Die Telekom Austria-Skandal-Deals

Es ist ein wahrer Einvernahmemarathon, den die Beschuldigten in der Telekom-Aktienkursaffäre diese Woche über sich ergehen lassen müssen. Am Dienstag hatte Ex-TA-Finanzvorstand Stefano Colombo Rede und Antwort zu stehen, am Mittwoch wurde Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly verhört.

Seit Ex-Telekom-Austria-Vorstand Gernot Schieszler als Kronzeuge zu Sommerbeginn vor dem Staatsanwalt ausgepackt hat, kämpft nahezu der gesamte Exvorstand des Unternehmens seit 2000 um Ruf und wirtschaftliches Überleben. Die Ermittler fügen indes Puzzlestein um Puzzlestein aneinander, um die Verdachtsmomente hinsichtlich Untreue und möglicherweise Betrug zu erhärten. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Dabei ist die Kursmanipulation zur Erlangung von rund neun Millionen Euro an Aktienboni für leitende Manager nur ein – wenn auch schillerndes – Detail im Gesamtbild des Sumpfes, der sich rund um dubiose Deals von Österreichs wichtigstem Telekommunikationsunternehmen gebildet hat.

Übliche Verdächtige

Denn auch bei der Telekom Austria hatte Karl-Heinz Grassers PR-Guru Peter Hochegger ordentlich verdient. Immerhin 25 Millionen Euro überwies die Telekom Austria (mittlerweile in A1 umbenannt) an Hochegger bzw. dessen Beratungsunternehmen. Für satte neun Millionen Euro fehlen die Leistungsnachweise. Der Vorwurf: Hochegger soll zumindest Teile der ausbezahlten Gelder an politische Parteien weiterverteilt haben.

Auch Einzelpersonen aus der Politik haben unmittelbar von Zahlungen aus dem Geschäftsbereich Hochegger-Telekom profitiert: Ex-FPÖ-Verkehrsminister Mathias Reichhold soll 72.000 Euro für Beratungsdienstleistungen von Hochegger kassiert haben. Auch SP-Abgeordneter Kurt Gartlehner, der Telekom-Sprecher der Sozialdemokraten, hat rund ein Jahr lang monatlich 3.000 Euro an Hochegger-Zahlungen erhalten.

Sämtliche Deals werden jetzt von der Justiz durchleuchtet. Weitere aufklärungsbedürftige Überweisungen von Telekom-Geld: ein Sponsoring des Heimatvereins von Ex-ÖVP-Chef und Vizekanzler Wilhelm Molterer, Bezahlung der Sekretärin von Exvizekanzler Hubert Gorbach und fragwürdige Immobiliendeals, sei es durch Befugnismissbrauch interner Manager, sei es durch verdächtig günstige Verkäufe an ausgewählte Günstlinge – etwa Ex-ÖBB-Chef Martin Huber.

Späte Aufklärung

Der Verdacht von Schmiergeldzahlungen, Korruption und Kickbacks begleitet auch die Ost-Deals der Telekom seit Jahren. Besonders den teuren Kauf der Mobiltel und der weißrussischen Velcom. Bei ersterem Geschäft machten Osthändler Martin Schlaff und seine Kompagnons Josef Taus und Herbert Cordt einen satten Schnitt: rund 800 Mio. Euro. Diese Summe zahlte die Telekom mehr, als Schlaff & Co zuvor für das Unternehmen gezahlt hatten.

Interne Revision, externe Prüfer, Staatsanwaltschaft und bald ein Untersuchungsausschuss nehmen die Vorgänge unter die Lupe. Fakt ist, dass der Schaden des Unternehmens und damit der Steuerzahler – die ÖIAG ist mit über 28 Prozent an der TA beteiligt – in jedem Fall höher als die Summe der Einzelereignisse ist, denn die Kosten für die interne Aufarbeitung werden mit einer Million beziffert, und die Affären haben den Aktienkurs und damit den Wert des Unternehmens nachhaltig gesenkt.

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