Drittes TV-Duell zur US-Wahl: Clinton vor Trump

Drittes TV-Duell zur US-Wahl: Clinton vor Trump

3-0 - Auch im dritten TV-Duell hat Hillary Clinton gegen Donald Trump die Nase vorn.

Donald Trump hat auch im dritten TV-Duell für einen Paukenschlag gesorgt: Er lässt offen, das Wahlergebnis anzuerkennen, falls Hillary Clinton die Präsidentschaftswahl gewinnt. Im dritten TV-Duell sorgte Trump somit für den nächsten Tabubruch. Beobachter hatten Clinton einmal mehr als Siegerin am Notizzettel.

Drei Wochen sind es noch bis zur Bundespräsidentenwahl. Beim letzten, dem dritten TV-Duell, ist Hillary Clinton von den Demokraten erneut als Siegerin hervorgegangen. Es steht somit 3-0. In einer Blitzumfrage für CNN hatten 52 Prozent der Zuseher die Ex-US-Außenministerin Clinton in Führung. Sie habe über den umstrittenen Milliardär Donald Trump triumphiert.

Das 90-minütigen Streitgespräch begann diese Mal ohne den üblichen Handschlag der beiden Kandidaten. Sie wiederholten die bereits bekannten Positionen zu Wirtschaft, Sicherheitspolitik und Einwanderung. Trump wurde auch mit den Vorwürfen sexueller Übergriffe konfrontiert.

Trump, der zuvor polternd aufgetreten war und verbal mehrfach in die unterste Schublade gegriffen hatte, ließ auch diese Mal aufhorchen. Die Debatte war diese Mal sachlicher als zuvor. Eine Provokation konnte sich Trump auch diese Mal nicht verkneifen. In den vergangenen Tagen hatte es bereits geheißen, dass der US-Milliardär das Wahlergebnis womöglich nicht anerkennen werde. In der Debatte hatte er nun bestätigt, eine Niederlage bei der Wahl am 8. November nicht anzuerkennen. „Das werden wir sehen, wenn es soweit ist“, meinte Trump auf die Frage des Moderator. "Ich spanne Sie weiter auf die Folter, okay?"

Infografik: Clinton gewinnt alle TV-Debatten | Statista

Trump hatte zuletzt auf Wahlveranstaltungen gebetsmühlenartig erklärt, die Wahl werde zu seinem Nachteil manipuliert. Mit den Aussagen sorgte Trump selbst in den eigenen Reihen der Republikaner für Empörung. Clinton warf ihrem Rivalen vor, damit erschüttere er die Grundfeste der amerikanischen Demokratie. Mit seinem jüngsten Auftritt schmälerte Trump Experten zufolge seine Chancen auf einen Einzug in das Weiße Haus weiter.

Die Sündenbock-Strategie

Clinton sagte, in der Geschichte der USA seien die Wahlergebnisse immer akzeptiert worden, auch wenn sie nicht jedem gefallen hätten. Das werde von jedem Kandidaten erwartet. Vor Journalisten sagte Clinton später, Trump spreche immer dann von Manipulation, wenn etwas nicht nach seinem Plan laufe und er einen Sündenbock dafür suche. "Er beschädigt unsere Demokratie."

Auch bei den Republikanern stießen Trumps Äußerungen auf Unverständnis und Widerspruch. "Wenn man in den Umfragen hinten liegt, braucht man am nächsten Morgen alles andere als die Schlagzeile, man werde die Wahlergebnisse nicht akzeptieren", sagte der Wahlkampfstratege Ford O'Connell. US-Senator Lindsey Graham sagte, wenn Trump die Wahl verliere, seien nicht Manipulationen der Grund. Vielmehr sei Trump dann als Kandidat gescheitert. Der Parteistratege Ryan Williams nannte Trumps Äußerung "sehr besorgniserregend". Wahlergebnisse müssten anerkannt werden, es sei denn, es gebe Gründe für eine Neuauszählung der Stimmen. "Derzeit sieht es aber gar nicht nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus."

Die Verschwörungstheorie

Trump hatte in der Debatte Vorwürfe wiederholt, die Medien seien parteiisch und unehrlich. Zudem würden Millionen Menschen in Wählerverzeichnissen geführt, die dort nicht auftauchen dürften. Experten gingen davon aus, dass er mit dieser Strategie nur bei seinen eingefleischten Anhänger punkten kann. Darüber hinaus dürfte es ihm damit aber nicht gelingen, in den Umfragen das Ruder kurzfristig herumzureißen. Hier hatte Clinton zuletzt einen deutlichen Vorsprung vor Trump.

Sowohl Trump als auch Clinton sind bei den meisten Wählern unbeliebt. Während der 70-jährige Immobilien- und TV-Unternehmer zum ersten Mal ein öffentliches Amt anstrebt, gilt die 68-jährige Ex-Außenministerin zwar als erfahrene Politikerin - aber auch als Teil des oft mit Argwohn beäugten Washingtoner Establishments. Die ehemalige First Lady ist die erste Frau, die von einer großen US-Partei ins Rennen ums Weiße Haus geschickt wird. Trump hat seinerseits mit frauenfeindlichen Äußerungen für Aufsehen gesorgt und wird sexueller Übergriffe beschuldigt.

Die Frauen

Trump erklärte, die Darstellungen der Frauen sein als falsch entlarvt worden. Er warf Clinton und ihrem Wahlkampfteam vor, hinter den Vorwürfen zu stecken. Seine Rivalin sei "so eine böse Frau". Clinton bekräftigte daraufhin, die Vorwürfe seien gerechtfertigt. "Donald glaubt, wenn er Frauen herabsetzt, macht ihn das größer", sagte die Politikerin.

Die Erleichterung

Die meisten Anleger setzten nach dem dritten und letzten TV-Duell zwischen den US-Präsidentschaftsbewerbern Clinton und Trump auf einen Sieg der Demokratin. "Die Börsen gehen bereits fest von Clinton als nächste US-Präsidentin aus", sagte Fondsmanager Thomas Altmann von QC-Partners. Allerdings warnten Börsianer vor zu großem Optimismus und erinnerten an die Brexit-Abstimmung im Juni, als die Briten entgegen den Umfragen für einen EU-Austritt ihres Landes gestimmt hatten. Somit fiel das Plus von Dax und EuroStoxx50 mit je 0,2 Prozent auf 10.666 und 3061 Punkten mager aus. Auch warteten viele Anleger auf die Pressekonferenz von EZB-Chef Mario Draghi am Nachmittag.

Umfragen zufolge hatte Clinton auch diese Fernsehdebatte für sich entschieden. Die Demokratin halten viele Investoren für berechenbarer, während der Republikaner als Investorenschreck gilt. Viele erwarten, dass Clinton die Politik von Präsident Barack Obama fortführen wird. Über Trumps konkrete Pläne ist dagegen wenig bekannt. In den Umfragen liegt Clinton vorne - doch hatte im Juni kaum jemand auf ein Ja der Briten zum EU-Austritt gesetzt.

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