Die Ausgaben für die Lehrergehälter verschlingen den Großteil des Schulbudgets

Die Lehrer-Kosten belasten das Schulbudget enorm, die Dienstrechtsreform ist überfällig. FORMAT zeigt, wo sich unnötige Ausgaben verbergen.

Wir brauchen mehr Tempo“, sagt Werner Amon, der erst kürzlich zum ÖVP-Chefverhandler für Schulreformen nominiert wurde. Amon will mit der Dienstrechtsreform junge Lehrer länger an der Schule arbeiten lassen. Das kommt SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied entgegen, hatte sie doch Ähnliches schon vor zwei Jahren gefordert. Schmied begrüßt, dass Amon „rasch und konstruktiv in Verhandlungen einsteigen will“, und will die Gesprächsrunden über das neue Lehrerdienst- und -besoldungsrecht mit der Gewerkschaft zum „ehestmöglichen Zeitpunkt“ beginnen. Der Stein gerät langsam ins Rollen, die Gewerkschaft scheint den ÖVP-Rückhalt beim Reform-Bremsen zu verlieren. Amon selbst formuliert es vorsichtiger: „Die Arbeitszeitverkürzung, die vom Lehrervertreter Jürgen Rainer gefordert wurde, steht garantiert nicht auf meiner Agenda.“

Das neue Einvernehmen der Regierungsparteien komme zwar sehr spät – „es ist aber vernünftig“, sagt Schulexperte Bernd Schilcher. Er ist richtiggehend verwundert, dass „nun endlich gewisse Fortschritte möglich scheinen“. Schließlich wird die Diskussion um ein neues Lehrer-Dienstrecht bereits seit mehr als zwölf Jahren geführt; jene um die Schulverwaltung seit mehr als zwanzig Jahren. Mehr Arbeitsstunden an der Schule sind aber nur ein erster Schritt in die richtige Richtung, schließlich verschlingen die Personalkosten für Lehrer 6,2 Milliarden Euro jährlich. Das sind mehr als 85 Prozent des insgesamt 7,1 Milliarden schweren Schulbudgets. Ein neues Besoldungsrecht wäre ein großer Reformschritt. Reformpausen kommen teuer. FORMAT zeigt deshalb, an welchen Stellen nach Geldern gesucht werden kann, die sich in der Schule besser einsetzen ließen.

Lehrer kosten zu viel

Da ist erst mal die Arbeitszeit in der Klasse. Denn von den 40 bezahlten Stunden unterrichtet ein Berufschullehrer nur 24 Stunden. Die Lehrverpflichtung mancher AHS-Lehrer liegt sogar bei nur 17 Stunden. Den Rest ihrer bezahlten Zeit verbringen Lehrer mit Verwaltungstätigkeiten und vor allem Vor- und Nachbereitung oft zuhause. Schmied und Amon sind sich nun aber einig – die Schüler brauchen mehr Zeit mit den Lehrern, vor allem vor dem Hintergrund, dass künftig mehr im Team und am Nachmittag gearbeitet werden soll. Auch wenn Amon die Lehrer nicht zu mehr Unterricht verpflichten will, Fakt ist: Zwei Stunden Mehrarbeit in der Klasse würden ganze 420 Millionen Euro pro Jahr im Budget freischaufeln. Würden die entfallenen Stunden für Fortbildung in der Unterrichtszeit nicht bezahlt, sparte man weitere 28 Millionen Euro pro Jahr. Und die Verwaltungsarbeit von Lehrern gäbe es in Sekretariaten billiger. Der Rechnungshof berechnete zusätzliche sieben Millionen Euro Sparpotenzial.

Mit all diesen Geldern könnte man zum Beispiel die Einstiegsgehälter von Junglehrern erhöhen. Denn die Gehaltskurve ist im Moment enorm steil: Einen Bundeslehrer im ersten Dienstjahr lässt sich der Staat im Moment 40.300 Euro kosten, einer im zehnten verdient 53.700 Euro, und erst gegen Ende der Laufbahn, also nach dreißig Dienstjahren, gibt es 87.800 Euro. Das ist nicht nur wenig Motivation, in den Beruf einzusteigen. Das bloße Durchhalten, mit dem alle zwei Jahre eine automatische Gehaltserhöhung einhergeht, sorgt nicht unbedingt für mehr Einsatz.

Länderskurrilitäten

Nach Geldern suchen lässt sich aber auch an der Schnittstelle zwischen Bund und Ländern. Denn wie heimische Schulexperten sagt auch der deutsche Bildungsökonom Ludger Wößmann: „Wenn etwa eine Ebene Mittel bereitstellt und eine andere darüber entscheidet, was damit geschieht, ist das geradezu ein Rezept für den Fehleinsatz von Geldern.“ Im Moment aber ist genau das österreichische Praxis: Der Bund zahlt, die Länder bestellen. So kommt es, dass für einen Pflichtschullehrer in der Steiermark im Schnitt 58.700 Euro ausgegeben werden, in Wien aber nur 50.700 Euro.

Dazu kommen noch die Mehrkosten durch nicht eingehaltene Lehrer-Stellen-Pläne: Da gibt es jene Landeslehrer, die auf Wunsch des Bundes zusätzlich eingesetzt werden – als Stützlehrer zur sprachlichen Förderung oder in Integrationsklassen. Das sei der Grund für das Überziehen, sagen die Verantwortlichen in den Bundesländern. Da gibt es aber noch 1.336 weitere Lehrer, die in den Bundesländern unabhängig von Förderung und Co eingesetzt wurden. Der Bund weiß zwar nicht wofür, muss aber die Mehrkosten von zumindest 70 Millionen Euro dafür tragen. Ein Controlling, mit dem das Ministerium überprüfen kann, wofür genau Landeslehrer eingesetzt werden, gibt es bekanntlich noch nicht. Ob es überhaupt kommt, wird sich erst im Zuge der Verhandlungen zum nächsten Finanzausgleich ab kommendem Jahr zeigen.

Sinnbringendes in der Schule

Dabei gibt es genügend Reformprojekte, die Geld brauchen und von beiden Koalitionspartnern bereits akkordiert sind: Alle Hauptschulen sollen Neue Mittelschulen werden. Kostenpunkt: rund 230 Millionen Euro. Die bislang 120.000 Plätze in Ganztagsschulen werden österreichweit auf 200.000 aufgestockt – macht zusätzliche 80 Millionen Euro jährlich. Das Projekt der kleineren Klassen, das sich bereits im Endausbau befindet, kostet 280 Millionen Euro an jährlichen Investitionen. Dazu kommen noch mehr Schulpsychologen, neue Bildungsstandards und mehr Integrationsklassen. Da fließen die Millionen nur so dahin. Trotz solch umfangreicher Pläne will Finanzminister Josef Pröll weiterhin sparen: Für die Dienstrechtsreform bei den Lehrern will er überhaupt kein neues Geld zur Verfügung stellen. Sie soll „aufkommensneutral“ gestaltet werden. Dass das möglich ist, bezweifelt aber selbst sein Parteikollege Werner Amon: „Langfristig ist die Reform aufkommensneutral, kurzfristig wird man wohl zusätzliche Mittel brauchen.“

– Martina Madner

Kommentar
Heide Schmidt, Juristin und Politikerin (zunächst FPÖ, dann Gründerin des Liberalen Forums LIF).

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