E. Foglar: „Völlig klar, dass überzogene Managergehälter in Frage gestellt werden“

Erich Foglar über ein „entartetes Bezahlungssystem“, soziale Unruhen und neue Finanzierungsquellen.

Format: Herr Präsident, Regierungs­mitglieder fordern Manager auf, frei­willig auf Teile ihres Gehaltes zu verzichten. Schließen Sie sich dem an? Foglar: Es ist völlig klar, dass überzogene Managergehälter und ein ent­artetes Bonussystem infrage gestellt werden müssen. Dieses System ist ein wesentlicher Grund dafür, dass nun die gesamte Finanzwelt implodiert ist. Die reine Geschäftsausrichtung auf kurz­fristige Spekulationsgewinne und Quartalsergebnisse hat ja letztlich dazu geführt, dass Leute gekündigt, Arbeit ausgelagert, Kinderarbeit akzeptiert und Umweltauflagen missachtet wurden. Dieses System ist pervers und muss von Grund auf geändert werden.

Ehrenrettung für heimische Banker
Format: Und ein freiwilliger Verzicht?
Foglar: Mein Vertrauen in einen freiwilligen Verzicht ist nicht groß.
Format: Gibt es für Sie moralische Grenzen, wie viel ein Manager verdienen darf?
Foglar: Es würde zu kurz greifen, eine Zahl zu nennen. 14 Millionen Euro im Jahr wie bei der Deutschen Bank – das versteht kein Mensch. Zur Ehren­rettung muss ich sagen, dass die Bank­mana­ger hierzulande nicht in diese ­Höhen vorgedrungen sind. Obwohl man auch über die vier Millionen Jahres­gehalt eines heimischen Bankers nur den Kopf schütteln kann.
Format: Sie lehnen eine Nulllohnrunde strikt ab. Sehen Sie nicht die dramatische Situation der Betriebe?
Foglar: Man darf aber nicht vergessen, dass die Ergebnisse 2008 nicht so schlecht waren. Worüber nicht mehr gesprochen wird, ist, dass Unternehmen über Jahre hohe Gewinne an Aktionä­re ausgeschüttet haben. Außerdem ist die Kaufkraft die letzte Stütze der Konjunktur. Die darf man nicht ab­würgen.

G-20-Gipfel soll Lösungen bringen
Format: Fürchten Sie soziale Unruhen, wenn die Arbeitslosigkeit steigt?
Foglar: Diese aufgeheizte Stimmung haben die Manager verursacht, nicht die Arbeitnehmer. Und einige Politiker haben sich als Helfer zur Verfügung gestellt und den Nährboden für die Krise aufbereitet. Die Menschen verlieren ihren Job, ihr Haus und können Kredite nicht mehr bedienen. Der G-20-Gipfel ist in der Pflicht, Lösungen zu finden. Wenn das nicht passiert, werden soziale Unruhen steigen. Klar ist, dass Gewalt keine Lösung der Probleme ist.
Format: Ihre Lösungsvorschläge?
Foglar: Wir fordern eine steuerliche Entlastung des Faktors Arbeit durch eine Mehrbesteuerung von Vermögen, die Wiedereinführung der Erbschaftssteuer sowie eine Finanztransaktionssteuer und eine faire Vermögenszuwachs­steuer.

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