Donald Trump und die Ratlosigkeit der Unternehmen

Die erste Begeisterung über die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ist verpufft. Unternehmen wird nun zusehends mulmig zumute. Die Aussagen des neuen US-Präsidenten und sein Kurs werfen viele Fragen auf.

Donald Trump und die Ratlosigkeit der Unternehmen

US-Präsident Donald Trump: Wohin geht die Reise?

Nur noch ein Tag bis zur Inauguration von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Frage: "Wie geht es nun weiter?" quält nicht nur diejenigen, die ihn nicht gewählt haben. Auch Parteifreunde und Unternehmensvertreter, die seinen Wahlsieg ursprünglich beklatscht hatten, sind angesichts der Aussagen, Rundumschläge und oft wenig durchdachten politischen Ankündigungen Trumps zusehends ratlos.

Seit seiner Wahl hat Trump etliche Male mit via Twitter verbreiteten Meldungen überrascht. Er, beziehungsweise sein Team twittern unter dem Account @realDonaldTrump. Seit der Eröffnung des Kontos im März 2009 wurden darüber 34.300 Nachrichten verschickt . Die Kommunikation läuft allerdings extrem einseitig: Den 20,3 Millionen Twitter-Followern stehen nur 42 Accounts gegenüber, denen Trump und sein Team selbst folgen. Hinter vielen Followern stehen allerdings keine realen Personen, sondern Computerprogramme, sogenannte Bots, die Trumps Nachrichten weiter verbreiten. Laut einer Analyse von Twitter-Audit war im Mai 2016 jeder vierte der damals acht Millionen Followern ein Bot. Während des ersten TV-Duells zwischen Donald Trump und Hillary Clinton wurde zum Beispiel ein von einem Bot verschickter Retweet einer ursprünglich im Jahr 2012 über Trumps Konto verschickten Meldung, dass der Klimawandel eine Erfndung der Chinesen sei, um die US-Automobilindustrie zu schädigen, zu einem Renner auf der Plattform. Es gibt mittlerweile ein eigenes, inoffizielles Trump Twitter Archiv, in dem seine Nachrichten gesammelt sind.

Nach der ersten Begeisterung in der Unternehmenswelt über die Wahl von Donald Trump regen sich dort Zweifel am Kurs des neuen US-Präsidenten. Auch wenn viele Wirtschaftsvertreter weiter einen Konjunkturaufschwung nach dem Amtswechsel erwarten, mehren sich unter anderem mit Blick auf Trumps Gesundheits- und Steuerpolitik auch kritische Stimmen. Grund dafür ist, dass der Immobilienmilliardär mit unklaren Äußerungen über seine konkreten Pläne so manchen Manager ratlos zurücklässt. "Wir wissen eigentlich nicht genau, was er damit meint", sei häufig der Tenor, sagt ein Vertreter der Finanzbranche. Zudem zeige sich Trump unberechenbar - selbst für seine Parteifreunde.

So erklärte Trump unlängst, er werde die von Präsident Barack Obama durchgesetzte und von seinen Republikanern abgelehnte gesetzliche Krankenversicherung durch eine "Versicherung für jedermann" ersetzen. Dabei will gerade seine Partei "Obamacare" so schnell wie möglich zurücknehmen und das Engagement der Regierung im Gesundheitssystem sowieso weitestgehend einschränken. Der "Washington Post" sagte Trump aber am Wochenende, den Plan für einen "Obamacare"-Ersatz habe er schon so gut wie fertig.

Elefant im Porzellanladen

Auch bei der Steuerreform scheint Trump dem eigenen Lager einen Strich durch die Rechnung zu machen. Höhere Import- und niedrigere Exportsteuern sollen nach den Plänen im Kongress Fabriken in den USA erhalten und so dort Jobs sichern - eine Kernforderung Trumps aus dem Wahlkampf. Doch den konkreten Gesetzesvorschlag dafür bezeichnete der künftige Präsident kürzlich als "zu kompliziert" und ein "schlechtes Geschäft".

Solche Äußerungen seien "atemberaubend", urteilt Chris Krueger, Analyst bei der Investmentfirma Cowen and Co. "Trump ist wie ein Elefant in seinem eigenen Porzellanladen." Selbst Trumps Website stiftet Verwirrung. So verschwand dort die Ankündigung, das Gesetz für eine strengere Kontrolle der Wall Street zu zerpflücken, Ende vergangenen Jahres kommentarlos. Ein Trump-Sprecher hat dies auf eine Neugestaltung der Seite zurückgeführt, die laut Bank-Vertretern aber andere Ankündigungen durchaus unbeschadet überstanden haben.

Auch unter Washingtoner Lobbyisten sorgt Trump für Stirnrunzeln. Die Interessensvertreter sehen ihre ureigene Aufgabe gefährdet, weil sie beim künftigen Herrn im Weißen Haus nach ihrer Meinung nicht genug Gehör finden. Zwar lud Trumps Team in den vergangenen Wochen zu "Anhörungssitzungen", gab den Branchenvertretern aber kaum Zeit zu sprechen: Auf einem riesigen Bildschirm wurden die jeweils zwei Minuten Redezeit in einem Countdown heruntergezählt, berichten Teilnehmer. "Aber was kann man tatsächlich in zwei Minuten rüberbringen", fragt ein Vertreter der Finanzbranche. Trumps Team wolle einfach nur die Aufgabe abhaken, die Meinung der Wall Street eingeholt zu haben.

Trotz der wachsenden Ungewissheit zeigen sich viele Unternehmens- und Interessensvertreter weiter optimistisch. Ihre Devise lautet, sich bei Interpretationen von Trumps Stellungnahmen zurückzuhalten. So sei jede Meinungsäußerung Obamas in Washington wohl zurecht als wohlüberlegtes Signal verstanden worden, sagt ein hochrangiger Vertreter der US-Handelskammer. Trump dagegen könne ein Thema vielleicht einfach nur deshalb anschneiden, weil er eine Frage dazu habe.

Gelähmte Börsen

Die Unsicherheit vor der Inauguration Donald Trumps bremst auch den Handel an den Börsen. Wegen der unklaren Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich am Mittwoch nur wenige Anleger an die Aktienmärkte herangetraut. Während Hoffnungen auf einen US-Wirtschaftsboom den Börsen zu Ende des Jahres 2016 weltweit eine Kursrally beschert hatten ist nun die Laune der Anleger erheblich gedämpft. "Es gibt eine Menge Unsicherheit bezüglich der künftigen Politik", sagte Anlagestratege Quincy Krosby vom Versicherer Prudential. Trump blieb bislang Details zu seinem geplanten Konjunkturprogramm schuldig.

Am Mittwoch hatte sich zum Beispiel der deutsche Aktienindex Dax bei sehr geringen Umsätzen kaum bewegt. Laut Händlern bremste vor allem die Amtseinführung von Donald Trump den Handel. "Schließlich weiß niemand genau, was von seinen Versprechen er umsetzen wird und wie", kommentierte ein Händler. Trump hat Steuersenkungen, Deregulierungen, ein Infrastrukturprogramm und eine neue Handelspolitik angekündigt. Einzelheiten sind bislang aber nicht bekannt.

Für die Anleger an den Börsen gilt das gleiche wie für die europäischen Politiker. Christoph Heusgen, der außenpolitische Berater der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, rät diesen zu "strategischer Geduld". Er habe aus den ersten Gesprächen mit dem Trump-Team den Eindruck, dass dort das Verständnis der EU und ihrer Arbeitsweise nicht sehr ausgeprägt sei. "Wenn der Präsident ein 'Deal-Maker' ist, kann man ihm vielleicht auch nahe bringen, dass ein Deal nicht eingehalten worden ist", argumentierte Heugsen in Hinblick auf die 1994 von Russland gebrochene Zusage, als Gegenleistung zum Verzicht auf Atomwaffen die territoriale Integrität der Ukraine zu wahren. 2014 annektierte Russland die zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim.

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