Die Wirtschaftskammer muss 110
Millionen in ihre Pensionskasse pumpen

Als die Wirtschaftskammer (WKO) im Jahr 1999 ihr neues Pensionskassenmodell für Mitarbeiter einführte, wurde in mehrerlei Hinsicht geschlampt. Jetzt wird die Reparatur der Fehler aus der Vergangenheit Kammerchef Christoph Leitl und seine Präsidentenkollegen in den Ländern vermutlich an die 110 Millionen Euro kosten.

Aus einer Landesorganisation wird dieser Betrag FORMAT gegenüber bestätigt, von der WKO jedoch der Höhe nach bestritten. Am 23. November soll jedenfalls im erweiterten Präsidium der Sanierungsbeschluss fallen. Aber bei einem geheimen Krisenmeeting in der vergangenen Woche regte sich Widerstand, nicht alle Landeschefs wollen das Geld der Kammermitglieder dazu verwenden, den Mitarbeitern ihren warmen Geldregen in der Pension zu sichern. Einzelne Kammerpensionisten drohen ihrem ehemaligen Arbeitgeber inzwischen jedoch mit Klage, sodass man sich nun zu einer finalen Reparatur des Dilemmas entschlossen hat.

Die Probleme: Die seinerzeit versprochenen 7,5 Prozent jährliche Rendite auf veranlagte Pensionsgelder klangen für viele Kämmerer verlockend genug, um das alte Pensionssystem zu verlassen, das ihnen bis zu 80 Prozent ihres Letztgehalts als Ruhensbezug garantierte. Realität ist: Die 7,5 Prozent wurden nie erreicht, für 2011 kündigt Josef Moser, Chef der Wirtschaftskammern Pensionskasse AG, ein Minus von 2 Prozent an – das sich in den Pensionen der derzeit knapp 500 Anspruchsberechtigten (insgesamt stehen 5.200 Kämmerer im neuen System) mit einem sechsprozentigen Rückgang niederschlagen wird.

Die ein bis drei Prozent der Lohnsumme, welche die WKO konstant ins System einzahlt, reichen nicht, um die Lücke zu decken. Die Pensionskasse der Kammer verfügt derzeit über ein veranlagtes Vermögen von 142 Millionen Euro. Weiters hat man sich bei der Prognose der Biometrie-Entwicklung (Mitarbeiter, die in Invaliditätspension gehen oder im aktiven Dienst versterben und Nachkommen mit Pensionsanspruch hinterlassen) verschätzt. Darüber hinaus fordert die Finanzmarktaufsicht dem Vernehmen nach wegen falscher Zinsberechnungen Nachzahlungen ins System von 40 Millionen Euro.

All das soll nun in einem Aufwaschen korrigiert werden – und eben die kolportierten 110 Millionen kosten. Eine Landeskammer kündigt bereits an, einen entsprechenden Beschluss, sollte dieser tatsächlich fallen, beim Wirtschaftsministerium anzufechten. Weitere Bundesländer könnten sich anschließen. Eine Konsequenz hat man bei der WKO aus den Kalamitäten bereits gezogen. Für künftige Mitarbeiter wird man kein Pensionskassenmodell in herkömmlicher Form mehr anbieten.

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