"Die Frage, ob man Politikern noch trauen kann, bewegt den Bürger auch noch im Herbst"

"Die Frage, ob man Politikern noch trauen kann, bewegt den Bürger auch noch im Herbst"

FORMAT : Die Grünen wollen als Kontroll- und Umweltpartei in den Wahlkampf ziehen. Wo sind die Wirtschaftsthemen?

Eva Glawischnig : Saubere Umwelt, saubere Politik sind unsere Kernanliegen. Selbstverständlich haben wir auch sonst viel vor. Wir wollen die Energiewende, die Verkehrswende, leistbares Leben, sprich günstige Öffis, biologische, gesunde Ernährung ...

... Bio, Öffis, – das sind doch Bobo-Themen für die urbane Zielgruppe?

Glawischnig : Nein. Eine Pendlerin in Salzburg, die 1.400 Euro für ihre Öffi-Strecke zahlt und keine Pendlerpauschale beanspruchen kann, wird das nicht als Bobo-Thema werten. Und gesunde Ernährung und Bienensterben sprechen breite Bevölkerungsteile an. Es gibt hier ein Umdenken.

Dem Bürger geht es vor allem um die Arbeitsplatzsicherung. Kein Interesse am kleinen Mann?

Glawischnig : Das erfolgreiche grüne Jobprogramm von Rudi Anschober in Oberösterreich soll nicht klein geredet werden, Stichwort Energiewende. Die Importkosten für Öl und Gas sind auf neuem Rekordhoch. Ein Umlenken der Gelder auf heimische, erneuerbare Energieträger schafft Jobs.

Das Kernthema wird aber Kontrolle sein. Ist das nicht zu eng?

Glawischnig : Früher hat man uns immer vorgehalten, wir seien ein Schrebergarten mit 25 Themen. Die Frage, ob man Politikern überhaupt noch trauen kann, die Frage nach Transparenz, nach Anständigkeit bewegt den Bürger auf der Straße auch noch im Herbst, glauben Sie mir!

Sie wollen eine Steuerreform, die unter anderem höhere Treibstoff-und PKW-Kosten vorsieht. Ist das klug?

Glawischnig : Es braucht jedenfalls eine aufkommensneutrale Steuerreform zur Entlastung des Faktors Arbeit. Unser Konzept muss natürlich neu bewertet werden, weil die Ölpreise enorm gestiegen sind. Hier müssen wir prüfen, ob es noch Spielraum gibt. Die Grundsteuer gehört jedenfalls reformiert. Ich bin für die Einsetzung einer Kommission, die auf Expertisen des Wirtschaftsforschungsinstitutes zurückgreift.

Die Salzburger Grünen haben eine Koalition mit Stronach ausgeschlossen. War das nicht ungeschickt?

Glawischnig : Die haben das so bewertet und werden schon ihre Gründe haben. Ich finde diese klare Festlegung gut.

Mit wem wollen Sie koalieren?

Glawischnig : Ich habe immer gesagt, dass ich offen in den Wahlkampf gehe. Dass die SPÖ aber das Bildungsvolksbegehren links liegen ließ und sich von der schwarzen Lehrergewerkschaft alles vorschreiben lässt, ist enttäuschend.

Mit der ÖVP wollen Sie auch nicht so recht. Sie werden aber rein rechnerisch mit Beiden koalieren müssen?

Glawischnig : Niemand kann derzeit fixe Prognosen zum Wahlausgang machen. Es gibt einen Aufwind für uns, den wollen wir nutzen.

Die Bundesgrünen punkten vor allem in Ballungszentren. Kommt daher die vorsichtige Ansage von 15 Prozent plus?

Glawischnig : 15 Prozent sind die Mindeststärke, die man zum Mitreden braucht. Das wird aber nur gehen, wenn wir im ländlichen Raum dazugewinnen. Und dafür werde ich kämpfen.

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