Die Rolle Chinas als Retter der
Weltkonjunktur ist mehr als ungewiss

Gemessen an den Schuldenbergen und dem anämischen Wachstum vieler entwickelter Industriestaaten, vermittelt die Entwicklung und Stabilität Chinas auf den ersten Blick Hoffnung für die Weltwirtschaft.

Die Wirtschaft wächst rapide – im zweiten Quartal des Jahres mit 9,5 Prozent. Das Land verfügt über einen komfortablen Devisenpolster von umgerechnet 3.000 Milliarden US-Dollar, und die Staatsverschuldung lag Ende 2010 nach offiziellen Angaben bei nur 19 Prozent des BIP.

Auch aus Nachfragesicht wird die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt immer wichtiger: China und Hongkong sind inzwischen für 14 Prozent der globalen Nachfrage verantwortlich, der Anteil der USA ist sukzessive von 25 auf nur noch 20 Prozent gefallen. Befeuert mit einem Konjunkturprogramm von vier Billionen Yuan (450 Milliarden Euro), ließ Asiens Diktatur Nummer 1 den letzten Kollaps der Weltwirtschaft im Rekordtempo hinter sich und sorgte dadurch auch in vielen Unternehmen des Westens für volle Auftragsbücher.

Trotzdem wird zunehmend bezweifelt, ob Chinas Wirtschaft stark genug ist, sich ein zweites Mal als Krisenhelfer zu bewähren. Denn auch dort treten massive Probleme zutage. Allen voran die Inflation, die im Juni im Vergleich zum Vorjahr schon auf 6,4 Prozent geklettert ist. Noch wesentlich stärker sind die Lebensmittelpreise gestiegen, ein Problem für die chinesische Bevölkerung und damit für die Zentralregierung, die Aufstände à la Nordafrika auf jeden Fall verhindern will. Dazu muss sie aber entweder den Preisauftrieb abbremsen, was bisher trotz mehrfacher Leitzinsanhebungen und härterer Reserveanforderungen bei den Banken nicht gelungen ist.

Oder sie muss das Wachstum weiter in lichten Höhen halten, was aber aufgrund der weltweit wesentlich schwächeren Konjunkturaussichten ebenfalls schwieriger geworden ist. Auch die Schuldensituation Chinas könnte dramatischer sein, als es auf den ersten Blick scheint: Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge liegen alleine die Verbindlichkeiten der chinesischen Regionalregierungen bei einem Viertel der Jahreswirtschaftsleistung. Die auf China spezialisierte Agentur Dragonomics schätzt ebenso wie der Ökonom Nouriel Roubini den Gesamtschuldenstand Chinas auf 80 Prozent des BIP – und damit ähnlich hoch wie im Westen.

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