'Die ÖIAG ist willens und in der Lage weitere Aufträge der Republik zu übernehmen'

Wie Markus Beyrer die Stimmung zwischen ÖIAG und Politik verbessern will und wo er die Rolle der Staatsholding sieht.

FORMAT: Herr Beyrer, Sie beginnen am 1. Juli Ihren Job an der Spitze der ÖIAG – möglicherweise bald mit einer riesigen Herausforderung, nämlich Griechenland bei den bevorstehenden Privatisierungen zu helfen.

Beyrer: Bleiben wir am Boden. Es gab eine Anfrage aus Griechenland, aber noch nichts Konkretes. Wenn überhaupt, ginge es auch nur um Beratung hinsichtlich der Strukturen für eine Privatisierungsagentur. Aber schon diese Anfrage ist ein schönes Kompliment für die ÖIAG.

FORMAT: Ein Kompliment für die Staatsholding und Ihren Vorgänger, so etwas kam in der letzten Zeit aus der österreichischen Politik – vor allem aus der SPÖ – eher selten …

Beyrer: Seit dem AUA-Verkauf war die Stimmung etwas getrübt, aber das darf man nicht überbewerten.

FORMAT: Wie werden Sie versuchen, die Stimmung zu heben, damit der ÖIAG zusätzliche Beteiligungen übertragen werden?

Beyrer: Die ÖIAG ist eine strategische Beteiligungsholding, die sich als Corporate Office des Staates um die drei verbliebenen Kronjuwelen OMV, Telekom und Post kümmert. Der Rest ist Sache des Eigentümers. Meine Aufgabe ist, dafür eine sachliche Entscheidungsgrundlage zu erarbeiten – und nicht, irgendwelche Wünsche über die Medien zu formulieren.

FORMAT: Ihr Vorgänger, Peter Michaelis, sagte in einem „trend“-Interview, Sie werden es leichter haben, die Politik von der ÖIAG zu überzeugen. Sehen Sie das auch so?

Beyrer: Ich sehe die Chance für einen Neuanfang, indem ich zu einer Versachlichung der Diskussion beitrage. Die ÖIAG ist willens und in der Lage, weitere Aufträge der Republik zu übernehmen. Aber es hätte überhaupt keinen Sinn, damit zu beginnen, Kasteln zu zeichnen.

FORMAT: In vergleichbaren internationalen Staatsholdings, die Sie sich genauer anschauen wollen, findet sich auch der Gedanke der Technologieförderung. Ist damit gemeint, dass sich die Staatsholding auch an Unternehmen beteiligt, die in für Österreich wichtigen Technologien tätig sind?

Beyrer: Das ist eine Denkvariante, über die diskutiert werden könnte.

FORMAT: Wenn alles bleibt, wie es ist, wird sich wohl bald die Frage stellen, wozu die ÖIAG noch gut ist.

Beyrer: Nein, wieso? Es gibt bei den bestehenden Beteiligungen genug zu tun. Deren volkswirtschaftliche Bedeutung ist sehr hoch, das möchte ich auch stärker bewusst machen. Sie stehen für rund 2,3 Prozent der österreichischen Produktion und Wertschöpfung, sie haben in Österreich 36.000 Beschäftigte und garantieren mit indirekten Effekten 81.000 Arbeitsplätze, sie haben 16.000 Zulieferer und repräsentieren 20 Prozent des ATX-Werts. Die ÖIAG anfüllen oder auflösen: Das ist nicht die Frage. Die Beteiligungen an OMV, Post und Telekom bestehen ja nicht zufällig, sondern weil es sinnvoll ist, dass es dort einen nationalen Kernaktionär gibt.

FORMAT: Und warum profitieren die Konzerne von der ÖIAG?

Beyrer: Weil wir sehr professionell und losgelöst von der Tagespolitik agieren und ein wichtiges Bindeglied zwischen Kapital und Republik sind. Außerdem helfen wir, Geschäftsmodelle und Strategien regelmäßig zu hinterfragen.

FORMAT: Bei allen drei Unternehmen hätte die Regierung noch Spielraum, den Staatsanteil zu reduzieren. Würden Sie das begrüßen?

Beyrer: Das ist eine Eigentümerfrage, derzeit gibt es dafür keinen Auftrag. Ich bekenne mich dazu, zumindest jeweils 25 Prozent plus eine Aktie zu halten, weil die Unternehmen standortrelevant sind – nehmen Sie den Universaldienst, den Post und Telekom garantieren, oder das Nabucco-Projekt der OMV, eine ganz zentrale Standortfrage für Österreich.

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