurofighter haben 1,7 Milliarden Euro gekostet, jedes Jahr belasten sie das Budget mit 80 Millionen Euro. Und nun sind auch noch Mängel am Rumpf aufgetreten, durch welche die Lebensdauer auf ein Drittel reduziert wird. Das Verteidigungsministerium wusste davon anscheinend seit August - sah aber keinen Anlass, den Minister damit zu belästigen.

Eurofighter-Mängel: Verteidigungsminister war angeblich nicht informiert Eurofighter-Mängel: Verteidigungsminister war angeblich nicht informiert

„Effective. Proven. Trusted.“ – das sind die Schlagworte, mit denen auf der Website von Eurofighter für den Kampfjet geworben wird. Im Falle des österreichischen Bundesheeres grenzt dieser Slogan an blanke Ironie. Nicht nur, dass die Beschaffung zwar fragwürdig, die Schuld der beteiligten Personen aber nie bewiesen wurde (Stichwort: „Eurofighter-Affäre“); nun sind auch noch technische Mängel an den 15 Fliegern durchgesickert: Am Rumpfhinterteil der Eurofighter sind Mängel aufgetreten, wegen derer die Lebensdauer der Jets von 6000 auf 2000 Flugstunden gedrittelt wurde. „Die Flugsicherheit ist aktuell nicht betroffen“, versucht das Verteidigungsministerium am Mittwoch in einer Aussendung zu beruhigen: „Der Mangel würde nach derzeitigem Wissensstand, in zeitlicher Hinsicht und unter Beibehaltung der derzeitigen Flugstunden erst in 15 Jahren zu Folgen am Flugzeug führen.“

Bekannt wurde das Problem zuerst in Deutschland durch einen Bericht von „Spiegel Online“; hier heißt es, dass die Flugdauer von 3000 auf 1500 Stunden halbiert wurde. Und auch im nördlichen Nachbarland sieht man wenig Gefährdung für den weiteren Betrieb: "Das hat zunächst keine Auswirkungen auf Einsatz und Ausbildung", sagte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch in Berlin. Auch die deutsche Bundeswehr werde in absehbarer Zeit nicht die Grenze von 1500 Flugstunden erreichen – damit habe der Hersteller genug Zeit, um die Probleme zu überprüfen und zu beheben.

Pilz sieht wieder Chance für Ausstieg

Von vielen Seiten wird der Eurofighter nicht nur als technisches, sondern auch als finanzielles Debakel gesehen: „Die Eurofighter haben 1,7 Milliarden Euro gekostet. Die Betriebskosten liegen bei 80 Millionen jährlich, eine Flugstunde kostet 63.000 Euro“, heißt es am Donnerstag in der Tageszeitung „Der Standard“ unter dem Titel „Eurofighter: Kaputtes System“. Der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz sieht nun angesichts der Konstruktionsschwächen wieder eine Chance für einen Ausstieg aus dem Vertrag.

„Es ist jetzt aus mit den Eurofightern und das soll die Politik endlich einmal zur Kenntnis nehmen", sagt Pilz auf einer Pressekonferenz. Die Flugzeuge seien ohnehin de facto nicht betriebsfähig und würden mit den neuesten Erkenntnissen „ein großes technisches Risiko“ darstellen. Die Auswirkungen sind laut Pilz "noch nicht absehbar". Empört ist Pilz zudem darüber, dass - im Gegensatz zu Deutschland - die heimischen Abgeordneten erst aus den Medien über die Mängel erfahren mussten.

Im Ö1-Morgenjournal heißt es am Donnerstag, dass der Hersteller Airbus das Ministerium bereits im August über die Mängel informiert habe – der zuständige Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) hat davon aber anscheinend nichts mitbekommen. Vom Ministerium wird gegenüber dem Radiosender verkündet, man sehe darin auch kein Problem: Der Minister könne ja nicht mit allem und jedem belästigt werden.

Die Aktien von Airbus schlossen am Mittwoch um 1,84 Prozent im Minus, bei 48,88 Euro.

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