„Empfehle ÖVP Allianz mit Stronach“

„Empfehle ÖVP Allianz mit Stronach“

FORMAT: Mit Ihrer Bestellung zum ÖIAG-Chef hat es nicht geklappt. Kommt Herbert Paierl doch noch als Repräsentant des Teams Stronach in die Politik?

Herbert Paierl: Ich bin nicht auf die Politik angewiesen. Aber ich werde immer wieder eingeladen, Ansichten zu deponieren, auch von der ÖVP. Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit dem Landeshauptmann Niederösterreichs.

Worum ging’s dabei?

Paierl: Um allgemeine Einschätzungen. Ich bin aus meiner politischen Vergangenheit in der Steiermark derart sozialisiert, dass man einen offenen Diskurs in alle Richtungen führt.

Bei Stronach gäbe es viele Möglichkeiten zur Mitarbeit, vom Nationalratsabgeordneten bis zum Spitzenkandidaten.

Paierl: Diese Frage stellt sich zurzeit nicht. Es gibt aber nichts, was ich ausdrücklich ausschließen möchte.

Auch nicht, Vermittler zwischen Stronach und der ÖVP zu sein?

Paierl: Ich bin Unternehmer und nicht Politiker, ich spreche weder für Stronach noch für die ÖVP. Aber ich würde der ÖVP empfehlen, sich in eine konstruktive Allianz mit Stronach zu begeben und das auch zu kommunizieren. In Deutschland ist es gang und gäbe, vor einer Wahl zu sagen, der oder der ist unser künftiger Partner. Das stärkt. Die ÖVP sollte meines Erachtens keine Angst vor Stronach haben.

Was sagt denn die ÖVP zu diesem Vorschlag – und was sagt Stronach?

Paierl: Das alles ist natürlich nur eine persönliche Einschätzung von mir, aber die Türen sollten offenstehen.

Auch in der ÖVP? Was meint der niederösterreichische Landeshauptmann?

Paierl: Erwin Pröll ist ein gutes Beispiel für Offenheit, der hat sicher keine Angst vor einer Allianz mit Stronach. Den leitet ein ehrliches Interesse, alle praktikablen und guten Vorschläge aufzusammeln.

Und Parteichef Spindelegger?

Paierl: Der hat es natürlich schwerer, weil er aus einer anderen Position startet. Ich kann aber auch ihm nur empfehlen, zugänglich zu sein.

Also konkret – besteht die Möglichkeit, dass zwischen der ÖVP und dem Team Stronach eine Allianz entsteht?

Paierl: Meiner Meinung nach: ja.

Stronach mit der ÖVP hätte Sinn?

Paierl: Ja.

Mit Herbert Paierl als Bindeglied?

Paierl: Ich habe zu beiden Seiten gute Zugänge und finde offene Türen vor. Das könnte man nützen, um sinnvollen Dingen einen Anstoß zu geben.

Zum Regieren würde eine Stronach-ÖVP-Koalition nicht reichen. Realistisch, wenn auch andere dazukommen?

Paierl: Jede für ein modernes Regieren förderliche Koalition macht Sinn.

Beim „Runden Tisch“ im ORF hatte man nicht den Eindruck, als wollten Cap, Strache oder Glawischnig mit Stronach Regierungsarbeit leisten.

Paierl: Die sind alle auf dem armen Lugar herumgetrampelt, das bringt ja nichts. Das reformbedürftige System wird dadurch nicht repariert. Das ist nicht Leadership. Mit Frank Stronach verbinden die Menschen Leadership.

Paierl: Man könnte dazu auch sagen, Stronach agiert autokratisch.

Paierl: Das ist es, was die Leute im Moment wollen. Was ist schlecht daran?

Paierl: Zum Beispiel, was man in Europa über Stronach denkt. Nach seinem Auftritt in einer deutschen Talkshow gab es im Ausland ziemlich geschockte Reaktionen und Vergleiche mit Berlusconi.

Paierl: Frank mit Berlusconi zu vergleichen, also ich weiß nicht. Alle Wohlfahrtsstaaten in Europa müssen aufpassen, dass sie ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht verlieren und zu Griechenland werden. Ob da nun jemand ein wenig unkonventionell auftritt oder nicht, ist wirklich zweitrangig.

Es existieren aber Themen, die einer Stronach- ÖVP-Koalition jedenfalls im Weg stehen. Etwa die Einstellung zum Euro.

Paierl: Die Sache mit der Währung muss man noch ausschwitzen. Aber da gibt es bei Stronach sicher eine gewisse Offenheit und Flexibilität. Das ist nur ein Problem, wenn man es auf boulevardeske Weise betrachtet.

Erklären Sie doch bitte das Erfolgsgeheimnis des Politikers Frank Stronach.

Paierl: Stronach wäre nicht so ein Erfolgsmodell, wenn es in der heimischen Politik nicht diese Diskrepanzen gäbe zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was dann tatsächlich getan wird. Das ist ein Problem des Regierungs-Establishments. Und da kommt nun eben einer, der einen Vertrauensbonus hat, den andere nicht mehr haben. Das ist Frank.

Was braucht die Politik?

Paierl: More oft the same jedenfalls nicht. Etwas anderes muss her. Die Leute haben die Sprache, den Auftritt, dieses ganze Nullachtfünfzehn der herkömmlichen Politik einfach satt.

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