Euro-Austritt Griechenlands wird immer wahrscheinlicher

Bei einem Austritt von Griechenland aus der Eurozone dürfte der Euro umgehend um mehr als drei Prozent gegenüber dem US-Dollar nach oben schnellen.

Diese Meinung hat Morgan McDonnell, der Chef für Fremdwährungen und Kreditmärkte bei RBC Dexia Investor Services in London, in einem Interview mit Bloomberg News vertreten.

Auf Jahressicht hat der Euro gegenüber dem Dollar zugelegt, trotz der europäischen Staatsschuldenkrise. In den USA liegen die Leitzinsen nahe 0 Prozent, in der Eurozone wurden sie in der vergangenen Woche bei 1 Prozent bestätigt.

“Ich glaube nicht, dass der Zinsunterschied ausreicht, um den Euro da zu halten, wo er im Moment ist”, sagte McDonnell in dem Gespräch mit Blomberg News. “Es ist letztlich eine Wette auf Europa und auf eine Zukunft ohne die schwächeren Länder. In der Sekunde, in der sie verkünden, dass Griechenland raus ist, wird der Euro auf 1,36 Dollar steigen.”

Wahrscheinlichkeit für Austritt über 50 Prozent

Volkswirte der Citigroup rechnen aufgrund des Wahlausgangs in Griechenland mit einem erhöhten Risiko für einen Austritt des Landes aus der Eurozone. Für die nächsten 12 bis 18 Monate beziffern Guillaume Menuet und Jürgen Michels die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland den Euroraum verlässt, auf 50 bis 75 Prozent.

Bisher sahen die beiden Ökonomen das Risiko bei 50 Prozent.
“Dennoch halten wir auch nach den Wahlen in Griechenland, Frankreich und Deutschland die Wahrscheinlichkeit eines umfassenden Auseinanderbrechens der Währungsunion für sehr niedrig”, so die Volkswirte. Sie rechneten weiterhin damit, dass als Reaktion auf einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone zusätzliche weiter reichende Maßnahmen der Staaten und der Europäischen Zentralbank ergriffen würden, hieß es in einem am Montag veröffentlichten Bericht von Menuet und Michels.

Unsicherheit ist groß

"Die Unsicherheit im Moment ist groß, welche Art von Regierung es geben wird und ob sie das EU/IWF-Programm unterstützt", sagte Analyst Diego Iscaro von IHS Global Insight.

Der griechische Politologe Dimitri Sotiropoulos sieht nach den Wahlen keine stabile Mehrheit im Athener Parlament. Der griechische Politologe Dimitri Sotiropoulos erwartet Neuwahlen "binnen eines Monats". Als Grund für die schwierige Regierungsbildung nannte der Professor an der Universität Athen im Gespräch mit der APA die schwammige politische Debatte vor der Wahl. Die Regierung habe den Wählern nicht ausreichend erklärt, welche Konsequenzen ein Ausstieg aus dem Euro und der Widerstand gegen die Sparmaßnahmen haben. Als Resultat seien viele Stimmen an radikale Parteien gegangen, die sich einem Ausweg aus der Schuldenkrise verweigerten, und nie erklärt hätten, wie sie für die Sanierung Griechenlands bezahlen wollen.

Größte Gefahr für den Euro ist SYRIZA

Die aus der Parlamentswahl in Griechenland als zweitstärkste Kraft hervorgegangene SYRIZA-Partei hat die Bildung einer linksgerichteten Regierung vorgeschlagen, die das mit den internationalen Gläubigern ausgehandelte Sparpaket aufkündigt. "Die Parteien, die das Memorandum (mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds) unterzeichnet haben, sind nun in der Minderheit", sagte der SYRIZA-Vorsitzende Alexis Tsipras am Sonntagabend vor Journalisten in Athen. Das Urteil der Bevölkerung habe ihnen die Legitimation entzogen.

"Unser Vorschlag ist eine linksgerichtete Regierung, die mit der Rückendeckung des Volkes das Memorandum aufkündigt und den für unser Land vorgezeichneten Weg in die Armut stoppt", sagte Tsipras. "Frau Merkel muss verstehen, dass das Sparprogramm eine erschütternde Niederlage erlitten hat", ergänzte er. In Griechenland steht die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer Sparpolitik zur Bekämpfung der Finanzkrise seit Monaten im Visier der Kritik.

Tsipras betonte, in Griechenland habe es eine "friedliche Revolution" gegeben. Ein "neues Griechenland" sei im Kommen. Seine Partei hat sich für den Verbleib in der Eurozone ausgesprochen, will aber erreichen, dass die fälligen Schulden nicht mehr beglichen werden.

Agenturen/hahn

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