Duell um die ÖIAG

Duell um die ÖIAG

Noch diese Woche wird entschieden, wer neuer Chef der Staatsholding ÖIAG wird: Derzeit sieht es nach einem Zweikampf zwischen Herbert Paierl und Rudolf Kemler aus - bei dem der Steirer Paierl die besseren Karten hat.

Zum Thema ÖIAG will Finanzministerin Maria Fekter derzeit nichts sagen. Die ÖVP-Politikerin ist zwar zuständig für die Österreichische Industrieholding AG. Aber offiziell und nach außen hin will sie keinen Einfluss nehmen. Denn kommende Woche wählt der um Unabhängigkeit bemühte Aufsichtsrat der Holding einen neuen obersten Staatsbesitz-Beteiligungsmanager - und es wird wohl der Wunschkandidat Fekters das Rennen machen: Herbert Paierl.

Noch ist die Wahl nicht geschlagen, aber eines ist klar: Wer immer ÖIAG-Chef wird, verdient zwar mit rund 600.000 Euro im Jahr sehr gut. Vor allem, wenn man bedenkt, dass nur drei große Beteiligungen (Post, Telekom Austria und OMV) zu kontrollieren sind. Doch ein leichter Job ist es nicht. Mit der derzeitigen Ausformung der ÖIAG ist kaum jemand zufrieden, mindestens eine Seite übt immer Kritik, aber über neue Konzepte kann sich die Regierung nicht und nicht einigen.

Unbequemer Steirer

Dass der bisherige Chef Markus Beyrer einen interessanteren Job in Brüssel mit besseren Bedingungen fand und daher vorzeitig abgeht, verwundert nicht. Die Suche nach seinem Nachfolger gestaltete sich alles andere als einfach: Viele Manager winkten schon im Vorhinein ab. Denn dass ein ÖIAG-Chef oft zum Buhmann gemacht wird, gibt dem Job wenig Reiz.

Unter den verbliebenen Kandidaten soll Personalberater Egon Zehnder an erster Stelle Herbert Paierl gereiht haben. Wer den Steirer kennt, weiß, dass er unbequem werden kann: Er kam als Quereinsteiger Mitte der 90er-Jahre in die steirische Landespolitik - und stieg nach Querelen vor acht Jahren wieder aus. Seither war er Manager und Unternehmensberater. Auch für Frank Stronach und den Magna-Konzern war er tätig. Paierl kann Erfolge vorweisen wie die Gründung des steirischen Auto-Clusters, doch er hat auch Niederlagen einstecken müssen: Als damals zuständiger Landesrat reagierte er zu spät auf die Misswirtschaft im steirischen Energiekonzern EStAG.

Von den 15 ÖIAG-Aufsichtsräten (zehn Kapital- und fünf Arbeitnehmervertreter) sind noch nicht alle von Paierl überzeugt. Sie halten ihn für zu wenig berechenbar und für unbequem. Das sei bei einer ÖIAG, wo ein unbedacht umgedrehter Stein gleich eine Lawine auslösen und wichtige börsennotierte Unternehmen ins Schleudern bringen kann, gefährlich. "Aber das ist besser, als wenn gar nichts weitergeht“, sagt ein Aufsichtsratsmitglied. "Und der ÖIAG täte jemand, der sich allein entscheiden traut, gut.“

Andere Staatsholding-Aufpasser sehen das deutlich kritischer und machen sich daher für Rudolf Kemler stark. Dieser punktet mit seinen vielfältigen Managementerfahrungen und mit seinen Kontakten, die er unter anderem als Vorstandsmitglied der Wiener Industriellenvereinigung knüpfte. Er sucht einen neuen Job, weil sein aktueller Vertrag als Vorstand bei Hewlett-Packard (HP) Österreich nur noch bis Ende Oktober läuft.

Kritisch gesehen wird aber Kemlers Zeit bei stage1.cc, einem börsennotierten Risikofinanzierer. Da sei viel Geld verbrannt worden, geben manche zu bedenken. Allerdings sind die Zeiten des New-Economy-Hypes nicht mit der krisenangstdurchzogenen Gegenwart vergleichbar, und in der Langfristbetrachtung fällt die Bilanz für stage1.cc nicht übel aus: Fast alle Unternehmen, die mit dem Geld des Inkubators gegründet oder aufgebaut wurden, konnten weiterverkauft werden.

Pluspunkt für Kemler

Unabhängigkeit. Kemler gilt als - wie er selbst einmal sagte - "unerschütterlich ruhig“. Zudem ist er politisch unabhängig, im Gegensatz zum ehemaligen ÖVP-Politiker Paierl. Dafür hat der Steirer die Rückendeckung der Schwarzen - nicht nur von Finanzministerin Fekter, sondern auch von ÖVP-Obmann Michael Spindelegger wird Paierl gepusht. Durchaus mit Hintergedanken: Denn wird der 60-Jährige ÖIAG-Chef, kann er nicht Stronach dienen, der ihn gern in seiner neuen Partei hätte.

Den anderen beiden Kandidaten auf der Shortlist des Personalberaters fehlen indes Fürsprecher. Ihnen werden kaum Chancen eingeräumt, auch wenn die Erfahrung, die Sachlichkeit und das Auftreten des früheren AUA-Vorstands Peter Malanik gelobt werden.

Fahrplan zur Bestellung

Kommende Woche werden alle vier Bewerber, die es in die Endrunde geschafft haben, zu Hearings eingeladen. Sie sollen sich vorstellen und ihre Konzepte präsentieren.

Am Donnerstag, dem 6. September, trifft sich am Nachmittag dann der Personalausschuss des Aufsichtsrats. Er besteht aus fünf Personen: Aufsichtsratschef Peter Mitterbauer, Vize Siegfried Wolf, Anwältin Theresa Jordis und den Personalvertretern Leopold Abraham und Helmut Köstinger. Dieses Gremium wird dem Aufsichtsrat, der einen Tag später tagt, einen oder zwei Favoriten präsentieren.

Abgestimmt wird dann am Freitagvormittag, antreten wird der neue ÖIAG-Boss sein Amt wohl im Oktober.

Große Auftritte stehen dem neuen ÖIAG-Chef rasch bevor: Denn bei Post, Telekom und OMV müssen außerordentliche Hauptversammlungen einberufen werden, in denen er den Vorsitz im Aufsichtsrat dieser drei Gesellschaften übernehmen wird. Bei der Telekom wird bei dieser Gelegenheit übrigens ein weiterer Vertrauter von Neo-Großaktionär Carlos Slim in das Gremium einziehen.

Blockierte Politik

Das Rätsel, wie es wirklich mit der ÖIAG weitergeht, wird länger ungelöst bleiben. Eine Entscheidung ist frühestens nach den nächsten Nationalratswahlen zu erwarten. Denn die Gräben verlaufen auch quer durch die Parteien - von Auflösen bis zu Auffetten durch neue Beteiligungen wie etwa an den ÖBB, der Asfinag oder dem Verbund reichen die Vorschläge. Und obwohl im ÖIAG-Gesetz die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats verankert ist, mischen die Parteien mal mehr, mal weniger im Hintergrund mit.

Insofern ist es von Vorteil, dass Paierl ohnehin nie das Einfache, sondern die Komplexität reizt. Eine solche würde der Macher mit eigener Meinung in der Staatsholding mit Sicherheit finden.

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